Umfrage zum drohenden Pantheon-Aus

„Jede andere Stadt wäre froh über eine solche Institution“

Bonn. Was das Pantheon für die deutsche Kabarettszene bedeutet – Eine GA-Umfrage unter Künstlern.

3. Oktober 1987. Im Keller des Bonn-Centers eröffnet eine neue Kabarettbühne. Der prominenteste Gast kann nicht kommen, ist aber trotzdem präsent: Wolfgang Neuss (1923-1989) hat seinem Freund Rainer Pause einen kurzen Film geschickt. Da lümmelt der berühmte Nachkriegskabarettist auf seinem Sofa in Berlin und spricht aufbauende Worte in die Kamera. „Ich wünsche dem Pantilliong ganz viel Erfolg“, sagt er und grinst durch die legendären Zahnlücken. Nie wieder wurde der Name dieses Theaters charmanter deklamiert.

Dann kommt er tatsächlich, der ganz große Erfolg. Und hält gut 28 Jahre lang. Vorerst. Wobei sich der Stellenwert des Hauses auch an der Außenbetrachtung ablesen lässt. Wenn Künstler in Hamburg, München oder Berlin über das Pantheon sprechen, klingt Bewunderung mit, zumindest aber hohe Anerkennung. Ob Michael Mittermeier („eine meiner Lieblingsbühnen“) oder Carolin Kebekus („tolle Location“): Man schätzt das Pantheon als verlässliche Spielstätte mit der besonderen Aura.

Große Bedeutung in der Branche kommt dem jährlichen Wettbewerb zu: „Der Prix Pantheon hat eine Sonderstellung“, sagte der Dortmunder Torsten Sträter unlängst in einem GA-Interview. „Es gibt sogar Kollegen, die damit werben, eingeladen worden zu sein, auch wenn sie keinen Preis bekommen haben.“

Torsten Sträter: „Der Prix Pantheon hat eine Sonderstellung.“

Torsten Sträter: „Der Prix Pantheon hat eine Sonderstellung.“

Die aktuelle Entwicklung hat die Branche bundesweit überrascht: „Seit Monaten verfolge ich das Ringen um die Zukunft des Pantheon mit Bangen und Hoffen“, sagte der Mainzer Kabarettist Tobias Mann gestern dem GA. „Es wäre ein unschätzbarer Verlust für die gesamte Kleinkunstszene, wenn es nicht gelänge, einen neuen Platz für das Pantheon zu schaffen.“

„Ein Theater mit einer solchen Historie wie das Pantheon darf nicht verschwinden“, fordert der Comedian und „Nightwash“-Erfinder Knacki Deuser. Der Kölner hat bereits zu Beginn seiner Karriere am Bundeskanzlerplatz gespielt. „Und das Pantheon war schon damals ein Theater, das als Qualitätsstempel gegolten hat.“

Knacki Deuser: Das Pantheon „als Qualitätsstempel.“

Knacki Deuser: Das Pantheon „als Qualitätsstempel.“

Auch lokale Künstler wurden mit dem Pantheon groß. „Der Gewinn des Prix Pantheon in zwei Kategorien hat mich in der bundesweiten Kabarett- und Comedy-Szene auf eine neue Ebene geschossen“, sagt der Bonner Kabarettist Dave Davis. „Und es wäre eine Schande, wenn unsere Stadt das Pantheon aus mangelnder Weitsicht sterben ließe.“

Dave Davis: Das Pantheon-Ende wäre „eine Schande für die Stadt“.

Dave Davis: Das Pantheon-Ende wäre „eine Schande für die Stadt“.

„Jede andere Stadt wäre froh über eine Institution mit so einem einzigartigen Flair“, sagt der Bonner Musiker Götz Widmann, der 2007 im Pantheon die Reihe „Liedermacher-Sommer“ gegründet hat. „Ohne das Pantheon wären etliche Künstler vielleicht überhaupt nicht nach Bonn gekommen.“