Abenteuerliche Reise durch eine Wohnlandschaft

Möbelskulpturen für Mußestunden - Ausstellung mit Werken von Michael Growe in der Galerie Cramer in Poppelsdorf

Bonn. Man darf über ihre geschmeidige Oberfläche hinwegstreichen, der Neugierde nachgeben, nach verborgenen Riegeln zu tasten. Und man soll sogar jene Pforten öffnen, die ihr intimes, farbiges Innenleben den Blicken preisgeben.

Denn die Möbelskulpturen des Michael Growe - wie etwa "Tränke" oder "Depot" - sind Gebrauchsgegenstände; sie sind bestimmt für Wohnlandschaften des Alltags, bestimmt für Mußestunde, wo man ihr faszinierend farbiges Erscheinungsbild in Ruhe auf sich einwirken lassen kann.

Seine Möbelskulpturen, "Klötze" (bemalte Fundhölzer) und Bildobjekte repräsentierten "Zeitkunst", betont der 1960 in Warburg geborene, zum Meisterschüler von Gotthard Graubner gekürte Künstler.

Gefragt damit ist die zeitintensive Betrachtung, das eingehende Studieren von Farbkörpern, deren Gestalt sich mit Beleuchtungsverhältnissen und, darüber hinaus, so Growe, mit der subjektiven Stimmungslage des Rezipienten verändert.

Die Bilderfahrung von "Rain", einer exquisiten Schau der Galerie Barbara Cramer, beginnt an den Wänden mit der Wahrnehmung von konisch zugeschnittenen Holzkörpern, die gleichsam auf den Betrachter zugehen und weiter in den Raum hineinschwingen.

Eingänglich erscheinen Kompositionen, wo zwei horizontal oder vertikal verlaufende Farbfelder (Leimtempera, Öl) zusammentreffen, an ihren unregelmäßigen Randzonen die Aura eines Lichtsaumes oder eines spektralen Farbstreifens herausbilden.

Die magische Anziehungskraft oder "Abstrahlung" - ein Begriff von Growe - rührt von einer seidig matt schimmernden Oberfläche her; sie bringt Modulationen von sanften, warmen Klängen hervor, schlägt auf der anderen Seite verschattete, dunklere Tonarten an.

"Ladung" lautet die Zauberformel Growes. Damit ist ein spezifisches "Farbgewicht" gemeint, das Wirken von Farbenergien, die wie Filmstreifen übereinander lagern und zuvor abgeschliffen und mit Wachs versiegelt werden.

Galerie Barbara Cramer, Poppelsdorfer Allee 58a; bis 30. November. Di-Fr 15-19, Sa 11-14 Uhr