Special

Urlaub auf Finnisch im Haus der Springmaus

Ins Schwarze getroffen: Springmäuse in Aktion. FOTO: KÖLSCH

Ins Schwarze getroffen: Springmäuse in Aktion. FOTO: KÖLSCH

Bonn. Das Springmaus-Ensemble trifft mit seinem Sommer-Special voll ins Schwarze. Der Saal tobt. Das Improvisationstheater kommt sehr gut an beim Publikum.

Eigentlich ist Improvisationstheater ganz einfach. „Wir fragen euch was, ihr sagt uns was, wir machen was draus, und am Ende wird gelacht“, erklärt Kabarettist Norbert Frieling das Konzept des Springmaus-Ensembles, das derzeit in seinem Stammhaus das alljährliche Sommer-Special spielt.

Alles also kein Problem – selbst wenn das Publikum Sonderwünsche hat. Wahrscheinlich gibt es ohnehin nichts, was Frieling und seine Kollegen Paul Hombach, Vera Passy und Alexis Kara noch überraschen könnte. Und so stürzt sich das Quartett genüsslich und ganz den Vorgaben des Publikums folgend in Urlaubsszenarien und Musicaldarbietungen, Talkrunden mit Pantomimenunterstützung und Beschwerden auf Finnisch.

Zugegeben, wirklich neu sind die Aufgaben nicht, die die Springmäuse sich und dem Publikum stellen. Spontane Sprachwechsel (etwa in eine Art fiktives Finnisch) oder die Inszenierung einer Pärchengeschichte gehören ebenso zum Standardrepertoire wie die durch sämtliche Genres gleitende Darstellung einer harmlosen Gartentätigkeit.

So kann schon der Versuch, eine Hecke zu schneiden, schnell einige unerwartete Wendungen nehmen, vor allem wenn Alexis Kara in den Kinski-Modus schaltet oder aus dem Saal der Wunsch nach einem Porno erschallt. „Wer das ruft, muss mitspielen“, fordert Norbert Frieling da, kann sich aber nicht durchsetzen.

Immerhin bemühen sich die Improvisateure ja auch, niemanden vorzuführen. Lediglich ein ausgiebiges Ausfragen ist erlaubt. Und die dezente, augenzwinkernde Kritik an zwei unfreiwilligen Puppenspielern aus dem Publikum, die die Bewegungen von Kara und Passy steuern sollen und ohne Kenntnis des Skripts vor einer immensen Herausforderung stehen. Natürlich darf auch die Musik nicht zu kurz kommen. Dabei brilliert vor allem Paul Hombach, der in einer extrem langen Passage ein vom Publikum bestimmtes Lied (etwa „Mer losse d’r Dom en Kölle“) überall in der Musikgeschichte findet, als Sonate bei Beethoven, als Fuge bei Bach, als Arie bei Mozart, als herrlichen Reggae oder als stampfende Techno-Nummer.

Der Saal tobt angesichts dieses wilden Ritts durch alle Stile, der zu den Höhepunkten des Improvisationstheaters zählt. Zusammen mit den herrlich skurrilen Geschichten, die die Springmäuse aus dem Stegreif erfinden, begeistert das Quartett einmal mehr und trifft mit dem Sommer-Special wie in jedem Jahr voll ins Schwarze.