Galeriehaus von Clement & Schneider

23 Künstler im neuen Licht

Die Bonner Kunstszene hat eine neue Attraktion: Am Sonntag wird das neue Galeriehaus an der Lotharstraße mit der Ausstellung "Intro" eröffnet. Genauer: Die Architektur selbst, eine edle zweistöckige Villa des Bonner Architekten Uwe Schröder, soll erst am 27. September nach Vollendung des Gesamtkomplexes inklusive Piazza eingeweiht werden.

Aber gut sicht- und erlebbar ist sie jetzt schon - wenn man den Blick von der Kunst zum Bau schweifen lässt, was überaus reizvoll ist.

Schröder hat für seine Schwester Gisela Clement, die seit viereinhalb Jahren gemeinsam mit Michael Schneider die benachbarte kunstgaleriebonn in der Villa Faupel führte, ein gleichermaßen funktionales wie ästhetisch höchst ansprechendes Kunsthaus realisiert, das Ausstellungsflächen, Büro- und Rückzugsräume, Kommunikationszonen im Freien, im Hof und im Inneren beinhaltet und sogar einen Raum für die Kinderkunstschule von Uwe Schröders und Gisela Clements Schwester Birgit Schröder. Ein Familienunternehmen.

Im Mittelpunkt aber stehen die Arbeit und die Künstler der früheren kunstgaleriebonn, die jetzt unter Clement & Schneider firmiert. Viele Positionen der Eröffnungsschau "Intro" sind vom bisherigen Programm her geläufig, prominenter Neuzugang sind die Brüder Maik und Dirk Löbbert, von denen neue und ältere Arbeiten gezeigt werden. In vier jeweils 40 Quadratmeter großen und durch Lichtdecken taghell erleuchteten Ausstellungsräumen sowie im großzügigen Treppenhaus ist die Kunst von 23 Künstlern in spannenden Gruppierungen zu sehen. So treffen etwa die liegenden türkisen Epoxidharz-Spiegel auf eine Aluminium-Stele von Albert Weis, der mit Industrielacken arbeitende Maler John Zinsser begegnet den filigranen Zeichnungen Detlef Beers, nicht weit entfernt steht die gleichsam von innen leuchtende, ganz neue Plexiglas- und Epoxidharz-Arbeit "Orten" von Werner Haypeter. Und vor einem in Weiß-Nuancen schillernden Großformat von Peter Tollens liegt ein scheinbar achtlos hingeworfener verdreckter Eimer. Es ist ein Werk von David Semper, der den Eimerboden durch eine kostbare Alabasterscheibe ersetzt hat.

"Seit einer Woche üben wir", sagt Gisela Clement, die gemeinsam mit Schneider und den Künstlern die neuen Räume erobert hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, insbesondere der sechs Meter hohe Raum mit etwas älteren Heroen ist atemberaubend: Man sieht Joachim Bandaus "Mannequin" von 1974 aus einem aufgeschlitzten Lkw-Schlauch, der über eine Polyesterlafette gespannt ist, ein wunderbares "Geteiltes Kontrastbild" von Erwin Bechtold, Dóra Maurers "perspektivisches Quasibild", Werke von Frank Badur und Max Cole. Kirstin Arndts - sie gehört der nächsten Generation an und ist neu im Programm der Galerie - locker geknüpftes Kunststoffnetz fügt sich wunderbar in das Ensemble ein.

Die Beleuchtungssituation in den neuen Räumen mit künstlichem und natürlichem Licht ist ideal, das Farbklima im Galeriehaus unterstützt die Wirkung der Kunst - dunkelgrauer Basalt, dunkelbraunes Parkett, hohe dunkle Sockelstreifen kontrastieren im vier Meter hohen Erdgeschoss mit den weißen Wänden, ein schwarzer Terrazzo-Boden und das schlichte Ornament des dunklen Handlaufs dominieren das Treppenhaus. Im Obergeschoss wird die Farbskala heller, da trifft honigfarbenes Parkett auf Tuffstein.

Wie bei Schröders Bauten (etwa der "Rom.Hof", Bonn-Dransdorf) üblich, wird der delikate Materialmix auch nach außen getragen. Basalt bestimmt hier den breit gelagerten, den Hof mit einbeziehenden Gebäudesockel, aus dem der schlanke Ausstellungskubus herauswächst, verputzt mit Tuff-Material.

Galeriehaus Clement & Schneider, Lotharstraße 104; bis 21. November. Di-Fr 14-18, Sa 11-15 Uhr. Eröffnung am Sonntag, 31. Mai, 11 Uhr, durch Kunstmuseumsintendant Stephan Berg