Kulturkreis Bonn

53 Fördervereine präsentieren sich im ehemaligen Bouvier-Haus

BONN. Seit Monaten ist die traditionsreiche Buchhandlung Bouvier geschlossen. Am Samstag war sie für einige Stunden wieder geöffnet. Allerdings: Bücher gab es nicht zu kaufen. Der Kulturkreis Bonn hatte vom Hauseigentümer die Erlaubnis erhalten, kostenfrei den für viele Menschen so vertrauten Laden zur Selbstdarstellung zu nutzen.

Bis zum Nachmittag zählten die Veranstalter mehrere tausend Besucher, die den Stadtbummel mit einer Stippvisite bei Bouvier verknüpften. Das geplante Bürgerbegehren zu Einsparungen bei der Oper war für viele das Thema Nummer eins. "Das hat dieser seit Langem geplanten Veranstaltung natürlich eine andere Dimension verliehen", sagte Markus Schuck.

Der kulturpolitische Sprecher der Bonner CDU und Vorsitzende des Vereins Schumannhaus stand mit seinem Info-Tisch unmittelbar am Eingang zum einstigen Buchladen, in dem der Kulturkreis sinnigerweise unter dem Motto "Kultur öffnet die Türen" nicht nur das breite Spektrum der Bonner Kultur präsentierte, sondern auch mit einem vor allem hörenswerten Programm aufwartete.

Während Schucks kleiner Sohn Felix (6) brav die Festschrift zum Jubiläum 50 Jahre Schumannhaus unter die Leute brachte, machte der Papa seinem Unmut über die Spardebatte zur Bonner Kultur und das Bürgerbegehren Luft. "Das ist doch unsäglich." "Wir sind an einen Punkt angelangt, wo es heißt, Kultur sei nur ein Angebot für Leute in Abendrobe", sagte Mitveranstalterin Elisabeth Einecke-Klövekorn, Vorsitzende der Bonner Theatergemeinde.

Das sei natürlich völliger Quatsch. "Kultur in Bonn ist für jedermann und für jede Altersgruppe", sagte sie und nannte das Beethoven Orchester als Beispiel, dessen Mitglieder unter anderem in die Schulen gingen, um mit den Kindern Musik zu machen. Ob freie oder etablierte Kultur: "Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren, wir gehören zusammen", sagte Einecke-Klövekorn, die viel Zuspruch von den Besuchern erfuhr.

Stephan Eisel, Vorsitzender der Bürger für Beethoven, und Ernst-Ludwig Hartz (Kunst!Rasen) standen einige Meter weiter entfernt und unterhielten sich angeregt. "Für mich gibt es nur eine Kultur", sagte Hartz, "das Kastendenken wie in Bonn kenne ich aus keiner anderen Stadt."

Farbe in die kahlen Ladenräume brachte die Bodypainting-Tanz-Performance um Irene Fokkema. aus dem Frauenmuseum. "Sagen Sie mal, sind Sie operiert?", fragte ein älterer Herr Annika Jung, die ihren makellosen nackten Körper für den Auftritt auf der vom Theater Bonn aufgebauten Bühne von Fokkema bemalen ließ. "Nein", antwortete die junge Frau lächelnd, "das habe ich wohl alles dem lieben Gott zu verdanken."

Chansons von Stefania Adomeit, Jazz mit Markus Schinkel oder der Blick in Wagners Hirn, den der Bonner Nachwuchskomponist Alexander Maria Wagner am Flügel mit Eigenkompositionen wagte, waren nur einige der Programmpunkte, die die Passanten von der Straße in die ehemalige Buchhandlung lockten. Manche dachten gar, Bouvier habe doch wieder auf.

Der ersten Enttäuschung, weil dies nicht der Fall war, folgte dann schnell das Staunen darüber, wie viel Kultur in Bonn geboten wird und wie viele Menschen sich dafür ehrenamtlich engagieren. "Für uns ist das wirklich toll, dass wir diese Räume nutzen dürfen", sagte Einecke-Klövekorn. Die letzten beiden Male habe die Veranstaltung unter freiem Himmel stattgefunden, und im vorigen Jahr habe es doch ziemlich stark geregnet.

Der Kulturkreis Bonn

Der Kulturkreis Bonn ist ein Zusammenschluss von 53 Bonner Kulturfördervereinen. Das Spektrum der Institutionen reicht von Museum Koenig , Literaturhaus, Pantheon und Springmaus über das Stadtmuseum bis hin zu Beethovenorchester, Theater und Oper. Der Kulturkreis hat sich vor einigen Jahren auf Initiative des Deutschen Kulturrates gegründet.