Mastermind von Pink Floyd

So war das Konzert von Roger Waters in Köln

Bejubelt, obwohl er nicht immer ganz bei der Wahrheit blieb: Roger Waters in Köln.

Bejubelt, obwohl er nicht immer ganz bei der Wahrheit blieb: Roger Waters in Köln.

Köln. Klassiker von Pink Floyd und einige Solosongs: Roger Waters begeistert das Kölner Publikum mit musikalisch-visueller Kraft. Am Ende bleibt er jedoch nicht ganz bei der Wahrheit.

Arabische Klänge ertönen. Eine riesige Projektionsleinwand zeigt eine Frau, die dem Publikum den Rücken zuwendet und aufs Meer schaut. Meeresrauschen, Möwengekreisch, ein Schiffshorn in der Ferne. Alles ist friedlich, unaufgeregt. Dann färbt sich der Himmel langsam blutrot. Ein surrealer Traum. Nichts ist so wie es erscheint. Das Bild explodiert.

Roger Waters und seine neunköpfige Band nehmen ihre Bühnen-Position ein. Sie beginnen mit „Speak To Me/Breathe“, Jonathan Wilson singt wie David Gilmour es früher getan hat. Das Konzeptalbum „Dark Side Of The Moon” bildet die Mitte des Konzertabends. Danach entstanden weitere große Alben: „Animals“, „Wish You Were Here“ und „The Wall“. Ihnen allen widmet sich die Werkschau des Mastermind von Pink Floyd. Und auch seinem Soloalbum „Is This The Life We Really Want“ gibt er gebührenden Raum.

„Us + Them“ soll die letzte große Welttour sein. Bei guter Gesundheit könne er durchaus weiter machen. Schon beim zweiten Stück „One Of These Days“ – mit dem berühmten Basssolo – zeigt Waters, mit welcher Kraft und Wucht er dieses Konzert angehen will. Bei „The Great Gig In The Sky“ geben die Chorsängerinnen Jess Wolfe und Holly Laessig ihr Bestes. „Wish You Were Here“ lässt die Herzen der Zuhörer glühen. „Another Brick in The Wall“ singt er mit einem Kölner Chor. Viele mögen sich an die Zeit erinnern, als man die Zeilen „We don’t need no education, we don’t need no thought control“ gegen die totalitären Züge des Schulsystems mitgesungen hat. Heute sieht man das vielleicht etwas anders.

Lyrische Gitarren und Laserlicht-Installation

Roger Waters war stets ein Perfektionist. Seine 360-Grad-Surround-Anlage macht jeden Klang zu einem großartigen Erlebnis. Mit einer imposanten Videoinstallation macht er unter anderem ein Londoner Kohlekraftwerk auf acht Leinwänden über den Köpfen der Zuschauer sichtbar. Endlich kann der Brite jene visuelle Kraft entwickeln, die ihm stets vorgeschwebt hat.

Nach der Pause erklingen mit „Dogs“ und „Pigs“ vom Album „Animals“ wunderbar lyrische Gitarren. Dabei feiern die Musiker eine Party mit Schweinsmasken. Schilder sind zu sehen: „Pigs rule the world“ und „Fuck the pigs“. Personifikation des Schweins ist Donald Trump. Am Ende heißt es: „Trump ist ein Schwein“. Das ist plakativ, aber es ist keine satirische Überhöhung. Waters meint es ernst – findet viel Beifall für diese Darstellung.

Am Ende erstrahlt eine überdimensionale Laserlicht-Installation von „Dark Side of The Moon“. Dann zieht Roger Waters ein Zettel hervor, nicht um Begrüßungsformeln auf Deutsch vorzutragen, sondern er klagt einen lokalen Sender an, der ihm die Zusammenarbeit aufkündigte. Weitere Radiosender folgten. Man warf ihm Antisemitismus vor. Er erhält viel Beifall, als er konstatiert, er sei definitiv kein Antisemit. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: In der Organisation BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen), die er seit Jahren öffentlich vertritt, sind nicht Wenige der Meinung, dass dem Staat Israel die Existenzberechtigung abzusprechen sei.

Mit „Eclipse“, dem letzten Stück des Abends, gibt es einen tröstlichen Abschluss. Die Frau, die zu Beginn das Meer betrachtete, ist ein Flüchtling, die ihr Kind wiederfindet. Ein bewegendes Bild, das ein großartiges Konzert zusammenfasst.