Premiere in Bonn

„Abraumhalde“ läuft in den Godesberger Kammerspielen

Männerbilder auf dem Prüfstand: Probenfoto aus der Produktion von Elfriede Jelineks „Abraumhalde“. FOTO: THILO BEU

Männerbilder auf dem Prüfstand: Probenfoto aus der Produktion von Elfriede Jelineks „Abraumhalde“. FOTO: THILO BEU

Bonn. „Abraumhalde“ von Elfriede Jelinek feiert am Donnerstag Premiere in den Kammerspielen in Bad Godesberg. Darin spielen auch Männerbilder in der Gesellschaft eine Rolle.

Bonn ist ein gutes Pflaster für Bühnenstücke von Elfriede Jelinek. Erstmals wurde eine breitere Theateröffentlichkeit auf die österreichische Dramatikerin und Erzählerin aufmerksam, als Hans Hollmann 1982 die Uraufführung der musikalischen Komödie „Clara S.“ an den damaligen Bühnen der Stadt Bonn inszenierte. Jelinek hatte sich in dem gewissermaßen dokumentarischen Stück mit dem Verhältnis zwischen Clara Schumann und ihrem Mäzen Gabriele D'Annunzio beschäftigt. Jetzt, nach 35 Jahren, zahlreichen weiteren Stücken und dem Literaturnobelpreis für Jelinek, steht die jüngste Bonn-Premiere eines Theaterstoffs der ehemaligen Klosterschülerin aus der Steiermark unmittelbar bevor.

Die Schweizer Regisseurin Simone Blattner inszeniert Jelineks „Abraumhalde“ in den Kammerspielen in Bad Godesberg, Premiere ist am Donnerstag, 18.Mai. Wir treffen die 1968 in Basel geborene Regisseurin und den Dramaturgen Jens Groß, der im nächsten Jahr die Nachfolge der Bonner Theaterchefin Nicola Bramkamp antreten soll, im Bistro vis-à-vis den Kammerspielen zum Interview. Welchen Zug Jelineks „Abraumhalde“ zur Theaterbühne hat, wird schnell deutlich.

Männerbilder in der Gesellschaft

„Man kann Texte oft am Tisch klären – bei Jelinek habe ich den Eindruck, man muss den Text auf der Bühne klären“, sagt Blattner. „Sie schreibt sehr assoziativ und auch intuitiv, lässt sich beim Schreiben treiben.“ Für Dramaturg Jens Groß ist die „Abraumhalde“ mit dem Themendreiklang „Götter, Väter, Täter“ eines „der stärksten literarischen Stücke“ Jelineks. „Man merkt dem Text viele dialektische Fragestellungen an“, erläutert Groß. „Natürlich spielen Männerbilder in der Gesellschaft eine Rolle.“ So wird etwa auch der spektakuläre Missbrauchsfall Fritzl thematisiert. „Allerdings geht es nicht um die Biografie Fritzl, sondern um ein gesellschaftliches Phänomen“, stellt Groß klar.

Ein denkbarer Monolog wurde stattdessen auf sechs Schauspieler aufgeteilt – es entstehen Dialoge. Ein dramaturgischer Kunstgriff, der sich geradezu angeboten hatte: „Jelinek spricht über die aufgeklärte Gesellschaft, aber weil diese Gesellschaft auch zerfetzt ist, ist der Text eben auch so vielfältig“, erklärt Regisseurin Simone Blattner.

Premiere von „Abraumhalde“ in den Kammerspielen am 18. Mai (19.30 Uhr) , weitere Termine 21./31. Mai, 7./11./23./29. Juni sowie 1./6./14. Juli. Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen, unter Tel. (0228) 50 20 10 oder unter www.bonnticket.de