Beethoven Orchester: Saison 2017/2018

Musik im Spiegel

Bonn. Bonns neuer Generalmusikdirektor Dirk Kaftan stellt das Programm seiner ersten Saison vor. Viele neue Spielstätten in der Stadt.

Man wird sich darauf einstellen dürfen, dass unter Bonns neuem Generalmusikdirektor Dirk Kaftan das Musikleben der Stadt ein neues Gesicht erhält. Außer der traditionellen Reihe der Freitagskonzerte, die ab September vom WCCB in die Oper umziehen wird und Stars wie die Geigerin Midori Goto, den Perkussionisten Martin Grubinger oder den Dirigenten Jos van Immerseel nach Bonn holt, bleibt kaum etwas, wie es war. Es gibt neue Reihen, neue Spielorte, neue Schwerpunkte und neue Ansätze der Musikvermittlung. Und alles in enger Verzahnung mit anderen Bonner Institutionen.

Kooperation ist eines der Zauberwörter, die Kaftan gerne nutzt. Nach seiner Ansicht ist Musik für eine Stadt eine Frage der Identität. „Das braucht unsere Zeit nötiger denn je“, sagte der Dirigent bei der Vorstellung seiner ersten Spielzeit.

Dass er die Pressekonferenz in der Kleinen Beethovenhalle in Muffendorf ausrichtete, die als Spielort eine Rolle spielen wird, erscheint da ebenso symptomatisch wie die ungewöhnlich große Menge der Zuhörer. Vertreter vom Beethoven-Haus, vom Beethovenfest, von der Jubiläumsgesellschaft BTHVN 2020, von der Oper, von der Universität, der Stadt, des Deutschen Musikrates, auch freie Veranstalter und etliche andere waren gekommen, um zu hören, was Kaftan der Stadt bescheren wird.

Peter Sloterdijk spiegelt die Musik

Auf der Titelseite des ganz neu gestalteten Saison-Programmbuchs steht nicht der Name des neuen GMD, sondern ein Spiegel, der so etwas wie ein Leitmotiv der Saison ist und irgendwie auch mit Beethoven in Beziehung gesetzt werden kann. „Beethoven hält uns immer einen Spiegel vor und zeigt uns, wo wir stehen“, sagte Kaftan, der Musik und Geist des Komponisten in unterschiedlichsten Erscheinungsformen auftauchen lässt. Von der Aufführung der siebten Sinfonie beim ersten Freitagskonzert, das im Rahmen des Beethovenfestes am 22. September stattfindet und daher noch einmal den WCCB-Konzertsaal als Aufführungsort nutzt, bis hin zu dem Jugendprojekt „b+“, bei dem die dritte Sinfonie „Eroica“ im Mittelpunkt stehen wird. In diesem Projekt werden sich Bonner Schüler mit dem Werk auseinandersetzen und verschiedene Beiträge zur Musik entwickeln. „Das werden wir in den nächsten Jahren mit allen großen Beethoven-Sinfonien machen“, versprach Kaftan.

Die Reihe „Im Spiegel“ trägt das Leitmotiv schon im Namen. Dahinter verbirgt sich die Idee, das Repertoire der Freitagskonzerte noch einmal mit hochkarätigen Gesprächspartnern zu vertiefen. Wenn zum Beispiel Midori Goto beim Freitagskonzert am 10. November Peter Tschaikowskis Violinkonzert spielt, wird sie das am Sonntag beim ersten „Spiegel“-Konzert noch einmal wiederholen und darüber hinaus sich mit Kaftan nicht nur über das Werk unterhalten, sondern auch über ihre Arbeit als Friedensbotschafterin der Vereinten Nationen. Gesprächspartner in weiteren „Spiegel“-Matineen sind unter anderem der Philosoph Peter Sloterdijk, Martin Grubinger und der Schauspieler Matthias Brandt.

Zu den neuen Spielstätten zählt die Kleine Beethovenhalle in Muffendorf. Wenn auch nur für eine Saison. Denn die drei BOB-Konzerte mit jungen Dirigenten, die das Dirigentenforum des Deutschen Musikrats stellt, und noch jüngeren Solisten, die sich aus den Reihen der Bonner Musikschule rekrutieren, sind Auftakt einer neuen Stadtteilkonzertreihe. In jeder Saison gastieren die BOB-Musiker in einem anderen Bonner Bezirk. Auch die Reihe „Grenzenlos“ ist eine Entdeckungsreise durch die Stadt. Das geht los mit jüdischen Liedern, die das BOB gemeinsam mit dem Chor der Kreuzkirche und der Sängerin Yasmin Levy im November im Kameha Grand Hotel aufführen wird. Im Telekom-Forum wird im Januar 2018 orientalisch inspirierte Musik – von Mozart bis Borodin – Songs gegenübergestellt, die die türkischstämmige Band Kardes Türküler zum Besten gibt.

Spannend dürfte auch die Entdeckung des BaseCamp als Spielort werden. „Ich habe hier immer übernachtet, wenn ich in Bonn war“, sagte der zurzeit noch zwischen seiner derzeitigen Wirkungsstätte Graz und Bonn pendelnde Kaftan. Zwischen Wohnwagen und Eisenbahnliegewagen kann man dort im Mai 2018 eine Samstagnacht mit neuer Musik verbringen. Die sonntägliche Matinee-Reihe heißt ab Oktober schlicht „Um elf“ und findet in enger thematischer Abstimmung mit der Universität in der Aula des Hauptgebäudes statt.

Bei der Programmkonzeption stehen Kaftan neben dem langjährigen Orchesterdirektor Michael Horn zwei Neuzugänge zur Seite: Tilmann Böttcher als Leitender Dramaturg und Eva Eschweiler als Musikvermittlerin. Sie ist zuständig für das umfangreiche Angebot für Kinder und Jugendliche, das unter dem neuen Titel „b.jung“ Sitzkissenkonzerte für die kleinen Zuhörer, Kinderkonzerte, Familienkonzerte, Jugendkonzerte und vieles mehr anbieten wird. Auch hier wird Kooperation großgeschrieben: Beethoven Orchester und Oper machen gemeinsame Sache.

Natürlich gibt es auch wieder Kammerkonzerte im Beethoven-Haus und im Kanzlerbungalow, Gastspiele in Koblenz oder Amsterdam, sowie zahlreiche Sonderkonzerte. Der Deutsche Musikwettbewerb und die Telekom Beethoven Competition können ebenso wie die Operngala der Aids-Stiftung weiterhin auf das Beethoven Orchester zählen, außerdem spielt es an Karneval sowie zu Weihnachten. Und zum Saisonauftakt im Zelt auf Pützchens Markt. Dass die 2000 Karten für dieses Sonderkonzert innerhalb von 14 Minuten verkauft waren, wertet Kaftan als gutes Omen. Für alle anderen Konzerte können ab sofort Karten bestellt werden.

Weitere Information zum Programm: beethoven-orchester.de