Til Macke feiert 80. Geburtstag

Macke verschenkt Bild seines Großvaters

Familiensache: Til Macke im Macke Museum vor zwei Porträts seiner Großmutter Elisabeth, die August Macke in jungen Jahren gemalt hat. Das rechte Bild, „Elisabeth in rotem Kleid“, schenkt Til Macke am Mittwoch dem Museum. FOTO: BENJAMIN WESTHOFF

Familiensache: Til Macke im Macke Museum vor zwei Porträts seiner Großmutter Elisabeth, die August Macke in jungen Jahren gemalt hat. Das rechte Bild, „Elisabeth in rotem Kleid“, schenkt Til Macke am Mittwoch dem Museum. FOTO: BENJAMIN WESTHOFF

Bonn. Künstlerenkel und Mäzen: Der Bonner Biologe und Unternehmer Til Macke wird 80 Jahre alt und schenkt dem Macke Museum aus diesem Anlass ein Gemälde seines Großvaters.

Feiern will Til Macke seinen Achtzigsten nur im kleinen Kreis – mit der Familie und ein paar Freunden. Und es passt zu seiner bescheidenen Art, dass er an diesem Mittwoch nicht primär auf Geschenke wartet, sondern selbst aktiv wird und „seinem“ August Macke Museum ein großzügiges Präsent macht. Das Bild „Elisabeth in rotem Kleid“, ein Frühwerk seines Großvaters, hängt zwar schon eine Weile im biografischen Künstlermuseum, dem Macke Haus. Aber am Mittwoch geht es offiziell in den Besitz der Institution über.

Da hängt es nun im Museum – wenige Meter von dem ehemaligen Standort entfernt, dem Haus der Familie Gerhardt, wo August Mackes geliebte Elisabeth lebte. Irgendwann muss der junge Maler dort gewesen sein, hatte den plötzlichen Impuls, seine Elisabeth zu malen, erzählt Til Macke. Sein Großvater habe das nächstbeste Bild von der Wand genommen und auf der Rückseite seine Elisabeth im roten Kleid verewigt. „Das war so typisch für ihn“, sagt er, „ich muss sie jetzt unbedingt malen“. Es muss 1909 gewesen sein, das junge Paar war damals noch nicht verheiratet.

Offenbar wurde das Bild wieder ordentlich hingehängt – mit der von Macke bemalten Rückseite nach hinten. Die Vorderseite zeigte übrigens Elisabeths Mutter Sophie. Er habe vor rund 30 Jahren das Bild mit der Macke-Rückseite auf dem Speicher seines Vaters entdeckt, erzählt er. Til Macke liebt dieses Bild: „Es ist sehr innig, hat mir so gut gefallen.“

Zwei Künstlergroßväter

Ob er denn selbst eine künstlerische Ader habe? Lachend erzählt er, dass er zwar die Gene zweier Künstlergroßväter habe – August Macke und Hans Thuar –, aber nur für den Hausgebrauch male, das aber mit Leidenschaft. Sein Zeichenlehrer habe ihm eine Bitte mit auf den Weg gegeben: „Versprechen Sie mir, dass sie nicht Maler werden.“ Macke wurde Biologe und Unternehmer. Für große Kunst habe sein Talent nicht gereicht.

Til Macke wurde am 22. Mai 1939 als Sohn von Wolfgang Macke und seiner Frau Gisela, geborene Thuar, und als erster von vier Macke-Enkeln geboren. 1975 übernahm er von seinem Vater, Sohn des Malers August Macke, die Leitung der Firma Gerhardt, die sein Großvater Carl Gerhardt, Vater von Elisabeth Macke, Ende des 19. Jahrhunderts gegründet hatte. Er führte das Familienunternehmen, das 2003 von der Bonner Nordstadt nach Oberdollendorf gezogen war, bis 2009. Dann übergab er die Leitung an seine Söhne Jan und Tom Macke.

Schon früh hat er sich für das Werk seiner Großväter eingesetzt, von Anfang an engagierte er sich für das August Macke Haus, das er mit Spenden, Schenkungen und Dauerleihgaben förderte. Macke stellte dem Museum über viele Jahre zusätzliche Räume zur Nutzung für museumspädagogische Veranstaltungen im ehemaligen Fabrikgebäude der Firma Gerhardt zur Verfügung.

Erinnerung an den Garten

Ganz glücklich ist er über das 2017 eröffnete neue Macke Museum und den Erweiterungsbau. Beides hat er gefördert. „In diesem Garten habe ich als Kind gespielt“, erinnert er sich, „diese Schräge zur Waschküche bin ich auf den Schuhen heruntergerutscht“. Auch dass er für August Mackes Witwe Elisabeth Öl mit der Kanne aus dem Tank holte und in den dritten Stock ins Atelier trug, wo die Oma wohnte, ist in frischer Erinnerung. „Ich bin diesem Ort sehr verbunden.“

Doch es gibt nicht nur nette Anekdoten. Noch heute kann sich Til Macke über die Hartnäckigkeit der Stadt Bonn ärgern, die überhaupt kein Interesse an August Mackes Skizzenbücher und schriftlichen Nachlass hatte. Die Familie verkaufte die Schätze und Dokumente dann ans Landesmuseum in Münster. Tief enttäuscht war Til Macke, als ihm der damalige Oberbürgermeister Hans Daniels eröffnete, er werde den Platz vor dem Kunstverein „August-Macke-Platz“ nennen. „Nur ein Plätzchen, nicht einmal eine richtige Straße“, schäumt Til Macke. „Da war ich richtig wütend – da hätte man besser nichts gemacht.“ Wer kenne heute noch Konrad von Hochstaden? Und Joseph Beuys, der eine Allee hinterm Kunstmuseum bekam, habe doch mit Bonn nichts zu tun gehabt.

Das ärgert ihn noch heute. Zwei Minuten später, zwischen den beiden Elisabeth-Bildern in seinem geliebten Macke Museum, ist er wieder ganz ruhig und zufrieden. Es ist letztlich doch (fast) alles gut gegangen.