Kammermusikfest

Klezmer im Blut

Spielt seit seiner Kindheit leidenschaftlich gern Klezmermusik: Der Geiger Noah Bendix-Balgley.

Spielt seit seiner Kindheit leidenschaftlich gern Klezmermusik: Der Geiger Noah Bendix-Balgley.

Bonn. Noah Bendix-Balgley spielt als Konzertmeister die erste Geige bei den Berliner Philharmonikern. Zur Beethovenwoche kommt er nach Bonn und spielt von jüdischer Folklore inspirierte Kammermusik.

Als Konzertmeister der Berliner Philharmoniker ist der Amerikaner Noah Bendix-Balgley im klassischen Konzertrepertoire zu Hause. Zwischen dem deutschen Barockmeister Johann Sebastian und dem britischen Neutöner Thomas Adès dürfte es nicht sehr viele Komponisten von Rang geben, mit deren Musik er sich nicht intensiv auseinandergesetzt hätte. Aber dennoch ist Bendix-Balgleys Neugier groß genug geblieben, sich mit anderer Musik, insbesondere der traditionellen jüdischen auseinanderzusetzen. „Ich habe sie seit meiner frühen Kindheit immer wieder gespielt“, verrät der Geiger. Wenn er am Mittwoch, 24. Januar, mit einem prominent besetzten Kammermusikensemble in Quartettstärke bei der Beethovenwoche im Beethoven-Haus gastiert, wird der Zuhörer genau diese Seite des Musikers etwas näher kennenlernen können.

Der 1984 in North Carolina geborene Bendix-Balgley stammt selbst aus einem jüdischen Haushalt. Sein Vater Erik Bendix ist Tänzer und Tanzpädagoge. „Sein Spezialgebiet ist der europäische Volkstanz“, erzählt der Sohn. Mit Schwerpunkten auf den Traditionen des Balkanraums und der Klezmerkultur. „Ich habe diese Musik als Kind sehr viel gehört, zum Beispiel bei den Klezmer-Workshops meines Vaters“, erinnert er sich. „Ich hatte dadurch schon als sechsjähriger Geigenschüler die Möglichkeit, die Top-Klezmer-Musiker aus Amerika kennenzulernen.“ Darunter waren Michael Alpert und Alan Bern von dem Ensemble Brave Old World oder Alicia Svigals von den Klezmatics. Er durfte sich da auch schon musikalisch ausprobieren und einbringen. „Gleichzeitig habe ich meine klassischen Studien vorangetrieben.“

Von dieser besonderen Mixtur aus klassischem Repertoire und Klezmer erzählt auch das Programm, das Bendix-Balgley auf Einladung der Leiterin der Beethovenwoche, Tabea Zimmermann, zusammengestellt hat (die auch selbst am Konzertabend den Bratschenpart übernimmt). „Ich bin in den letzten Jahren auf die Suche nach klassischen Musikwerken gegangen, in denen sich die Einflüsse von Klezmer wiederfinden lassen.“ Bei Komponisten jüdischer Herkunft wie Ernest Bloch oder Gideon Klein mögen solche Einflüsse weniger überraschen als bei Dmitri Schostakowitsch, dessen Trio e-Moll für Violine, Violoncello und Klavier op. 67 (bewusst oder unbewusst) gleichwohl deutliche Anklänge an die jüdische Musiktradition enthält.

Im zweiten Konzertteil sind explizit auf die jüdische Tradition Bezug nehmende Werke der russisch-jüdischen Komponisten Joseph Achron, Alexander Krein und Joel Engel zu hören, die sich in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre hinein um die Wiederentdeckung und Bewahrung der jüdischen Musikkultur verdient gemacht hatten, was nach der Revolution jedoch durch die Sowjets zunehmend erschwert wurde. Der letzte Teil des Abends gehört dann ganz der ursprünglichen Klezmer-Tradition.

Neben Bendix-Balgley und Zimmermann spielen noch Stephan Koncz (Violoncello) und Ohad Ben-Ari (Klavier). Letzterer ist in der Region kein Unbekannter. Er war viele Jahre gemeinsam mit Bendix-Balgleys Vorgänger am Konzertmeisterpult der Berliner, Guy Braunstein, Leiter des Kammermusikfestivals im Bahnhof Rolandseck.

Die Leidenschaft des Geigers Bendix-Balgley für die jüdische Musiktradition hat mittlerweile sogar Ausdruck in einem eigenen Violinkonzert gefunden. Auftraggeber war das Pittsburgh Symphony Orchestra, wo er einige Zeit ebenfalls als Konzertmeister wirkte. Der dortige Chef, der Österreicher Manfred Honeck, hatte seinem Mann am ersten Pult die Idee unterbreitet.

Und so machte er sich ans Werk, entwarf Violinstimme und Begleitung für seine „Fidl-Fantazye“, deren Orchestrierung der Komponist Samuel Adler vornahm. „Für mich war das ein Traum“, sagt Bendix-Balgley über die Gelegenheit, an so prominenter Stelle ein eigenes Klezmerwerk präsentieren zu können.

Mittwoch, 24. Januar, 19.30 Uhr, Beethoven-Haus, Noah Bendix-Balgley (Violine), Tabea Zimmermann (Viola), Stephan Koncz (Violoncello), Ohad Ben-Ari (Klavier), Einführung: Noah Bendix-Balgley. Karten bei Bonnticket.