Komödie

"Achtung Deutsch" feierte im Contra-Kreis-Theater Premiere

Völkerverständigung: (von links) Quadirh Ait Hamou, Clara Küppers und René Toussaint.

BONN. Und es gibt ihn doch, den deutschsprachigen Autor, der sich auf die Kunst der Komödie versteht und dem unterhaltenden Stoff auch noch ein politisches Thema unterjubeln kann.

Der Mann heißt Stefan Vögel, ist ein in Liechtenstein lebender Österreicher und betätigt sich nicht nur als Stückeschreiber, sondern auch als Kabarettist. Das merkt man seinen ebenso scharfzüngigen wie dauerwitzigen Bühnenproduktionen an. Vögels Komödie "Achtung Deutsch" hatte jetzt am Bonner Contra-Kreis Premiere und riss das Publikum zu standing ovations hin. Mit vollem Recht.

In Bonn hatte ein weiterer Kabarettist seine Hand im Spiel. Jochen Busse scheint sich in das Stück verliebt zu haben, er inszenierte es jetzt zum dritten Mal, leichthändig, treffsicher und mit dem nötigen Schuss Selbstironie. Genau das ist die Mischung, die "Achtung Deutsch" braucht, denn Autor Vögel führt auf dem Boulevard eine ganz erstaunliche Migrationsdebatte.

Es geht um eine Multi-Kulti-Wohngemeinschaft von fünf Studenten aus fünf Ländern, die sich im mietgünstigen sozialen Wohnungsbau angesiedelt hat. Der vom deutschen Hauptmieter Henrik (Patrick Dollmann) tapfer angemeldete Nationen-Mix wird vom Amt allerdings unverdrossen als deutsche Familie geführt.

Henrik verabschiedet sich ungünstigerweise in den Ski-Urlaub, als sich ein Kontrolleur der Wohnungsbaugenossenschaft an die Erkundung der eigenartigen Wohnsituation macht. Für die anstehende Überprüfung, die speziell den Syrer Tarik die bevorstehende Einbürgerung kosten könnte, absolviert der WG-Rest einen Crashkurs für Neogermanen und mutiert zur erwünschten deutschen Familie oder dem, was man sich in den Doku-Soaps des Privatfernsehens darunter vorstellt, Kuckucksuhr und die Fixierung auf Bier, Bratwurst und Fußball eingeschlossen.

Neben Tarik (Quadirh Ait Hamou), der in der Verwechslungskomödie einen herrlichen deutschen Proll abgibt) wären da noch: die Französin mit ordentlichem Männerverbrauch (Clara Cüppers), der Italiener (Nico Venjacob), der schnell auf Emotionstouren kommt und dem die Mamma heilig ist, sowie der Wiener (Matthias Kofler), der nicht nur im 23. Semester Psychologie studiert, sondern auch das gedehnteste Wienerdeutsch aller Zeiten spricht. Hinzu kommen ein ebenso durchtriebener wie spießiger Asi-Nachbar (René Toussaint) und ein deutscher Beamter (Steffen Laube), der zumindest in der Mittagspause die Korrektheit mal ruhen lässt.

Das klingt nach Klischee und bedient tatsächlich auch alle Vorurteile, die in dieser Vielvölker-Mischung stecken. Vögels hinreißender Autorentrick besteht darin, mit dem Klischee zu spielen, es zu enttarnen und ohne jeden Zeigefinger ein bisschen Verständigungspädagogik zu leisten. Das Ensemble fühlt sich sichtlich wohl mit der Vorlage, agiert mit Elan und Lust an der Pointe - eine Chaoten-Truppe, die einem ans Herz wächst. Kurzum: einer der ganz starken Abende im Contra-Kreis-Theater, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Übrigens: Stefan Vögel hat schon eine Fortsetzung geschrieben. In "Achtung Deutsch 2" sind der Syrer und die Französin mittlerweile verheiratet und für den Preis als "Bestintegrierte Deutsche mit Migrationshintergrund" nominiert. Da sollte der Contra-Kreis mal genau hinschauen.

Bis zum 15. Dezember auf dem Spielplan des Contra-Kreis-Theaters. Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.