100 Jahre Beethoven Orchester Bonn: Ausstellung im Opernfoyer

Existenzbedrohende Krisen, Höhen und Tiefen

Bonn. 1932 schien das Ende des Orchesters der Stadt Bonn besiegelt. Die Weltwirtschaftskrise bescherte eine desolate Haushaltslage, der Finanz- und Kulturausschuss der Stadt beschloss, den damals 46 Musikern "vorsorglich" zum 1. April zu kündigen.

Die hatten die Entwicklung vorausgeahnt und bereits ein Jahr zuvor begonnen, "Werbe-Veranstaltungen zur Erhaltung des Städtischen Orchesters Bonn", zum Beispiel erfolgreiche Jazz-Konzerte, zu veranstalten. Unterstützung erhielten sie von der Pianistin Elly Ney. Die lud zu "Volkstümlichen Beethovenfesten" zugunsten des Orchesters.

Dies war nicht die erste existenzbedrohende Krise in der Geschichte des Ensembles, wie die Ausstellung "100 Jahre Beethoven Orchester Bonn" im Foyer der Bonner Oper anschaulich vermittelt. 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, löste der Stadtrat das Ensemble auf, erst 1920 erhielt Bonn sein Orchester wieder. Aus der Rückschau kurios, damals bittere Realität: Blechbläser des Orchesters wurden während der vierjährigen Pause zeitweise als Hilfspolizisten eingesetzt.

Die Geschichte des Städtischen Orchesters Bonn", seit 1959 "Orchester der Beethovenhalle", seit 2003 "Beethoven Orchester Bonn", kurz BOB, wird in der Ausstellung mit Texttafeln und reichlich dokumentarischem Material wie Fotos, Plakaten, Programmzetteln und Hörbeispielen nachvollzogen.

Die einhundert Jahre seitdem bilden eine wechselvolle Geschichte mit Höhen und Tiefen, aber "Summa summarum eine permanente Weiterentwicklung", wie es Theaterintendant Klaus Weise in seinem kurzen Eröffnungsstatement formulierte. Und mit Blick auf künftige Aufgabenverteilung fügte er vielsagend hinzu: "Das Orchester hat ein Stand- und ein Spielbein."

Welches davon Oper und welches Konzert sei, werde er in hundert Jahren beantworten. Kulturdezernent Ludwig Krapf machte deutlich: "Die Stadt schaut mit Stolz und Sympathie auf das Orchester." Das "Ensemble van Beethoven" umrahmte die Grußworte mit Beethovens Septett op. 20.

Die künstlerischen Leiter des BOB haben das Orchester und das Bonner Musikleben auf je eigene Weise geprägt. 1907 übernahm die Stadt Bonn das zehn Jahre zuvor gegründete "Philharmonische Orchester Koblenz" samt Kapellmeister Heinrich Sauer, der bis 1931 amtierte und vor allem zuständig für die Opernaufführungen war, während Musikdirektor Hugo Grüters sich den Konzertaufführungen widmete.

Gustav Classens und Otto Volkmann führten das Orchester vom Nullpunkt nach dem Zweiten Weltkrieg in eine gesicherte Zukunft; Volker Wangenheim öffnete die 1959 eingeweihte Beethovenhalle für die Neue Musik; Dennis Russell Davies forcierte CD-Einspielungen; Marc Soustrot setzte in seinen Programmen einen französischen Akzent; Roman Kofman stemmte einen Schostakowitsch-Zyklus.

Die Liste der Gastdirigenten des BOB versammelt illustre Namen von Richard Strauss bis Sergiu Celibidache, die Karte, die die Auslandsreisen verzeichnet, ist eine Weltkarte. Insgesamt eine Erfolgsgeschichte also, die von kleineren Skandalen kaum getrübt wird. So streikten die Musiker 1969 wegen unzumutbarer Spielbedingungen für Karlheinz Stockhausens "Fresko", und 1985 verblüffte Gustav Kuhn mit einer gänzlich neuartigen "Schlagtechnik", als er seinem Opernintendanten Jean-Claude Riber eine Ohrfeige versetzte.

Orchesterleben, das ist auch eine Zwangsgemeinschaft, Humor ein gern genutztes Ventil. Das belegen in der Ausstellung witzige Cartoons vom frisch pensionierten Ensemblemitglied Detlef Dost, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Die Ausstellung im Foyer der Bonner Oper ist noch bis Januar 2008 zu sehen.