Premiere im Contra-Kreis

Alte Männer, alte Affären

Kerle im Herbst: Christian Wolff, Hans-Jürgen Bäumler und Horst Janson (von links) spielen drei alte Freunde, die sich auf Mallorca eine Finca teilen und von ihrer amourösen Vergangenheit eingeholt werden. FOTO: THEATER

Kerle im Herbst: Christian Wolff, Hans-Jürgen Bäumler und Horst Janson (von links) spielen drei alte Freunde, die sich auf Mallorca eine Finca teilen und von ihrer amourösen Vergangenheit eingeholt werden. FOTO: THEATER

Bonn. Die Komödie „Kerle im Herbst“ feierte Premiere im Contra-Kreis-Theater. Horst Janson (81), Christian Wolff (78) und Hans-Jürgen Bäumler (75) stehen auf der Bühne.

Das Meer rauscht, ein paar Möwen machen Lärm. Mallorca, eine Finca. Zwei Senioren, beide 78, sitzen auf der Veranda, trinken Flaschenbier und hadern mit dem Alter. Es geht um potenzielle Potenzprobleme – und um „Glocken, die inzwischen tiefer hängen als der Klöppel“. Zwischenbemerkung: Das Buch zum Stück stammt von einer Frau. Dritter im Bunde ist Rolf, der die ewige Jugend anstrebt, indem er unentwegt Sport in der Mittagshitze treibt. Die alten Schulfreunde eint der Pragmatismus: Solo wäre die Finca nicht finanzierbar. Eine junge Frau aus dem Dorf hilft im Haushalt. Sie erwartet ein Kind. Wer ist der Vater?

Die Komödie „Kerle im Herbst“ gibt eine Antwort, aber nicht auf genau diese Frage. Getrieben und gesteuert wird das Boulevardstück durch vier Briefe. Eine alte Schulfreundin namens Karin kündigt ihr Kommen an, die Ankunft verzögert sich, da bleibt Raum für Recherchen in der Vorvergangenheit, damals nach dem Abitur. Typisch Boulevard: Alte Affären erklären eigentlich alles. Trotzdem verharrt „Kerle im Herbst“ nicht im Grundmuster des Genres.

Ohnehin spielt die Handlung eher eine Nebenrolle, denn das Publikum ist gespannt auf die Hauptdarsteller. Da stehen schließlich drei Legenden der deutschen Film- und Fernsehgeschichte auf der Bühne des Contra-Kreis-Theaters: Horst Janson (81), Christian Wolff (78) und Hans-Jürgen Bäumler (75). Janson war einst der „Bastian“ im ZDF, den wird er wohl nie mehr los. Wolff wohnte 20 Jahre lang im „Forsthaus Falkenau“, und Bäumler war als Eiskunstläufer auf Edelmetall abonniert, bevor er ins Schauspielfach wechselte.

Drei auf einen Streich, gemeinsam auf einer Bühne, keine drei Meter von der ersten Sitzreihe entfernt. „Für einen von uns haben die Besucher in ihrer Jugend bestimmt mal geschwärmt“, sagte Darsteller Christian Wolff kürzlich im Interview mit dem General-Anzeiger. So ist es.

Der Regisseur und Theaterleiter Horst Johanning produziert „Kerle im Herbst“ zusammen mit der Komödie im Bayerischen Hof. Nach den Proben im München ging die Produktion im Herbst auf Deutschlandtournee. Alle 30 Vorstellungen waren ausverkauft. Jetzt stehen 60 Termine in Bonn an, danach geht es für zwei Monate an die Isar.

Vielleicht war es der Winterpause geschuldet, dass sich bei der Premiere erst allmählich die Betriebstemperatur einstellte. Auch lässt sich der intime Contra-Kreis nicht mit Stadthallen vergleichen. Zitat Bäumler: „In Bonn muss ich immer aufpassen, dass ich nicht über die Handtasche einer Besucherin falle.“ Doch ausgerechnet der ehemalige Eisprinz drehte im zweiten Akt regelrecht auf: Bei seiner tränenreichen Selbstkasteiung suchte Bäumler geradezu die Nähe zum Publikum. Janson und Wolff glänzten in rasanten Dialogszenen, wobei Wolff seinen schwulen Wolfgang weitestgehend klischeefrei gestaltete. Jansons Tochter Sarah Jane nutzte die Wehen ihrer schwangeren Dana für waffenscheinpflichtige Schreiattacken, sehr authentisch.

Dem Unterhaltungswert zum Trotz legt die Komödie auch eine unerfreuliche Erkenntnis frei: Der Mensch altert. Tut er es nicht, ist er bereits tot. Die Alternative: weiter alt werden, möglichst in Würde. Joachim Fuchsberger (1927-2014) hat das Thema vier Jahre vor seinem Tod mit dem Bestseller „Altwerden ist nichts für Feiglinge“ auf den Punkt gebracht. Die Autorin Katrin Weigand, Jahrgang 1968, lässt in „Kerle im Herbst“ reichlich Empathie erkennen für das, was sie später ebenfalls erwartet: das Alter. Interessant, sie arbeitet hauptberuflich als Stadtplanerin in Braunschweig. Bei der Bonner Premiere traf sie erstmals die Hauptdarsteller. Das Finale: viel „Bravo, Bravo“ und minutenlanger Applaus.

Weitere Vorstellungen fast täglich bis einschließlich 30. April. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.