Starke LP-Sammlung

Retrospektive der Steve Miller Band

Bonn. Neun Alben der Steve Miller Band aus den Jahren 1977 bis 2011 erscheinen auf Vinyl. Vor allem „Italian X Rays“ ist gut gealtert.

Mit 21 hatte der 1943 in Milwaukee geborene Amerikaner Steve Miller bereits seine vierte Band. Er debütierte zusammen mit Schulfreund Boz Scaggs in jungen Jahren mit den Marksmen, gründete dann nacheinander die Ardells, die Fabulous Night Trains und die Goldberg Miller Blues Band.

1966 zog er nach San Francisco und begann das Projekt Miller Blues Band. Wenig später erfand er sich zum letzten Mal neu: mit der Steve Miller Band. Was folgte, war eine wechselhafte, von Weltruhm, längeren Pausen und (wenigen) Misserfolgen geprägte Karriere. Sie ist noch nicht zu Ende. Der virtuose Gitarrist und sinnlich-coole Sänger Miller kann sich offenbar kein Popstar-Rentnerdasein vorstellen.

Auf Platz eins der amerikanischen Charts

Anfang der 1980er Jahre veröffentlichte die Steve Miller Band die Alben „Abracadabra“ und „Italian X Rays“. Es war die Zeit, als die Compact Disc (CD) die Hör- und Kaufgewohnheiten der Popmusikliebhaber revolutionierte und Musiker sich die Möglichkeiten der digitalen Klangtechnik produktiv zunutze machten. Plötzlich erklang ein Hit wie „Abracadabra“ in kristalliner Klarheit: „I heat up / I can't cool down / Got me spinnin' 'round and 'round / 'Round and 'round and 'round it goes / Where it stops nobody knows.“

Der Song kletterte auf Platz eins der amerikanischen Charts, seinem unwiderstehlichen Charme konnte sich kein Hörer entziehen. Erinnert jemand die anderen Stücke auf diesem Album? Keines besitzt den Zauber des Titelstücks.

Das lässt sich jetzt ganz analog, mittels einer edlen Vinyl-Edition überprüfen. Nachdem im vergangenen Jahr ein 9-LP-Boxset mit den Alben der Jahre 1968-1976 herauskam – darunter „The Joker“ und „Fly Like An Eagle“ – liegen nun die „Complete Albums Volume 2 (1977-2011)“ vor. „Abracadabra“ ist, abgesehen vom Titelsong, nicht so gut gealtert wie das kommerziell längst nicht so erfolgreiche Album „Italian X Rays“. Miller und Band spielen hier fantasievoll mit Elektro-, Gesangs- und Gitarrensoundeffekten: sozusagen Daft Punk 1984.

„Bongo Bongo“ besitzt eine psychedelische Qualität: mit Pferdehufgeklapper und Wolfs- oder Kojotengeheul. Dazu die sich ins Hirn schraubenden, verfremdeten Laute: „Ba Ba Ba Ba Ba Ba Bongo Bongo / Ba Ba Ba Bongo Bongo / Ba Ba Ba Bongo Bongo / Ba Ba Ba Bongo Bongo.“ Ein musikalischer Trip. „Radio 1“ und „Radio 2“ sowie „Harmony Of The Spheres 1“ und „Harmony Of The Spheres 2“ verleihen dem Ganzen eine Konzeptalbumnote.

„Living In The 20th Century“ erschien 1986, zwei Jahre bevor Miller sich 1988 mit „Born 2B Blue“ aus dem kommerziellen Pop verabschiedete. Das Titelstück „Living In The 20th Century“ bringt Blues und Pop auf entspannte Weise zusammen. „I Want To Make The World Turn Around“ transportiert eine zeitlose Botschaft: „I don't wanna live in a world of darkness / I wanna live in a world of light / I don't wanna live in a world that's heartless / I wanna live in a world of sight.“

Passt heute so gut wie 1986.

Steve Miller Band: „Abracadabra“ (1982), „Italian X Rays“ (1984) und „Living in the 20th Century“ (1986) gehören zur 9-LP-Box „Complete Albums Volume 2 (1977-2011)“. Universal Music. Die einzelnen Alben auf schwarzem 180g-Vinyl wurden remastered und sind auch einzeln erhältlich.