Zwei Jahre nach Baubeginn

Neues Macke-Museum in Bonn wird am Sonntag eröffnet

Bonn. Zwei Jahre nach Baubeginn wird das neue Museum August Macke Haus eröffnet. Zu einem Erweiterungsbau gesellt sich das neu eingerichtete biografische Künstlermuseum im ehemaligen Wohnhaus des Malers in der Bonner Nordstadt.

Bonn ist um eine riesige Attraktion reicher: Am Sonntag wird das neue Museum August Macke Haus, eine äußerst gelungene Verbindung aus dem historischen klassizistischen Wohn- und Atelierhaus des Malers August Macke mit einem modernen Erweiterungsbau, eröffnet, der sich L-förmig um Mackes Garten legt und zum Hochstadenring mit einer zwölf Meter hohen Fassade abgeschlossen wird.

Ein neues, kleines, feines Museums-Quartier ist dort entstanden. Vorbei die Zeiten, da man das Macke Haus besuchte und, wenn nicht gerade eine Ausstellung mit seinen Werken lief, kaum ein Original zu Gesicht bekam. Einzig im Dachatelier waren einige Schätze aus der Sammlung zu sehen. Vorbei auch die Zeiten, da man in kleinen Kabinetten auf 80 Quadratmetern gedrängt und auf drei Etagen verteilt Ausstellungen über den Rheinischen Expressionismus, den Futurismus oder die Neue Sachlichkeit unter klimatisch prekären Bedingungen sah.

Jetzt darf sich der Besucher auf ein übersichtliches Konzept, auf großzügigen Platz, ein biografisches Künstlermuseum zu Macke im historischen Wohnhaus und eine Flucht von sieben Räumen freuen, in denen perfekt klimatisiert Ausstellungen wie die aktuelle, 150 Exponate zählende "August Macke und Freunde - Begegnung in Bildern" mit wertvollen Leihgaben gezeigt werden können.

Bis zu hundert Menschen passen in den Veranstaltungsraum, in dem ein 30-minütiger Film über Macke laufen soll. Eine feine Museumsgastronomie, die Michael Baumgarten ("Delikart" im LVR-Landesmuseum) verantwortet, ein weiträumiger Shop, ein erweitertes museumspädagogisches Angebot, eine Bibliothek mit Arbeitsplätzen und nicht zuletzt der für Veranstaltungen nutzbare Pavillon mit großer Dachterrasse komplettieren das Angebot. Alles neu also im Bonner Norden.

Bau kostete 7,25 Millionen Euro

Vor 15 Jahren kamen erste Gedanken an einen Erweiterungsbau auf. Der Bonner Karl-Heinz Schommer legte einen Entwurf vor, der nun mit einigen Abänderungen von seinem Kollegen aus Lüdenscheid, Thomas Kaldewey, ausgeführt wurde. Im September 2013 stand die Finanzierung, zwei Jahre später begannen die Erdarbeiten am Hochstadenring, wiederum zwei Jahre darauf erstrahlt der fertige Museumskomplex. Glückliche, aber auch leicht angestrengte Gesichter beim Pressetermin am Donnerstagmorgen. "Sie glauben ja nicht, was alles schiefgehen kann", klagt die Direktorin Klara Drenker-Nagels, die noch nicht an Entspannung denken kann. Der Projektleiter und Bauherrenvertreter Helmut Laufer von Probonnum zählte die 15 Planungsbüros und 25 Gewerke auf, die bei diesem vom Bund, vom Land, vom LVR, von der NRW-Stiftung und privaten Stiftern finanzierten Projekt Hand in Hand arbeiteten. Der anvisierte Etat lag bei 6,9 Millionen Euro, letztendlich koste der Bau 7,25 Millionen Euro, so Laufer.

Zufrieden wirkte auch Christoph Simons von der Stiftung August Macke Haus der Sparkasse in Bonn die Bauherrin war, während der Verein August Macke Haus für den Museumsbetrieb zuständig ist. Simons sprach von einer "neuen kulturellen Visitenkarte Bonns".

Erheblichen Anteil daran hat der Architekt Schommer, der die Grundideen des Baus vorstellte: "Der Erweiterungsbau sollte keine Konkurrenz zum klassizistischen Wohnhaus aufbauen, aber er will sich auch nicht verstecken." Schommers Lösung ist eine elegante, leichte und zweckmäßige Architektur, die sich durch die Glasfassade vor dem Garten vom Trubel auf dem Hochstadenring abgrenzt. Eine Idylle wie zu Mackes Zeiten, als hier noch Pferdefuhrwerke durch die Nordstadt zuckelten, schwebte ihm vor. Auch die Proportionen, den Charakter des Antikparketts, "urige Stimmungslage", leitet Schommer von Macke ab: "Wir haben uns immer gefragt: Wie hätte Macke selbst sein Haus erweitert?"

Ähnlich gelagerte Gedanken hat sich auch die Kuratorin Ina Ewers-Schultz gemacht: "Wir wollten die Aura des Hauses halten und gleichzeitig alle Facetten des Künstlers und Menschen Macke zeigen." Kein einfaches Unterfangen bei einem Ensemble, dessen Einrichtung nicht mehr existierte. Gemeinsam mit dem Designer Matthias Arndt hat sie ein biografisches Künstlermuseum realisiert, das Maßstäbe setzen dürfte. Die Magie des Ortes bleibt bestehen, die Präsentation mit neuen Medien, einem ausgeklügelten Ausstellungsdesign lässt keine Wünsche offen.

Das neue Museum August Macke Haus ist ab 3. Dezember fürs Publikum offen. Di, Mi, Fr, Sa, So 11-17, Do 13-21 Uhr