Neu im Kino

Tom Schilling verirrt sich in eine Behinderten-WG

Erfrischende Umbekümmertheit: Axel Stein als „Rainman“, Jella Haase als Laura, Luisa Wöllisch als Franzi und Kida Khodr Ramadan als Eddy (v.l.n.r.) in einer Szene des Films „Die Goldfische“.

Erfrischende Umbekümmertheit: Axel Stein als „Rainman“, Jella Haase als Laura, Luisa Wöllisch als Franzi und Kida Khodr Ramadan als Eddy (v.l.n.r.) in einer Szene des Films „Die Goldfische“.

Bonn. Alireza Golafshans „Goldfische“ ist eine Inklusionskomödie mit vorhersehbaren Pointen. Am Ende wird der eiskalte Finanzmakler auch noch ein besserer Mensch

Für den smarten Portfolio-Manager Oliver (Tom Schilling) ist Stillstand eine unerträgliche Angelegenheit. Als er auf dem Weg zu einem wichtigen Termin in einen Stau gerät, reißt ihm schnell der Geduldsfaden. Er überholt auf der Gegenspur und gerät in die Leitplanken. Nach dem Unfall ist Oliver querschnittsgelähmt. Ruhe und Reha verordnen die Ärzte. Aber auch dafür fehlt dem erfolgsverwöhnten Macher die Geduld.

Nach ein paar Wochen kann er mit dem Rollstuhl umgehen und will wieder rein ins Geschäft. Oben Hemd, Krawatte, Sakko, unten Stützstrümpfe versucht er per Skype seine Deals zu machen. Aber das Wlan in der ländlichen Klinik ist eine Katastrophe und so landet Oliver auf der Suche nach einem besseren Netz in der benachbarten Behinderten-WG „Goldfische“.

Ein illustres Ensemble

Hier leben die beiden Autisten Michi (Jan Henrik Stahlberg) und Rainer (Axel Stein), die blinde Alkoholikerin Magda (Birgit Minichmayr) und die muntere Franzi (Luisa Wöllisch) mit Down-Syndrom unter der Aufsicht des untermotivierten Pflegers Eddy (Kida Khodr Ramadan) und der Berufsanfängerin Laura (Jella Haase).

Ein illustres Ensemble hat sich Regisseur Alireza Golafshan für sein Langfilm-Debüt „Goldfische“ zusammengestellt, das sich als Inklusionskomödie versteht und den Portfolio-Manager schon bald in Begleitung der WG-Bewohner auf eine Reise in die Schweiz schickt. In Zürich lagern nämlich in einem Bankschließfach steuerfreie Milliönchen, die vor dem Zugriff des deutschen Fiskus in Sicherheit gebracht werden sollen. Ein Kleinbus voller Menschen mit Behinderung scheint da die beste Tarnung.

Moderate Turbulenzen

Natürlich geht alles schief, was schiefgehen kann, und am Ende wird der eiskalte Finanzmakler auch noch ein besserer Mensch. Das übersichtliche Handlungsgerüst wird hier mit moderaten Turbulenzen gefüllt, die jedoch nie wirklich anarchistische Chaos-Qualität bekommen.

Nur punktuell erreicht der Film „Goldfische“ das notwendige komödiantische Tempo, das die Diversität der Charaktere zum Schillern bringt.

Viele Pointen sind vorhersehbar und einige wenige setzen tatsächliche Überraschungseffekte frei. Auch die Darstellung der behinderten Figuren ist nur teilweise gelungen. Während Luisa Wöllisch – eine Schauspielerin mit Down-Syndrom – mit erfrischender Unbekümmertheit drauflos spielt, ist Axel Stein in der Rolle des Autisten eine echte Katastrophe und kommt über lausig nachgespielte „Rain Man“-Klischees nicht hinaus. Birgit Minichmayr hingegen bringt Biss in die Rolle der blinden Zynikerin.⋌ Kinopolis, Stern, Woki