Ausstellung bei Clement & Schneider

Überraschung in Eiche rustikal

Vernissagegäste vor der Installation „Beziehungsproblem“.

Vernissagegäste vor der Installation „Beziehungsproblem“.

Bonn. Die Brüder Maik und Dirk Löbbert begeistern in der Bonner Galerie Clement & Schneider mit skurrilen Kunst-Installationen.

Sie lieben die Irritation, die Entdeckung auf den zweiten Blick, das Überraschungsmoment: Wenn die Brüder Maik und Dirk Löbbert im öffentlichen Raum unterwegs sind, fallen ihnen immer Punkte auf, die zum künstlerischen Kommentar reizen. Der manifestiert sich dann im Foto: Ein Zebrastreifen, der als grafische Erscheinung ein Eigenleben entwickelt, eine schwarze Fensteröffnung, die in einen alles dominierenden Balken im Bild verwandelt wird. Mit viel Liebe zum absurden Detail haben sich die weltweit in Museen und wichtigen Ausstellungen aktiven Brüder jetzt die Bonner Galerie Clement & Schneider im Galeriehaus von Uwe Schröder an der Lotharstraße vorgenommen.

Da werden eine Scheinarchitektur an eine Wand gemalt, die den Raum öffnet, und das dunkle Eichenparkett teppichartig mit einem helleren PVC-Parkettimitat belegt. Oben in der Ecke hängt das Foto eines stark vergrößerten Mückenstichs. In einem anderen Raum taucht plötzlich eine schwarze Sockelleiste als gemaltes Zitat schräg an der Wand auf.

Wenn sich die in Köln und Münster lebenden Brüder, die seit 30 Jahren als Künstlerduo auftreten, in dieser Ausstellung die Frage „Was ist ein Zuhause?“ stellen, so lautet die Antwort, dass alles im Fluss ist, das Zuhause ein Baukasten, eine Versuchsanordnung ist mit ästhetisch-sozialen Experimenten, deren Ausgang offen ist. „Déjà Vu (Venus)“ ist eine Arbeit, die zutiefst provisorisch aussieht. Zwei Raumkojen im Treppenhaus scheinen die Situation am Vorabend einer Ausstellung zu reflektieren: Ein Bild lehnt an der Wand, Mülltüten, eine Leiter, die titelgebende kleine, rote Venusstatue liegen und stehen herum. Der Clou der Arbeit: Im nächsten Stockwerk wiederholt sich diese vermeintliche Zufallskonstellation exakt. Ein frappierendes Erlebnis mit identischen Räumen.

„Neue Heimat“, eine weitere Arbeit, konfrontiert den Besucher mit quadratischen, signalorange gestrichenen MDF-Platten, die als Module mehrere Möglichkeiten der Behausung durchspielen: Mit einfachste Mitteln – Wand, Decke, Raumteiler – wird hier mit dem Thema Haus experimentiert, ohne dass sich einstellt, was mit dem Titel „Neue Heimat“ suggeriert wird. Pure Ironie, pure Illusion. Gemütlich wird es erst einen Raum später, schrecklich gemütlich.

Die Löbberts präsentieren ein bizarres Ensemble mit zwei Eiche-rustikal-Möbeln. Auf dem Boden liegt ein monströser Schlafzimmerschrank mit Beleuchtung. Er steht im Raum wie ein XXXL-Sarg. An der Wand hängend scheint sich das kaum kleinere Pendant mit Spiegeltüren in die Luft zu erheben. Ein beklemmendes Schauspiel, das seinen rustikalen Witz auch im Titel offenbart: „Beziehungsproblem“.

Galerie Clement & Schneider, Lotharstraße 104; bis 27. Oktober. Mi-Fr 14-18, langer Do 14-22, Sa 13-17 Uhr