25. Geburtstag in Bonn

Angela Merkel gratuliert dem Haus der Geschichte

Bonn. Bundeskanzlerin Angela Merkel gratuliert dem Bonner Haus der Geschichte zum 25. Geburtstag mit einer teilweise emotionalen Rede. Dabei ging es auch um Helmut Kohl und das Leben in einem geteilten Land.

Das Wetter sei genau wie heute gewesen, ein strahlender, schöner Tag in Bonn, erinnert sich Oscar Schneider, vor 25 Jahren als ehemaliger Bundesbauminister der Vertraute Helmut Kohls in allen Bauprojekten und als Kuratoriumsvorsitzender des Haus der Geschichte erster Redner der Eröffnungsfeier – noch vor Bundeskanzler Kohl. Das Wetter als einzige Konstante, sonst war alles anders: politische Anfeindungen gegen das Kohl-Museum in Bonn, große Nervosität bei den Machern, die in schwieriger Zeit ein Haus ans Laufen zu bringen versuchten, für das es kein Vorbild gab. Und dann eine Geschichte, die macht, was sie will: Mauerfall, Wiedervereinigung – nichts von dem war planbar. „Eine Epochenwende, die in unseren Konzepten und Zeitplänen naturgemäß nicht vorgesehen war, die aber unbedingt in die Ausstellung zu integrieren und zu würdigen war“, wie Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, am Freitagmittag beim Festakt sagte. „Das war irritierend und mühsam.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach zunächst lieber von den Vorzügen: „In einem Haus wie diesem können wir förmlich spüren, dass Geschichte nichts Abstraktes ist, sondern etwas, das jede und jeden von uns berührt“, sagte Merkel in ihrer Festrede im Foyer des Hauses der Geschichte. Die Rede war bisweilen witzig, mitunter auch emotional – gerade wenn sie in ihren Ausführungen auf die Entwicklung in der DDR zu sprechen kam. Etwa auf die Montagsdemonstrationen in Leipzig, die massive Polizeipräsenz und die latente Drohung, gegen die Protestierenden loszuschlagen.

„Viele wissen nicht mehr, wie das Leben in einem geteilten Land war“, sagte Merkel vor rund 650 Gästen , „daran zu erinnern ,bleibt denkbar wichtig“, sagte sie. Daher schätzt sie Exponate wie den Zettel von Günter Schabowski von der Pressekonferenz am 9. November 1989, an deren Ende er das neue, gelockerte Reisegesetz der DDR verkündete. Auf eine Frage des italienischen Journalisten Riccardo Ehrman und eine Nachfrage des Bild-Reporters Peter Brinkmann antwortete Schabowski: „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich“. Unmittelbar nach der Fernsehübertragung strömten Tausende Ostberliner an die Grenzübergänge und forderten vehement die Öffnung der Schlagbäume.

(Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR.)

Kohls Strickjacke

Auch Helmut Kohls Strickjacke und Michail Gorbatschows Pullover findet die Kanzlerin als Exponate in der Dauerausstellung interessant, weil sie für die Verhandlungen beider Staatsmänner über die deutsche Vereinigung stünden. Merkel hob die Aktivitäten der Stiftung Haus der Geschichte hervor, die 1999 am zehnten Jahrestag der großen Montagsdemonstrationen in Leipzig das dortige Zeitgeschichtliche Forum gründete und in Berlin mit dem „Erinnerungsort Tränenpalast“ und der Kulturbrauerei zwei Institutionen präsentiere, die den Alltag in der DDR dokumentieren. Auch die von der Stiftung betreuten historischen Orte in Bonn – Kanzlerbungalow, Kanzlerarbeitszimmer und Bundesrat – lobte die Kanzlerin. Das Haus der Geschichte sei Vorbild für viele ähnlich gelagerte Museums-Initiativen von Wien bis Brüssel.

„Geschichte bietet Orientierung“, sei Teil einer lebendigen Demokratie und Instrument zur Selbstvergewisserung. Dass das Haus der Geschichte für jeden bei freiem Eintritt offen sei, findet die Kanzlerin genau richtig: „Eine sehr kluge Entscheidung, dieses Haus will allen gehören“.

Mit Blick in die Zukunft schloss sie mit der Mahnung: „Ein Geschichtsmuseum darf keinen Staub ansetzen, muss am Puls der Zeit sein.“

Hütter hatte zuvor an die Anfänge des Hauses der Geschichte erinnert: „Eine Einrichtung dieser Art, also ein nationales Museum, das sich ausschließlich der Zeitgeschichte widmet, gab es noch nirgends.“ „Wir fingen bei Null an“, sagte er. 1994 habe man die erste Dauerausstellung im Haus der Geschichte eröffnet: „Sie verknüpfte historische Ereignisse mit aktuellen Geschehnissen und führte die Vergangenheit bis unmittelbar in die Gegenwart.“

20 Millionen im Haus

25 Jahre später freut sich Hütter über rund 20 Millionen Besuche in den Ausstellungen des Hauses, einen anhaltend hohen Zuspruch – und sieht neue Aufgaben: „Die gesellschaftliche Realität, die sich seit der Eröffnung des Hauses signifikant verändert hat, stellt auch die Museen vor große Herausforderungen. Ausstellungen müssen in Zukunft vielfältiger, kommunikativer, partizipativer, auch internationaler dein als in der Vergangenheit und heute. Sie müssen die digitalen Möglichkeiten aktiv einbeziehen.“

Das Erfolgsrezept laut Hütter: eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung der Stiftung durch den Staat und die institutionelle Selbstständigkeit und wissenschaftliche Unabhängigkeit. „Diese Strukturen gewährleisten den inhaltlichen, gedanklichen und kreativen Freiraum, in dem im konstruktiven Austausch mit Fachleuten aus aller Welt und in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Stiftungsgremien die Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen entstehen.“

Charlie Chaplins Ballade „Smile“ und „Summertime“ von George Gershwin hatten die Veranstaltung eingerahmt. Olivia Trummer und Peter Materna spielten beseelt. Hier ein Lächeln, dort eine Verheißung – das Publikum war hingerissen.