Konzert im Beethoven-Haus

Tabea Zimmermann spielt vor ausverkauftem Haus

Bratschenvirtuosin Tabea Zimmermann.

Bratschenvirtuosin Tabea Zimmermann.

Bonn. Bratschenvirtuosin Tabea Zimmermann präsentierte große Werke der Sololiteratur für ihr Instrument im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses

Sie ist die Königin der Bratsche, und wenn sie Hof hält, strömen die Menschen zu ihr. Wohl niemand sonst als Tabea Zimmermann wäre in der Lage, mit diesem Instrument für einen ausverkauften Abend im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses zu sorgen. Zumal sie als Bratschistin weitgehend auf Solostücke angewiesen ist, die im 20. und 21. Jahrhundert entstanden sind.

Gleichwohl begann Tabea Zimmermann, die auch selbst klug und sympathisch ins Konzert einführte, mit Johann Sebastian Bach. Und weil sie als künstlerische Leiterin der Beethoven-Woche selbst das von Beethovens Hammerklaviersonate op. 106 inspirierte Motto „Grenzüberschreitungen“ ausgegeben hatte, spielte sie gleich das Gipfelwerk aus Bachs Katalog für Violine solo, die Partita in d-Moll, die freilich in einer für ihr Instrument um eine Quinte tiefer gelegte Version zu hören war.

Der dunklere Klang der Bratsche und die Transposition nach g-Moll verändern natürlich den Charakter des Werkes, das zwar nicht besser klingt als mit der Geige, aber durch den Perspektivwechsel einen großen Reiz ausübt, wenn es – gerade auch in der gewaltigen Chaconne – so klar in der Phrasierung zelebriert wie dies Tabea Zimmermann gelang.

Von dem Bratschen-Spezialisten Paul Hindemith war die Sonate für Viola op. 11 Nr. 5 zu hören, die auf die Möglichkeiten des Instrumentes perfekt zugeschnitten ist. Nicht im Sinne eines Auslotens der virtuosen Möglichkeiten – das erlebte man in den Bogen-Exzessen des Schlusssatzes von Hindemiths op. 25 Nr. 1, den sie als Zugabe spielte – sondern der musikalischen Möglichkeiten.

In Bernd Alois Zimmermanns Sonate „An den Gesang eines Engels“ lotete sie die gedankliche Tiefe der Musik, in die der Komponist den Choral „Gelobet seist du, Jesu Christ“ kunstvoll eingearbeitet hat, mit unglaublich nuancierter Klanggebung aus. Für seine Solosonate, die er vor mehr als 20 Jahren für Tabea Zimmermann schrieb, hatte sich György Ligeti den Igor Strawinskys medtative Elégie als Präludium gewünscht, die sie mit poetischer Zartheit spielte. Ligetis Sonate selbst ist immer noch eine echte Herausforderung. Er schonte seine Widmungsträgerin nicht, was schon am Ende des ersten, nur auf der C-Saite zu spielenden Satzes „Hora lunga“ hörbar wird, wenn sich die Musik in höchster Lage fast geräuschhaft verhauchend, aber immer noch melodiös verliert. Dass der sechste Satz eine „Chaconne chromatique“ darstellt, ist Ligetis Reverenz an Bach. Tabea Zimmermann bewältigte auch ihn, wie alle anderen, bravourös.