Macke-Denkmal in Bonn

Noch viele Fragen offen

Bonn. Debatte: Stephan Balkenhols geplante "Hommage an August Macke" im Bonner Hofgarten hat noch Chancen. Die Kunstkommission hat noch Fragen.

Eine Woche nach der nichtöffentlichen Sitzung der neuen städtischen Kunstkommission hat sich jetzt deren Vorsitzender, Kulturdezernent Martin Schumacher, zur geplanten „Hommage an August Macke“ geäußert, die der Bildhauer Stephan Balkenhol auf der Hofgartenwiese errichten will. Wie berichtet war das Projekt des Bonner Vereins Stiftung für Kunst und Kultur bei der Sitzung durchgefallen.

Schumacher sieht das als Beginn eines Dialogs mit dem Verein, der das Kunstwerk finanzieren will, und dem Künstler. „Man war sich einig, dass die Bonner es schätzen werden, dass sich ein Kunstwerk mit Macke beschäftigt“, sagte er auf Anfrage. Jedoch habe die Kommission noch Fragen, die die von Balkenhol und vom Verein eingereichten Unterlagen nicht beantworten konnten. So fehlten Angaben etwa zum Material des Pavillons mit dem Glasbaldachin, unter dem der Bronze-Macke stehen soll. Üblich sei, so Schumacher, dass man bei derlei Gremien ein Modell der Skulptur zur Begutachtung einreiche. Das war nicht der Fall.

Fragen bestanden auch zum Standort. Da leuchtete die Argumentation des Künstlers nicht ein. „Das Mackeviertel könnte ebenfalls der geeignete Ort sein“, so der Tenor des Gremiums. Aus dem Kreis der Kommission hört man ferner, dass die Befristung der Skulpturenaufstellung auf zehn Jahre problematisch sei: Im Fall, dass Markus Lüpertz Beethoven und Balkenhols Macke – zwei Identifikationsfiguren für die Stadt – dann abgezogen würden, wüchse der Druck auf die Stadt, selbst als Financier einer weiteren Aufstellung einzusteigen.

Wie geht es weiter? Schumacher wird das Protokoll der Sitzung an den Stiftungsverein weiterreichen und hofft dann auf Beantwortung der offenen Fragen. Dann könnte die Kommission außerplanmäßig zusammenkommen und nochmals beraten. Perspektivisch wolle die Kommission ein Konzept für Kunst im öffentlichen Raum erarbeiten und eine Liste mit potenziellen Standorten im Stadtbild zusammenstellen.

Das erste Votum der unter anderem mit Museumschefs aus Bonn und der Region bestückten Kommission hat eine Debatte unter GA-Lesern ausgelöst. Auch die Direktorin des August Macke Hauses, Klara Drenker-Nagels, hat sich gemeldet. Es sei nicht zu fassen, dass „die städtische Kunstkommission die geplante Macke-Skulptur von Balkenhol ausbremst“, teilte sie dieser Zeitung mit. „Ein eindeutiges Urteil für oder gegen hat sie jedenfalls nicht getroffen, damit hätte die Kommission wenigstens klar Kante gezeigt.“ Drenker-Nagels weist darauf hin: „Balkenhols Hommage an August Macke kostet die Stadt nichts. Nicht mal der Grund, auf dem die Skulptur aufgestellt werden soll, ist städtisch, sondern Gelände der Universität Bonn.“ Michael Hoch, der Rektor der Universität selbst hatte den Standort vorgeschlagen und eine Aufstellung ausdrücklich begrüßt.

Kritik am Umgang der Stadt mit Kunst im öffentlichen Raum

Drenker-Nagels sieht für das Projekt schwarz: „Fakt ist jetzt jedenfalls, dass durch die indifferente Haltung der städtischen Kunstkommission die Realisierung des Projektes für 2017 und damit vermutlich für immer geplatzt ist.“ Bedauerlich angesichts der Tatsache, dass in diesem Jahr Mackes 130. Geburtstag gefeiert und im Herbst der Erweiterungsbau des Macke Hauses eröffnet wird. „Es ist leider immer wieder dasselbe in dieser Stadt: Selbst kaum was auf die Reihe kriegen, aber bürgerschaftliches Engagement mit unnachahmlichem Talent behindern und mit Füßen treten.“

„Entsetzt“ äußerte sich der ehemalige Kunstmuseumschef Dieter Ronte, der außerdem Beiratsmitglied des Stiftungsvereins ist. „Die Kommission misstraut einem internationalen Künstler wie Balkenhol, was eigentlich dem professionellen Auftrag der Museumsdirektoren widerspricht“, wundert sich Ronte. Es sei „peinlich genug, dass es in Bonn kein Macke-Denkmal gibt. Der Aufstellungsort Universität ist geradezu ideal.“ „Das Verständnis als sogenannte internationale Kulturstadt ist wohl sehr gering ausgebildet“, moniert Ronte.

Die Stadt Bonn habe sich, so Ronte, aus finanziellen Gründen von der Kunst im öffentlichen Raum zurückgezogen. „Wenn jetzt eine Kommission dazu missbraucht wird, privates kulturelles und finanzielles Engagement zu verhindern, dann verbaut sich die Stadt ihre eigene Zukunft. Ich warte auf den Aufschrei der Politik.“

Das Thema schlägt Wellen bis nach Bremen: Arn Strohmeyer, der dort lebt, hat einen Brief an OB Ashok Sridharan geschrieben. Strohmeyer und sein damaliger Kommilitone Gerhard Pfaffenrott hatten 1972 das nahezu vergessene Wohnhaus Mackes durch eine Plakette der städtischen Anonymität entrissen. Strohmeyer schreibt: „Es ist sehr zu hoffen, dass die Kunstkommission sich doch noch bald auf die Erstellung der Skulptur von Stephan Balkenhol verständigt, zumal keine öffentlichen Gelder dafür aufgewendet werden müssen.“

Jedoch wünscht sich Strohmeyer einen anderen Ort, Macke habe dazu „keinen künstlerischen Bezug“ gehabt. Das Denkmal gehöre in die Nähe des Macke Hauses, an den Hochstadenring oder an die Bornheimer Straße. In diesem Viertel habe er gemalt und gelebt.