Ältestes Musikfestival in Europa

Pinkpop Festival feiert 50. Jubiläum

BONN. Das holländische Musikspektakel Pinkpop bei Aachen ist das dienstälteste Rockfestival Europas. Bei der 50. Ausgabe an Pfingsten spielen unter anderem The Cure, Mumford & Sons, Fleetwood Mac, Jamiroquai und Lenny Kravitz.

Wer Pinkpop im niederländischen Landgraaf besucht, wird schnell zum Stammgast. Das liegt nicht nur daran, dass das dreitägige Festival immer eine fabelhafte Mischung aus Rock, Blues, Pop und Elektronischer Musik bietet, sondern insbesondere an der Atmosphäre. „Die Holländer sind ein tolles, sehr entspanntes Publikum“, sagt der Bonner Konzertveranstalter Ernst-Ludwig Hartz, der seit 1977 kein Festival ausgelassen hat. Pinkpop feiert vom 8. bis 10. Juni seine 50. Auflage. Es ist somit das älteste kontinuierlich stattfindende Musikfestival Europas – und steht damit sogar im Great Guinness Book of Records. Die erste Ausgabe wurde am 18. Mai 1970 in Geleen ausgerichtet, seit 1988 findet das Festival auf dem Megaland-Gelände in Landgraaf statt.

„Das wichtigste ist die Musik“, sagt Jan Smeets. „Und dann kommen die Rahmenbedingungen wie Sicherheit und alles, was nötig ist, damit sich die Leute wohlfühlen.“ Klingt logisch und einfach. Doch was dem Besucher sofort auffällt, sind die vielen liebevollen Details, die man auf der ehemaligen Rennbahn entdeckt. Das fängt bei den romantischen Gartenlampions am Rande des Geländes an, zieht sich über nette kleine Ruhenischen und Lounge-Ecken hin und endet beim reichhaltigen kulinarischen Angebot.

Klar, es gibt holländische Spezialitäten aus der Fritteuse, aber auch sagenhafte vegane Speisen, asiatische Küche, Bio-Burger, Fisch in allen Variationen und reichlich Getränkestände, damit keiner der rund 60 000 Gäste, die pro Tag auf das Gelände kommen, zu lange auf sein Bier oder Softgetränk warten muss. Wasser gibt es umsonst. Shots, also hochprozentige Schnäpse, werden nicht verkauft.

Das Publikum ist friedlich und ziemlich entspannt. Das mag auch an den süßlichen Duftschwaden liegen, die schon mal in der Luft liegen. Aber in erster Linie liegt es wohl daran, dass das Publikum so durchmischt ist wie auf kaum einem anderen Festival in Europa: bis zu den Ohren tätowierte Rocker, Familien mit Kindern, Gruppen von jungen Leuten, langhaarige Pärchen, eingehüllt in indische Hemden und eine dichte Wolke Patschuliduft, weißhaarige Senioren, Teenager – kurz, der Querschnitt der Gesellschaft.

Was der 74-jährige Veranstalter Jan Smeets und sein Team jedes Jahr als Programm aufstellen, ist ein Traum für jeden Musikliebhaber. Angefangen hat es schon Ende der 60er Jahre. Smeets und seine Freunde waren von einer neuen amerikanischen Strömung angetan. In Monterey und Woodstock strömten Tausende junge Leute zu Musikereignissen. 1969 veranstaltete Smeets in Limburg das „Pinkpick“, ein Festival am Pfingstmontag. Ein Jahr später wurde daraus Pinkpop.

Am 18. Mai 1970 versammelten sich in Geleen 10 000 Menschen, um Livin Blues, Golden Earring, Opus, Bismarck, Mr. Albert Show, die Keef Hartleys Big Band, Dream und die George Baker Selection zu erleben. Eintritt: 3,50 Gulden. Die Veranstalter waren aber so klamm, dass ihnen die Band Golden Earring ihre Musikanlage zur Verfügung stellte. „Ja, das stimmt! Deshalb kommt Golden Earring dieses Mal wieder – als Dankeschön“, schmunzelt Smeets. Es gibt kaum einen relevanten Rockmusiker, der seitdem nicht hier aufgetreten ist. Jan Smeets wiederum entdeckte für sein Festival etliche Bands und Künstler, die im Mainstream noch gar nicht angekommen waren. „Wir hatten unvergessene Konzerte. Eigentlich viel zu viele, um sie alle aufzuzählen. Anfang der 70er waren da Rory Gallagher, Cockney Rebel und Captain Beefheart – sagenhaft. Elvis Costello und The Police 1979. Und ich bin glücklich, dass ich Tom Petty 1977 gewinnen konnte. Und U2 spielte für 6000 Mark!“

 

Die US-Band Pearl Jam gab hier 1992 ihr erstes Europakonzert. Und was für eines! Der Auftritt gilt als einer der besten ihrer Karriere. Und die größte Enttäuschung? „Mick Jagger sollte 1979 eigentlich mit Peter Tosh auftreten“, sagt Smeets. Der Reggae-Künstler hatte mit Jagger gerade den weltweiten Hit „Don't Look Back“. Smeets weiter: „Das Festival war mit 50 000 Leuten ausverkauft. Alle warteten auf diesen Auftritt. Aber in letzter Sekunde weigerte sich Jagger, auf die Bühne zu gehen.“

Zwei schlechte Jahre hatte Smeets: 1985 und 2005. „Wir haben viel Geld verloren.“ Aber ans Aufhören habe er nie gedacht. 1988 fand der Wechsel nach Landgraaf statt, wo die Organisatoren die stillgelegte Rennbahn kauften und als „Megaland“ auch für andere Veranstaltungen neben Pinkpop vermarkteten. Seit 1996 ist Pinkpop ein Drei-Tage-Open-Air-Festival.

Wie geht es weiter? Smeets lacht wieder: „Das einzige, was ich sicher weiß, ist, dass es nächstes Jahr das 51. Festival geben wird.“ Und fügt dann ernst hinzu. „Aber wir denken darüber nach, ob wir vom Pfingstwochenende weggehen. Denn es wird immer schwieriger, vor allem amerikanische Top-Acts zu bekommen. Die meisten gehen erst später auf Tour. Vielleicht werden wir Pinkpop in Zukunft um drei Wochen verschieben.“

Aber jetzt freut er sich erst mal auf das Jubiläumsfestival mit Mumford & Sons, The Cure, Fleetwood Mac, Jamiroquai, Lenny Kravitz und vielen mehr. Hat Jan Smeets noch Träume? „Auf jeden Fall. Es gibt noch eine Sache: Bob Dylan war noch nie bei Pinkpop. Eine Schande! Das muss sich ändern!“