Pioniere, Legenden und Rekorde

Am 16. August starten die Internationalen Stummfilmtage in Bonn

Besondere Atmosphäre: Stephen Horne begleitet „Gefahren der Brautzeit“ mit Marlene Dietrich bei den Stummfilmtagen 2012.

Besondere Atmosphäre: Stephen Horne begleitet „Gefahren der Brautzeit“ mit Marlene Dietrich bei den Stummfilmtagen 2012.

Die Internationalen Stummfilmtage in Bonn beeindrucken in diesem Jahr mit einem starken Programm. Start ist am 16. August. Eine Übersicht über die diesjährigen Highlights.

Mit Superlativen muss man ja bekanntlich vorsichtig sein. Doch das Programm der 34. Internationalen Stummfilmtage, die vom 16. bis 26. August im Arkadenhof der Universität Bonn stattfinden werden, bietet dermaßen viele Höhepunkte, dass man es nicht einfach nur „gut“ nennen kann. Und zwar nicht nur in Bezug auf die Meisterwerke, die sich wie ein roter Faden durch das von Stefan Drößler kuratierte Programm ziehen. Der Direktor des Filmmuseums München hat wieder eine hervorragende Mischung gefunden, hat Raritäten und Preziosen ebenso mit einbezogen wie herausragende Klassiker und zeigt damit, wie wichtig das cineastische Erbe ist. Bei einer Pressekonferenz in der Brotfabrik gaben er und Sigrid Limprecht vom Förderverein Filmkultur Bonn einen kleinen Einblick in einige wegweisende Filme, die zum Teil Legenden schufen oder sogar selbst zu solchen wurden.

Vor allem „Ben Hur“ sticht dabei hervor. Der Monumentalstreifen von 1925 gilt bis heute als teuerster Stummfilm aller Zeiten, bei dem alleine das berühmte Wagenrennen in einem eigens errichteten Stadion mit 47 Kameras aufgenommen wurde – für die damalige Zeit ein Mammutprojekt der Extraklasse. Die Bildsprache kann dabei durchaus mit modernen Produktionen mithalten, wie eine entsprechende Szene während der Pressekonferenz illustrierte. Kein Wunder also, dass „Ben Hur“ MGM zum mächtigsten Studio der Welt machte.

Doch auch andere Titel haben Geschichte geschrieben. „Es war“ zum Beispiel, der zweite Hollywoodfilm von Greta Garbo, mit dem diese sich endgültig als Ikone durchsetzte und auch ihren Filmpartner John Gilbert, mit dem sie bald auch privat eine Beziehung einging, zu einer Randnotiz werden ließ. Der Film enthält laut Drößler auch „die längste horizontale Liebesszene der 20er Jahre“ – die Sittenwächter haben sich damals wohl nur mühselig zurückhalten können. Dies war bei „Opium“ etwas anders. Der Aufklärungsfilm von 1918 nutzte die Gunst der Stunde und integrierte zahlreiche frivole Traumsequenzen, die später jedoch herausgeschnitten wurden. Nun wurde der verstümmelte Klassiker rekonstruiert.

Sehenswert sind zudem Buster Keatons erster Film, der das Festival am 16. August eröffnen wird und der mit dem chaotischen Bau eines Fertighauses die Surrealisten nachhaltig beeindruckt hat, sowie der Klamauk „Alles in Schlagsahne“ mit Stan Laurel und Oliver Hardy, der in der wohl größten Tortenschlacht der Filmgeschichte mündet. Ein weiterer Rekord. Für Literaturliebhaber und Cineasten dürfte zudem Murnaus „Faust“ ein Pflichttermin sein – ein Film, den beinahe Ernst Lubitsch gedreht hätte, wenn Douglas Fairbanks nicht vehement die Titelrolle abgelehnt hätte (er wollte lieber den Mephisto spielen) und wenn Mary Pickford nicht über den Kindsmord durch Gretchen entsetzt gewesen wäre. So kam Murnau zum Zug, der sogar Gerhart Hauptmann für die Zwischentitel gewinnen konnte – diese wurden allerdings auf Drängen des Drehbuchautors vor der Uraufführung wieder entfernt und werden in Bonn erstmals zu sehen sein. Alle Filme werden wie üblich mit Livemusik begleitet; neben Veteranen wie Joachim Bärenz und Günter Buchwald ist mit der Harfenistin Elisabeth-Jane Baldry auch wieder eine neue Künstlerin zu Gast in Bonn.

Das Programm im Internet unter internationale-Stummfilmtage.de