Musikfest im Winter

Volkslied im Zentrum der Beethoven-Woche 2018

Bratschistin und Festivalleiterin Tabea Zimmermann.

Bratschistin und Festivalleiterin Tabea Zimmermann.

Bonn. Festivalleiterin Tabea Zimmermann verrät etwas über das Programm der nächsten Beethoven-Woche, die im Januar 2018 um Beethovens Volksliedbearbeitungen kreist. Auch ein Ausflug in die Gastwirtschaft ist geplant.

Bei der nächsten Beethoven-Woche des Beethoven-Hauses wird es sehr volksnah zugehen. Denn wenn Festivalleiterin Tabea Zimmermann die im Januar 2018 über die Bühne gehende Konzertreihe schon unter das Motto „Volks.Lied.Bearbeitungen“ stellt, soll das auch ein bisschen auf die Präsentation abfärben – zum Beispiel durch Musik in der lockeren Kneipen-Atmosphäre. „Ich freue mich schon sehr auf das Abschlusskonzert mit Pekka Kuusisto“, sagt sie im Gespräch mit dem General-Anzeiger, Der Geiger sei ein echter „Vollblutmusiker“.

Dem ersten Teil des Konzertes wohnt das Publikum wie gewohnt im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses bei, dann, so verrät Zimmermann, ziehen der temperamentvolle Finne und sein Ensemble zusammen mit dem Publikum ins benachbarte Gasthaus „Im Stiefel“ um. „Die Idee ist, erst dort den Beethoven zu spielen“, ergänzt Beate Angelika Kraus, Musikwissenschaftlerin und Mitarbeiterin des Beethoven-Hauses, nachdem zuvor Musik von Bélá Bartók, Antonín Dvorák und anderen im Kammermusiksaal erklungen sein werden.

Die Entdeckung der Volkstümlichkeit verdankt sich freilich nicht einfach einer Laune der Bratschistin Tabea Zimmermann, die nicht nur Festivalleiterin ist, sondern auch Vorsitzende des Vorstandes und des Stiftungsrates des Beethoven-Hauses. Die von ihr ins Leben gerufene Beethoven-Woche orientiert sich inhaltlich an Werken Ludwig van Beethovens, die vor jeweils 200 Jahren das Licht der musikalischen Welt erblickten. Nach der „Hammerklaviersonate“ op. 106 beim Festival Anfang dieses Jahres, ist es im kommenden Jahr die Sammlung der Schottischen Lieder op. 108, die Beethoven 1818 vollendete und die noch im selben Jahr gedruckt wurden.

Kammermusik lockert das Programm auf

Diese Sammlung op. 108 bildet den Fixstern des Festivals, um den sich die anderen Werke drehen, die ebenfalls Bezüge zum Volkslied aufweisen, manche sehr deutlich, andere lassen sie wenigstens erahnen. Zimmermann und ihre Mitarbeiter, zu denen neben Kraus vor allem auch der spanische Musikkritiker Luis Gago als Ideengeber zählt, haben da einen hübschen Strauß gebunden, der sowohl Beethoven und seine Zeitgenossen, die Romantiker und sogar die Moderne berücksichtigt.

Im Eröffnungskonzert am 19. Januar werden im Forum der Bundeskunsthalle den „Chansons madécasses“ von Maurice Ravel, Musik von Shulamit Ran, György Kurtág und Luciano Berio erklingen, dessen „Folk Songs für Mezzosopran und 7 Instrumente“ schon im Titel auf die Provenienz ihrer Melodien hinweisen. „Ich finde es immer wieder faszinierend, wie nah das Material aus der Volks- und der Kunstmusik sich ist“, sagt Zimmermann. An diesem Abend singt Virpi Räisänen, die instrumentalen Partien übernehmen Tabea Zimmermann und das Ensemble Musikfabrik. Im Anschluss an das Konzert geht es im Café des Museums mit einer echten „Ceilidh“ weiter, einer schottisch-gälischen Zusammenkunft mit Musik.

Der Musik der Wiener Klassik bleiben der Tenor Christoph Prégardien und das Oberon Trio mit ihrem Programm weitgehend verbunden, die Beethovens Volksliedbearbeitungen einer Auswahl von Haydn'schen Äquivalenten gegenüberstellt. Aufgelockert wird das Programm durch Kammermusik der Amerikaner Aaron Copland und Charles Ives.

Flamencomusik ist ebenfalls im Programm

Dass in einem Festival, das von Beethoven ausgehend der Frage nach dem Einfluss der Volksmusik auf die Kunstmusik nachgeht, nach Ungarn schaut, liegt eigentlich nahe. „Das gesamte 20. Jahrhundert ist ohne einen Bartók, Kodály, Ligeti oder Kurtág nicht denkbar“, sagt Zimmermann. Und ihre Verdienste um die Volksmusik, die vor allem Bartók und Kodály nicht nur dokumentierten, sondern auch in ihre Werke einfließen ließen, sind völlig unbestritten. Überprüfen kann man dies etwa im Konzert des Danish String Quartet am 21. Januar, das Belá Bartóks erstes Streichquartett im Programm hat, oder beim Auftritt des Cellisten Jean-Guihen Queyras, der am 22. Januar unter anderem Solowerke von György Ligeti und Zoltán Kodály spielt.

Am Dienstag, 23. Januar, gibt es dann Flamencomusik mit der Sängerin Luna Zegers, Tabea Zimmermann wird an diesem Abend Musik von Manuel de Falla beisteuern. Weitere musikalische Gäste des hochkarätigen und ambitionierten Festivals sind unter anderem der Geiger Noa Bendix-Balgley, das Armida Quartett, der Bariton Roderick Williams. Der Pianist Roger Vignoles, die Sopranistin Lydia Teuscher und der Bariton Thomas Oliemans widmen am 27. Januar (fast) einen ganzen Abend Liedern von Johannes Brahms. Auch er hatte etwas übrig für volkstümliche Klänge.

Weitere Informationen finden Sie hier. Karten sind unter anderem bei bonnticket erhältlich.