Projekt beim Beethovenfest

Theater in Bonner Wohnzimmern

Wer kommt woher und wie sind wir vernetzt? Eine von vielen Fragen beim Theaterprojekt.

Wer kommt woher und wie sind wir vernetzt? Eine von vielen Fragen beim Theaterprojekt.

Bonn. Für das Projekt „Hausbesuch Europa“ sucht das Beethovenfest Gastgeber. Die Gastgeber brauchen Platz für 15 Leute und einen Tisch, an dem sie diskutieren, experimentieren und interagieren können.

Das Tischtuch ist eine Europa-Karte, drumherum sitzen 15 Personen, die sich noch nicht kennen. Es gibt Kaffee, Tee und Wasser, der Kuchen ist im Ofen.

Mit einem trägen Kaffeeklatsch hat diese Szene, die sich im Herbst in 44 Bonner Wohnzimmern abspielen wird, jedoch nichts zu tun. „Hausbesuch Europa“ ist ein Theaterprojekt des Künstlerkollektivs Rimini-Protokoll, das vom 11. September bis zum 9. Oktober im Rahmen des diesjährigen Beethovenfestes bei privaten Gastgebern stattfinden wird.

„Oft heißt es, Europa sei losgelöst von den Bürgern und ein unsichtbarer Ort“, sagt Stefan Kaegi. Der Schweizer Regisseur hatte mit seiner Theatergruppe deshalb die Idee, in einem interaktiven Feldversuch das politische Europa in kleinem Rahmen sichtbarer zu machen und damit auch Vorurteilen zu begegnen und Räume zu öffnen. „Die Grenzen sind nicht so stark, wie Politiker uns oft glauben schenken“, sagt er zur Motivation der „Hausbesuche“, die eine Art Gegenmodell zum Parlament darstellen sollen.

Von Norwegen bis Portugal hat die Inszenierung, die immer von 15 anderen Teilnehmern geprägt wird, europaweit schon über 350 Mal stattgefunden. Nun kommt auch Bonn an die Reihe, und die Veranstalter suchen dafür noch private Gastgeber. „Von der Villa bis zur Studenten-WG. Wir freuen uns über jedes Bonner Wohnzimmer, das zur Bühne wird“, sagt Thomas Scheider, der die Abende für das Beethovenfest organisiert.

Motto "Revolutionen"

Das Festival, das dieses Jahr unter dem Motto „Revolutionen“ aufbegehren will, öffnet sich damit zu den Rändern hin und bietet auch etwas nicht Musikalisches. „Das ist mal etwas anderes, sowohl für das typische Beethovenklientel, das eher ins Konzert geht, als auch für ein neues Publikum“, findet Scheider.

Die Gastgeber brauchen Platz für 15 Leute und einen Tisch, an dem sie diskutieren, experimentieren und interagieren können. Es gibt zwei Spielleiter und einen elektronischen Apparat auf dem Tisch, die auch mal eingreifen und Vorgaben machen. Doch das Heft des Handelns haben die Teilnehmer in der Hand. „Man erfährt viel von und über die anderen“, berichtet Kaegi von seinen bisherigen Erfahrungen.

Dabei gehe es in den rund zwei Stunden alleine und später auch in Zweierteams viel um Identität und Selbsteinschätzung, etwa wie solidarisch man sich zeige und wo man sich abgrenze. „Es geht eben nicht darum, wer das größte Europa-Wissen hat“, sagen Kaegi und Scheider unisono.

Kaegis Theaterprojekt ist transportabel an viele Orte und geht so mittlerweile über Europas Grenzen hinaus. In Kairo kamen die „Hausbesuche“ sehr gut an, und zwar ganz ohne Zensur oder direkte Kontrolle, da die Veranstaltungen in privaten Häusern stattfanden.

Das Team von Rimini-Protokoll plant derzeit sogar für Moskau und die USA.

Wer Interesse daran hat, zwischen 11. September und 9. Oktober als Gastgeber sein Zuhause zu öffnen oder als Teilnehmer bei einem der „Hausbesuche“ dabei zu sein, kann sich über die Seite des Beethovenfestes anmelden: www.beethovenfest.de