Musikfestival in Endenich

Mit Freude ins Jubiläum

Bonn. Das Endenicher Schumannfest geht im Juni zum 20. Mal über die Bühne. Zum Jubiläum präsentieren die Macher 17 Veranstaltungen.

Mit einer Tuba im Rücken musiziert es sich am Klavier nicht ganz einfach. Die Töne aus diesem Blasinstrument könnten, kräftige Lungen vorausgesetzt, buchstäblich Mauern zum Einsturz bringen. Doch zu Beginn der Vorstellung des Programms des diesjährigen Schumannfests hielt sich Constantin Hartwig ganz gentlemanlike zurück, blies die tiefer gelegte Hornstimme aus Robert Schumanns Adagio und Allegro Op. 70 auf seinem Instrument mit so viel Feingefühl, dass die Bonner Pianistin Luisa Imorde sich nicht vor den Druckwellen fürchten musste, sondern am Flügel des Schumannhauses pianistische Sensibilität walten lassen konnte.

Beim Schumannfest, das vom 6. bis zum 18. Juni in Endenich mit insgesamt 17 Veranstaltungen gefeiert wird, geht das Duo allerdings getrennte Wege. Hartwig kommt mit seinen Tuba-Kollegen Fabian Neckermann und Steffen Schmidt, die sich zum „Trio 21meter60“ formiert haben, am 10. Juni in die Harmonie. Den in der Programmbroschüre noch ausgewiesenen Veranstaltungsort Schumannhaus hätte der Schalldruck dreier Tuben laut Festivalchef Markus Schuck akustisch überfordert. Sie spielen Arrangements von Bach bis Gershwin. Luisa Imorde führt am 13. Juni im Theater im Ballsaal neben Werken unter anderem von Liszt, Mozart und Schumann die von ihr erstmals auf CD eingespielten „Zirkustänze“ des Komponisten Jörg Widmann auf. Und – gleichsam als Zugabe – „L'Isle Joyeuse“ von Claude Debussy.

Vor zwanzig Jahren als Endenicher Herbst gestartet

Mit letzterem Werk ist sie ganz nah am Motto des diesjährigen Schumannfests, das schlicht „Freude“ lautet und auf das Jubiläum „20 Jahre Schumannfest“ einstimmen soll, das 1998 noch unter dem Namen „Endenicher Herbst“ an den Start gegangen ist. Zum Jubiläum gibt's ein erneuertes Design der Programmbroschüre und eine überarbeitete, mit dem Schumannhaus zusammengeführte Internetseite.

Dass im Werk Robert Schumanns die „Freude“ eine große Rolle spielt, hat Schucks Stellvertreter Ulrich Bumann bei der Zusammenstellung des Programms immer wieder feststellen können. Ein Werk durfte in diesem Zusammenhang nicht fehlen: Das Clara Schumann gewidmete Klaviertrio in d-Moll op. 63. Denn, so hat Bumann bei der Lektüre von Schumanns Anmerkungen während der Kompositionsphase festgestellt: „Nirgendwo sonst bei Schumann ist so viel von Freude die Rede.“ Interpretiert wird es am 8. Juni im Schumannhaus durch das britische Busch Trio.

Doch das Motto ist auch eine durchaus trotzig-provokante Anspielung an die von Beethovens Vertonung der Schiller'schen „Ode an die Freude“ inspirierte städtische Wortmarke „Freude – Joy – Joie – Bonn“. „Nicht nur Beethoven macht Freude – auch Schumann“, sagte Schuck. Doch Robert und Clara Schumann, die auf dem Alten Friedhof in Bonn begraben wurden, würden von der Stadt nicht hinreichend wahrgenommen, beklagt Schuck, der gern mehr Geld hätte: „Wie sind der Meinung, in 20 Jahren ist es uns gelungen zu zeigen, welches Pfund wir in Bonn mit Robert Schumann haben.“ Bislang muss das Schumannfest mit einem jährlichen Zuschuss von 35 000 Euro haushalten und ist deshalb ausschließlich auf ehrenamtliches Engagement aller Beteiligten angewiesen.

Das Fest setzt vorwiegend auf junge Künstler

Da ist auch die künstlerische Beraterin des Liedprogramms, die finnische Pianistin und Musikhochschullehrerin Pauliina Tukiainen, keine Ausnahme, die in diesem Jahr unter anderem zusammen mit ihrer Kollegin Anne Le Bozec und sechs jungen Sängerinnen und Sängern das Eröffnungskonzert am 6. Juni im Schumannhaus gestaltet. Unter anderem gibt es hier Schillers „Ode an die Freude“ in der acht Jahre vor Beethovens Neunter Sinfonie entstandenen Vertonung der Verse durch Franz Schubert zu hören. Das Konzert steht exemplarisch für die Linie des Schumannfests, „vorwiegend auf junge Künstler zu setzen, für die das Festival ein Karrieresprungbrett sein kann“, wie Bumann ausführte.

Die dürfen dann freilich auch gerne immer wieder kommen. Wie zum Beispiel die Sophie Pacini, die das Konzert zu Schumanns Geburtstag am 8. Juni spielt. Sie wurde gerade erst als „Junge Künstlerin des Jahres“ mit dem International Classical Music Award (ICMA) ausgezeichnet.

Auch der Jazz erhält beim Schumannfest eine Stimme. Und zwar die der Ausnahmesängerin Fay Claasseen, die am 16. Juni in der Harmonie ihr Soloalbum „Luck Child“ vorstellt.

Außerdem zeigt das Schumannfest in Zusammenarbeit mit dem Rex-Kino wieder drei Film: „An die Freude“ (von Ingmar Bergmann, 1950), „Vitus“ (von Fredie M. Murer, 2006) und „Frühlingssinfonie“ (von Peter Schamoni, 1983). Die Einführungen übernehmen jeweils die Feuilleton-Redakteure des General-Anzeigers.

Das komplette Progamm hier.