Überraschungssieger aus Hamburg

<b>Erster Preis</b> für das Projekt Falkenried des Architektenbüros Bolles-Wilson in Hamburg.

<b>Erster Preis</b> für das Projekt Falkenried des Architektenbüros Bolles-Wilson in Hamburg.

Städtebaupreis 2004 in der Bonner Bundeskunsthalle für Projekt Falkenried verliehen

Bonn. Schon Le Corbusier forderte Städte zum Leben, Aufatmen und Wohnen. Die Umsetzung dieser Vision ist eine Aufgabe, die von Architekten und Stadtplanern ständige Neuorientierung, ständiges Arbeiten an den aktuellen Lebensbedingungen erfordert.

Gerade in Zeiten verwahrlosender Innenstädte braucht es hierfür herausragende Projekte. Für solche hat die SEB AG nun in der Bonner Bundeskunsthalle den Deutschen Städtebaupreis 2004 vergeben.

Mit der Konversion der ehemaligen Fahrzeugwerkstätten Falkenried in Hamburg hat in diesem Jahr ein von dem Architektenbüro Bolles-Wilson (Münster) realisiertes Projekt den begehrten Preis erhalten, das durchaus als Überraschungssieger zu sehen ist.

Die Konkurrenz war teils renommierter, wie die aus der ehemaligen Roland-Kaserne entwickelte International University Bremen, teils hatte sie einen emotionalen Vorteil, wie der Gemüsemarkt in Fulda oder das historische Händelhaus-Karree in Halle an der Saale. Der Umbau des Westhafens in Frankfurt überzeugte vor allem durch seine soziale Bedeutung für das angrenzende Gutleutviertel.

Letztendlich gewann das Wohn-und Büroquartier Falkenried aufgrund seiner innovativen und qualitätvollen Ausführung, sowie der, für ein solches Projekt bemerkenswert zügigen Ausführung.

Dabei hob die Jury besonders die Verflechtung alter und neuer Bausubstanz hervor, die dem Viertel einen exklusiven, zeitlosen Charme gibt. "Angesichts der Abwanderungstendenzen aus der Stadt heraus gilt es attraktive Angebote zu schaffen, und zwar für verschiedene Zielgruppen", sagte Juryvorsitzender Michael Braum zu der Entscheidung. Dies sei Falkenried in herausragender Weise gelungen.

Mit dem Sonderpreis für "Temporäre Nutzung in urbanen Räumen" wurden zwei Projekte ausgezeichnet, da sich die Jury außerstande sah, "zwei je auf ihre Weise herausragende Planungsmaßnahmen in wertenden Vergleich zu setzen".

Die Stadt Leipzig wurde für "stadthalten" geehrt, ein Vorhaben, dem es gelingt, durch Kunstinstallationen den von Brachen und Leerständen gebeutelten Stadtteil Lindenau aufzuwerten. Der zweite Sonderpreis ging an "bed by night" aus Hannover, ein Gebäude aus wieder verwertbaren Baucontainern, das Schlafplätze für Straßenkinder bereitstellt.

Der Deutsche Städtebaupreis, der seit 1980 ausgelobt wird, gilt als die wichtigste Auszeichnung seiner Art. Seit diesem Jahr steht er unter der Schirmherrschaft der Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann. Gerade aufgrund der bewegten städtebaulichen Geschichte Bonns eine gelungene Patenschaft.