Neue Perspektiven

Kunstmuseum Bonn zeigt Fitting-Werke

Bonn. Die Sammlung Fitting mit Werken von Picasso, Braque, Arp und Mirò ist eine wertvolle Ergänzung für das Kunstmuseum Bonn. Eine erste Präsentation soll es im November geben.

Wer im Kunstmuseum Bonn bislang Meister der klassischen Moderne wie Pablo Picasso und Joan Miró sehen wollte, musste auf Wechselausstellungen hoffen – denn in der städtischen Kunstsammlung fehlten diese Positionen. Bonn teilt das Schicksal vieler Häuser, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Preise für derlei Kunst zusehends die Ankaufsetats sprengten, mit dem Kunstsammeln begannen – und keine Sammlerpersönlichkeit wie Peter Ludwig im Hintergrund hatten. Dessen Sammlung etwa mit Arbeiten von Pablo Picasso und der Pop Art füllt durch Vermittlung der Peter und Irene Ludwig Stiftung Lücken im Bestand in Museen von Aachen über Köln und Koblenz bis Budapest und Wien mit prominenten Werken.

Nun hat Bonn keinen Ludwig, dafür aber jetzt die sehr viel kleinere, gleichwohl feine und erlesene Sammlung des Mediziners Wilfried Fitting und seiner Frau Gisela an Land gezogen. Volker Adolphs, am Kunstmuseum Bonn unter anderem der Experte für die Kunst August Mackes und der Rheinischen Expressionisten, ist gerade dabei, Fittings rund 220 Werke umfassende Sammlung zu sichten. Im November wird eine hochkarätige Auswahl daraus in Bonn zu sehen sein. Nun geht es darum, eine Ausstellung, „eine kleine Schatzkammer mit feinen Schwingungen“ (Adolphs), für das Kunstmuseum zu komponieren, die einerseits den Charakter und Charme der Sammlung veranschaulicht, andererseits Berührungspunkte zum Bonner Bestand aufzeigt.

Während die Restauratoren des Hauses die 220 Arbeiten untersuchen, nimmt die geplante Ausstellung „Von der Liebe in den Dingen“ bereits im Geiste Gestalt an. „Wir sind gespannt, wie diese in mehr als 40 Jahren gewachsene Privatsammlung in unseren Museumsräumen wirkt“, sagt Adolphs. Es sei eine intime Sammlung mit eher klein- oder mittelformatigen Werken, „die Fittings haben mit ihr gelebt“.

Über deren Motivation zu sammeln, wisse man nicht viel, sagt der Kurator, aber, dass der 2012 gestorbene Bonner Mediziner ein Faible für hohe Qualität hatte, spüre man. Die Kölner Galerie „Der Spiegel“ und ihr Gründer Hein Stünke haben tiefe Spuren in der Fitting-Sammlung hinterlassen. Stünke, der sich für die unter den Nazis als „entartet“ verfemte klassische Moderne stark gemacht hatte, sich später mit der französischen Avantgarde befasste, mit Max Ernst befreundet war, beriet den Mediziner und Kunstfreund. Was er auch für die Documentas zwei bis fünf tat.

Mitte der 1960er Jahre erwarben die Fittings erste Werke, Arbeiten von Alexei Jawlensky, Hans Arp und Max Ernst. Um 2003 ende, so Adolphs, der Aufbau der Sammlung mit Arbeiten von Eduardo Chillida. Es ist ein persönlicher, von privaten Vorlieben geprägter Einblick in die Kunst der Moderne.

Picassos Keramiken faszinierten den Bonner Kunstfan ebenso wie Werke des Surrealisten Joan Miró, die wiederum mit dem Kosmos von Max Ernst und Hans Arp korrespondieren. Die frühe Malerei von Hann Trier wie auch die bildhauerische Eleganz von Chillida beschäftigten die Fittings ebenfalls.

Faszination für die Schönheit

Wie könnte man das Profil dieser Sammlung charakterisieren? Adolphs meint nach der Durchsicht der Schätze, Fitting habe sich stark für Künstler interessiert, die sich „mit der Transformation der Wirklichkeit befasst haben“. Beispielsweise Picasso und Arp, die den Kräften der Natur gefolgt seien und die Verwandlung der menschlichen Gestalt vorangetrieben hätten. Fitting habe Künstler gesammelt, die von der Schönheit fasziniert waren – „das passt sehr gut zu Mackes Kunst“, bemerkt Adolphs.

Die Sammlung Fitting, die als Teil der Stiftung Wilfried und Gisela Fitting dem Kunstmuseum langfristig zur Verfügung steht, passe sich wunderbar in den Bestand des Hauses ein, sagt Adolphs. Die Werke von Picasso, Georges Braque und Miró schließen Lücken im Bonner Bestand.

Die Arbeiten von Max Ernst ergänzen sich mit den Werken der 1989 vom Museum erworbenen Max-Ernst-Sammlung von Hans Bolliger, bestehend aus 101 illustrierten Büchern und 60 Druckgrafiken. Außerdem verfügt das Haus über ein Ensemble von fünf Ernst-Skulpturen, das die Bundesrepu-blik Deutschland dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat. 1952 erwarb es Ernsts kleines Gemälde „Grätenwald“ von 1926.

Eher dünn – im Vergleich zur exzellenten Sammlung von Macke & Co. – ist das Bonner Angebot auf dem Feld der klassischen Moderne mit Werken von Jawlensky, Robert Delaunay und einigen „Brücke“-Künstlern. Die Sammlung Fitting erweitere nun dieses Spektrum, erklärte Kunstmuseumsintendant Stephan Berg im Juni anlässlich der Vorstellung der Stiftung im Kulturausschuss: „Wir gewinnen eine besondere Perspektive auf unsere eigenen Bestände.“

Interessant sind auch die „Ausreißer“ in der Fitting-Sammlung: Man wüsste gerne, was zum Erwerb etwa von Arbeiten von Roy Lichtenstein und David Hockney – beide mit Stillleben vertreten –, von Henry Moore und Henri Laurens – mit Akten in der Sammlung –, ferner von Fernand Léger, Meret Oppenheim und Rosemarie Trockel geführt hat. Was auch immer den Weg in diese Sammlung fand, immer sei höchste Kennerschaft im Spiel gewesen, versichert Adolphs.