Alex Wünsche Trio und Luciel

Sechste Auflage von Jazztube startet am Alten Zoll

Bonn. Die sechste Jazztube-Reihe startete Samstag im Rahmen der Stadtgartenkonzerte am Alten Zoll mit Musik des Alex Wünsche Trios und der Gruppe Luciel aus Köln.

Für ein sommerliches Open Air war der Samstag vielleicht nicht zwingend der ideale Tag. Doch immerhin brach am frühen Abend die Sonne kurz durch die Wolken über dem Alten Zoll als das Alex Wünsche Trio die ersten Takte spielte. Bald darauf fegte eine Windböe die Notenblätter vom Ständer. Das Trio ließ sich nicht beirren und eröffnete mit ruhigen, mal balladesken, mal swingenden und mal eher bluesrockigen Nummern die neue Jazztube-Saison, diesmal im Rahmen der Stadtgartenkonzerte.

Der Bonner Gitarrist Wünsche war 2016 im Jazztube-Finale im Landesmuseum dabei. Jetzt durfte er mit dem Bonner Philipp Klahn am Schlagzeug und Calvin Lennig am Bass die Reihe eröffnen, die ab 25. August in die heiße Phase, sprich in die U-Bahn-Stationen geht. Die Stadtwerke Bonn und der Saxofonist, Bandleader und Konzertveranstalter Thomas Kimmerle gehen zum sechsten Mal in Folge auf Jazztube-Talentsuche, präsentieren insgesamt 15 Gruppen. Gekrönt wird die Staffel der U-Bahn-Konzerte von einem dreitägigen Festival im Pantheon (3. bis 5. November).

Im Jazztube-Finale am 3. November wird der Publikumsfavorit der SMS-Abstimmung über die U-Bahn-Konzerte auftreten. Die beiden anderen Abende hat Kimmerle kuratiert: Freuen darf man sich auf Confluence, das Andreas Theobald Quartett, Triosence und das Tamara Lukasheva Quartett – eine spannende Mischung.

Butterweicher Sound begeistert

Wünsche legte mit seinem Trio am Alten Zoll schon mal vor – mit einer sehr stimmigen und gefühlvollen Interpretation von Cluesos „Barfuß“ und der Eigenkomposition „Paranoia“, die Wünsches Potenzial zeigte und seine Liebe zu Blues und Rock beeindruckend unterstrich. Nach der Latin-angehauchten Nummer „City Lights“ kam der Höhepunkt des Abends: Die eher ruhige Suite „Diary of an Astronaut“ bot den drei Musikern ein weites Spielfeld für Interpretationen. Wünsches butterweicher Sound, sein dosierter Einsatz elektronischer Effekte begeisterten.

Auch die zweite Gruppe des Abends, die Kölner Formation Luciel, sorgte für Stimmung am Alten Zoll. Nach Wünsches jazzigen und rockigen Stücken ging es nun in die Richtung Funk und Soul. Luciel-Keyboarder und -Sänger David Rynkowski hatte sich Verstärkung aus Berlin geholt, die mit schönem souligen Timbre ausgestattete Sophie Grobler. Perfekte Ergänzung. Mit Balladen wie „Breakfast“, dem tollen „Sexy Bus“ und Nummern wie dem rhythmisch hochinteressanten Soulstück „On And On“ zeigten Luciel (mit Tim Dudek am Schlagzeug, Florian Rynkowski am Bass und Johannes Behr, Gitarre) und Grobler ihre Klasse. „On And On“ und „All You Can Eat“ zählten übrigens zu den Stücken, die Luciel 2015 in der Bonner U-Bahn bei der Jazztube-Reihe spielten. Vom U-Bahn-Programm zum Jazztube-Opener am Alten Zoll: Kimmerle nennt das „nachhaltige Förderung“.