August Macke Haus präsentiert Werke des Maler Egon Wilden

Ausstellung "Zwischen Atelier und Bühne" zeigt Arbeiten des rheinischen Künstlers zwischen 1894 und 1931

Bonn. Schon der Titel "Zwischen Atelier und Bühne. Egon Wilden. 1894- 1931" lässt auf zwei große Werkgruppen des rheinischen Künstlers schließen. Folgerichtig teilt das August Macke Haus seine um einige Porträts bereicherte Ausstellung in "freie" Arbeiten auf der einen und Bühnenbild-Entwürfe auf der anderen Seite.

Egon Wilden, der sein 1914 begonnenes Studium wegen seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg erst 1919 wieder aufnehmen konnte, wird hier als lohnende Wiederentdeckung aus der sogenannten Verlorenen Generation gewertet. In jüngster Zeit galten ihm gründliche Studien, nachdem weite Teile seines bis dahin in Bonn gehüteten Oeuvres in den Besitz des Kunstmuseums Ahlen, das auch für den stattlichen Katalog verantwortlich ist, geraten sind.

Stilistisch gilt Wilden als Spätexpressionist, auch als Rheinischer Expressionist der zweiten Generation, hatte er an der Düsseldorfer Kunstakademie doch auch bei Heinrich Nauen studiert. Allerdings lassen sich beide Stilströmungen nicht mehr so präzise definieren wie etwa die Ausprägungen der ersten Expressionisten-Generation der "Brücke" oder des "Blauen Reiters".

Sie tendieren vielmehr zu ganz verschiedenen während der Avantgarde des 20. Jahrhunderts begründeten "Kunst-Ismen". Und auch Egon Wilden lotet in seinem Werk die Möglichkeiten bereits etablierter Bildsprachen aus. Schon früh erfuhr er künstlerische Anerkennung als Bühnenbildner, beispielsweise am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Offenbar wusste er auch zu Zeiten knapper Kassen der Nachkriegsjahre und der großen Inflation effektvolle und originelle Entwürfe zu liefern. Annähernd 200 Kulissen gehen auf seine Ideen zurück Sie zeichnen sich einerseits durch lebhafte Farben und durch vielfach vertikal betonte, frontansichtige Bogenarchitekturen aus, andererseits schuf er perspektivisch in die Bühnentiefe gestaffelte Raumillusionen.

Die Entwürfe für die 1924 und 1927 in Hagen in Szene gesetzten Opern "Der Barbier von Sevilla" und "Elektra" belegen die gegensätzlichen Raumkonzepte. Trotz positiver öffentlicher Resonanz verließ Egon Wilden 1930 die Bühnen, um sich fortan als freier Künstler auszuleben. Egon Wilden ist der Maler kleiner Formate und "schneller" Techniken geblieben - sieht man einmal von seinen wenigen eindringlichen in Öl auf Leinwand gemalten Porträts aus dem letzten Schaffensjahr 1930/31 ab.

Sie aber, diese zahlreichen Aquarelle und Pastelle, überliefern die stilistische und motivische Vielfalt eines begabten, doch stets experimentierenden Künstlers. Allein seine Landschaften zeigen sich in naturgetreuen, expressiven oder gar abstrahierenden Variationen. Bilder wie "Lichtflut", "Strahlen" oder "Bäume im Licht" sind nicht nur dem Titel nach dem Rayonismus, der dem Orphismus Robert Delaunays und dem Futurismus verwandten Strahlenmalerei, verpflichtet.

Zeitweilig, wohl unter dem Einfluss des Bauhauses, hat sich der Maler der geometrisch konstruktiven Kunst angenähert. Seine Figurenbilder sprechen eine ganz andere Sprache. Die Aquarelle "Einsamkeit" oder "Trauer" verraten Befindlichkeiten des sensiblen Künstlers. Das Bild "Maler im Atelier", offensichtlich Zeugnis einer künstlerischen Depression, versinkt in düsterem Kolorit. Ein hölzernes Kirchmodell führt Wilden schließlich als Glasmaler vor.

Ob seine Fensterentwürfe jemals realisiert worden sind, ist ungewiss. Die manieristischen Überlängungen der Heiligen entsprechen den himmelwärts strebenden Fenstern und Pfeilern des kleinen Gotteshauses, das Elemente aus Neogotik und Jugendstil verbindet.

Egon Wilden wird sich seiner Suche nach einem eigenen gefestigten Stil sehr wohl bewusst gewesen sein, wie sich an der Korrespondenz mit seiner Frau, der Schauspielerin Hedwig Sparrer, ablesen lässt: " Es kommt nur darauf an, dass ich mich selber finde und das in mir finde, was nur ich allein sagen kann." Dazu aber hat ihm sein früher Tod keine Zeit gelassen.

August Macke Haus, Bornheimer Straße 96; bis 25. April. Di-Fr 14.30-18, Sa, So 11-17 Uhr; Katalog 30 Euro.