Das 16. Bonner Videofestival

Videonale-Thema heißt „Perform!“

Verena Buttmann zeigt ihre Performance am 17. Februar in der Fabrik45.

Verena Buttmann zeigt ihre Performance am 17. Februar in der Fabrik45.

Bonn. Die Videonale-Chefin Tasja Langenbach folgt dem Weg vom Selfiekult zur Videokunst. 2337 Bewerbungen sind für das Festival eingegangen.

Am Anfang war – die Performance. Jedenfalls in Lucy Pawlaks urzeitlich anmutendem Video „We eat the Earth – the Earth eats us“ (wir essen die Erde auf und sie uns), gedreht in einer Tagebaugrube, ist das so. Das Video läuft im Videonale-Wettbewerb. Wir sehen den Mann sich in wilden erotischen Fantasien über den „Stripper Azteca“ winden und quälen, seine Frau sich nicht weniger artistisch bewegen.

Das Vokabular der klassischen Tanzperformance trifft auf Gedanken über einen Dichter romantischer Novellen, der sich seine Obsessionen aus dem Internet holt. Ein pralles Drama, ausgedrückt mit Mitteln der Performance und perfekt abgefilmt. Bis auf das „perfekt“ sind das die Zutaten für die Geburt des Künstlervideos, das zum Teil jedenfalls der filmischen Dokumentation von Kunstaktionen diente. Pawlaks Film könnte entfernt auch so interpretiert werden. Ähnlich wie eine Reihe weiterer der übrigen 42 Positionen, die ab kommende Woche in Deutschlands ältestem, 1984 als studentische Initiative gestartetem Videofestival zu sehen sind.

Videonale-Chefin Tasja Langenbach (39) hatte das Thema „Perform!“ eigentlich schon für das Festival 2015 („The Call of the Wild“) vorgesehen. Der Grund: „Performance und Selbstperformance sind in Ausstellungen immer stärker vertreten, es gibt ein Revival in der Bildenden Kunst.“ Und nicht nur dort. Die Selbstinszenierung, der Selfie-Kult, die Präsentation über Instagram oder Facebook seien charakteristisch für unsere Zeit, sagt Langenbach: „Ich zeichne mich auf und teile das mit anderen.“

Viele Videokünstler greifen dieses Phänomen auf, analysieren die wachsende Dominanz von Performern im Alltag und in der Politik. „Donald Trump ist ein Paradefall“, sagt die Videonale-Chefin. Insgesamt 2337 Bewerbungen lagen der Jury vor, 43 Beiträge kamen in die Endrunde. Langenbach beobachtet nicht nur eine Auseinandersetzung mit der medialen Inszenierung: „Viele junge Künstler beziehen sich auf frühe Videos und die Anfänge der Performance“, sagt sie, „sie finden es spannend, wie in den 1970er Jahren durch Video und Performance Strukturen aufgebrochen wurden, das Kunstsystem unterlaufen wurde. Künstler suchen den Kontakt zum Publikum.“

Generell stellt Langenbach in ihrer dritten Videonale auch eine Zunahme politischer Themen in den Bewerbungen zum Festival fest: „Das politische Weltgeschehen prägt besonders die Positionen junger Künstler.“