Kabarett in Beuel

Philip Simon mit "Meisenhorst" im Bonner Pantheon

Kabarettist aus Holland: Philip Simon.

Kabarettist aus Holland: Philip Simon.

Bonn. Philip Simons Programm „Meisenhorst“ war im Bonner Pantheon zu sehen. Der Kabarettist aus den Niederlanden unterhielt sein Publikum zwei Stunden lang.

Wenn man es denn unbedingt darauf anlegen würde – ja, dann könnte man fragen, ob wir uns im selben Jahr, da wir landauf und landab das 70-jährige Bestehen unseres Grundgesetzes zu feiern gedenken, nun ausgerechnet von einem Holländer den Spiegel vorhalten lassen müssen. Aber warum eigentlich nicht! Wobei rund zwei Stunden im „Meisenhorst“ des Prix Pantheon Jurypreisträgers 2011, Philip Simon, mitunter eher nach einer Kundgebung denn nach Kabarett klingen.

Auch das ginge schon so in Ordnung, fiele die Bilanz des niederländischen Nachbarn mit Wohnsitzen in Köln und auf Texel nicht derart desaströs aus. Zu denen, die sich den Badeurlaub im Süden nicht von verwitterten Rettungswesten am Strand verderben lassen mögen, will natürlich niemand gehören. Schon gar nicht zur dumpf-brütenden Masse, die der Missbrauch von Freiheitsrechten nicht weiter stört, solange es ihren eigenen Alltag nicht unmittelbar berührt. Eine Juristin aus den Reihen der AfD, die genau weiß, wie weit sie gehen darf, um zu spalten, ohne selbst dafür belangt zu werden: Was soll's, was hat man selbst schon davon zu befürchten?

Bestandsaufnahme bundesdeutscher Befindlichkeiten

Und was geht es einen an, wenn von der US-Militärbasis Rammstein aus die Kampfdrohnen über Syrien koordiniert werden? Das ist reichlich weit weg, und überhaupt haben wir doch unsere eigenen Probleme mit der Obergrenze. Vielleicht muss man auch aus Holland kommen, um es irgendwie skurril zu finden, dass das Thema hierzulande so diskutiert wird, als gäbe es einen Generalschlüssel, um Deutschland ein für allemal gegen weiteren Zustrom zu verriegeln.

Simons Idee, eine Bestandsaufnahme bundesdeutscher Befindlichkeiten anhand einiger der 1949 verabschiedeten Grundrechte vorzulegen, spricht für sich. Zumal er zu guter Letzt noch einen netten Überraschungseffekt bereit hält. Doch macht er es sich nicht allzu leicht, da man den Meinungs-Mainstream und die zuweilen erschreckende Gleichgültigkeit gegenüber der vergleichsweise jungen demokratischen Tradition wohl kaum mehr zu karikieren braucht? Das besorgt die durch Schlagworte und Scheingefechte in Fernsehtalkshows wie ein Fischschwarm aufgescheuchte Menge schon selbst.

Nein, schmeichelhaft ist es nicht gerade, was Simon da in seinem Spiegel zeigt. Wobei man es ihm nicht übel nehmen sollte, wenn er sich Sorgen um das gute alte Grundgesetz macht – und um die, die es schützen soll, ebenso. Aufmerksamkeit und Respekt sind alles, was er sich und uns wünscht. Nicht zu viel verlangt, oder?