Finale beim Schumannfest

Spanisches Feuer

Vollendete Präzision: Mezzosopranistin Silvia Hauer.

Vollendete Präzision: Mezzosopranistin Silvia Hauer.

Bonn. Von Operette bis Tango: Mit einem Liederabend der Mezzosopranistin Silvia Hauer und der Pianistin Pauliina Tukiainen verabschiedet sich das diesjährige Schumannfest

Es ist nur folgerichtig, dass ein unter das Motto „Lied.Gut.“ gestelltes Schumannfest mit einem Liederabend endet, der noch einmal den ganzen Zauber der Gattung heraufbeschwört. Das Abschlusskonzert von Silvia Hauer und Pauliina Tukiainen im erneut bis auf den letzten Platz gefüllten Schumannhaus war so ein Abend, den man nicht so schnell vergisst. Spanisches Feuer in Liedern von Xavier Montsalvatge, Astor Piazzolla und Manuel de Falla, kabarettistischer Witz in Songs von William Bolcom, Kurt Weill und Arnold Schönberg sowie frivole Operettenflirts mit Werken von Hermann Leopoldi und Franz Lehár – mit dieser Zusammenstellung eroberte die junge Mezzosopranistin die Herzen der Zuhörer im Sturm.

Silvia Hauer verfügt über eine warme, runde Stimme, die in jedem Register gut geführt wird, das Timbre je nach Bedarf verrucht in der Tiefe oder jung und strahlend in der Höhe. So geläufig, wie sie ihre Stimmfarben moduliert, wechselt sie auch von einer Rolle in die andere: Das kleine Podium in der Bibliothek des Schumannhauses wird zur großen Opernbühne, wenn die Sängerin mit Bühnenpräsenz und gewitzter Mimik Weills „Surabaya Johnny“ ausschimpft, sich für Carmens „Habanera“ in eine Femme fatale verwandelt und – der komische Höhepunkt des Abends – Leopoldis schönen Tangotänzer „Alois!!“ anschmachtet. Ihre „Lippen, sie küssen so heiß“ und formen jeden Ton und jedes Wort mit vollendeter Präzision.

Zwei Stunden lang widmet sich Silvia Hauer hingebungsvoll und technisch stets souverän den Verlockungen und Gefahren der Liebe, sicher unterstützt von Pauliina Tukiainen am Flügel. Die Pianistin, die in diesem Jahr ihren Einstand als künstlerische Beraterin des Festivals gegeben hat, sorgt bei aller Leidenschaft für ein sicheres Fundament und versäumt es im Dialog mit Hauer nicht, eigene Akzente zu setzen. Mehr Frauenpower geht kaum, sollte man meinen, aber das nächste Schumannfest kommt bestimmt. Und spätestens zum 200. Geburtstag von Clara 2019 sollte da noch etwas drin sein.