Kabarett

Politischer Aschermittwoch im Bonner Pantheon mit Schnaps und Spaßbad

Handzeichen: Die Hausherren Norbert Alich (2.v.l.) und Rainer Pause (r.) mit Gästen im Pantheon.

Handzeichen: Die Hausherren Norbert Alich (2.v.l.) und Rainer Pause (r.) mit Gästen im Pantheon.

Bonn. Ambitioniert bis abgegrillt: Dem politischen Aschermittwoch mit sieben Kabarettisten unterschiedlichster Couleur im ausverkauften Pantheon fehlt Tagesaktualität.

Den Job des Eisbrechers übernimmt der Hausherr persönlich, unterstützt von seinem langjährigen Weggefährten. Rainer Pause und Norbert Alich haben in Gestalt ihrer Kunstfiguren Fritz Litzmann und Hermann Schwaderlappen an einem Stehtisch mit einer Schnapsflasche Stellung bezogen. Auch im ausverkauften Pantheon ist politischer Aschermittwoch.

Mit äußerst knappen Kommentaren zum geplanten Bonner „Spaßbad“, zur zugeknöpften Ex-OB Bärbel Dieckmann und zum vollumfänglich gescheiterten Martin Schulz eröffnen Pause und Alich den kabarettistischen Kehraus. Die Volten des Duos reißen alles zwar nur sehr kurz an, sie sind aber auf jeden Fall aktuell – im Gegensatz zu den Beiträgen der übrigen fünf Akteure. Am Rande sei notiert, dass jene „glorreichen Sieben“ auf der Pantheonbühne wie auch die Westernhelden einen reinen Männerclub bilden.

Sardonischem Grinsen in politisch unkorrekter Manier

Mit Namen hält es Sebastian Pufpaff wie Mister Big aus dem Bond-Thriller „Leben und sterben lassen“ – sie sind was für Grabsteine. „Wir können jetzt eine Sau nach der anderen durchs Dorf jagen: Schulz, Nahles, Trump. Das Problem ist nur, wir suchen uns immer einzelne Säue, und die sind dann an allem schuld.“ Stattdessen spießt Monsieur Pufpaff mit sardonischem Grinsen in politisch wohltuend unkorrekter Manier die possierlichen Nebenwirkungen der „MeToo“-Debatte auf. Und das 18-jährige Kabarett-Ausnahmetalent Bernard Paschke stellt beeindruckend unter Beweis, wie angriffslustig und erfrischend unverschämt die nächste Satire-Generation operiert. Sein Szenario eines Motto-Kindergeburtstages zum Thema Flüchtlinge ist unbedingt preiswürdig.

Kabarett-Philosoph René Sydow ist bekennender Agnostiker und meint: „Als Sechsjähriger ist Gottes Glaube ja noch putzig, als Erwachsener zumindest noch behandelbar.“ Da liegen die Thesen des formidablen HG Butzko nicht fern: „Religionen sind Kartelle zur Durchsetzung von Machtansprüchen.“ Wer an jenem Abend durch den Rost fällt, ist Christoph Brüske. Im plumpen Modus eines Büttenredners im Bierzelt wird Andrea Nahles zur russischen Kugelstoßerin und Ursula von der Leyen zur „Flinten-Uschi“ abgestempelt.

Für sporadische Kabarettbesucher ist so eine Parade eine gute Gelegenheit, viele Profispötter auf einen Streich zu erleben. Dem Dauergast hingegen stößt bitter auf, dass die Teilnehmer dieses politischen Aschermittwochs in die Kostproben aus ihren Soloprogrammen so gut wie keine tagesaktuellen Ereignisse einbauen.