Kleiner und feiner

Köln. Antiquitäten, Kunst und Design bis Sonntag auf der Messe Cologne Fine Art. 88 Galerien und Kunsthändler aus neun Ländern präsentieren sich in Köln

Da gerät der Messegänger doch regelrecht ins Trudeln: Soll er nun die Originalmaske von „The Thing“, einem wie ein Steinhaufen aussehenden Monster aus dem Marvel-Universum kaufen, die Michael Chiklis 2008 bei den Dreharbeiten zu „The Fantastic Four“ trug? Oder darf es vielleicht – für einen Tausender mehr – eine Jugendstilvase in Gestalt einer Blume sein? Die Vase gibt es für 16 000 Euro beim Kunsthandel Kohlhammer aus Wien für die heimische Vitrine. Die Maske, die übrigens ganz weich ist, und bei Teatrum Mundi aus Arezzo erworben werden kann, ist jedoch der Brüller für jede Party, vielleicht auch für die Vernissage, mit der am Mittwoch die Cologne Fine Art (COFA) im Messezentrum an den Start gegangen ist. Ars Mundi hat auch weitere spannende cineastische Raritäten im Programm.

Die Messe, die bislang Antiquitäten und Kunst, Design und Angewandtes im Portfolio hatte, erweitert also ihr Spektrum. Gleichzeitig verkleinert sie es. Im Messedeutsch heißt das, man sei nun „deutlich konzentrierter“. Das klingt ähnlich blumig wie die Einschätzung des smarten Thole Ro-termund vom Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler, beim Kunstkauf stünde nicht das Materielle im Vordergrund, sondern die „emotionale Verzinsung“.

Gegenwärtig steuert die zumindest für die Messe Richtung Minus, was sich sicherlich auch in den Besucherzahlen niederschlagen dürfte (2016 kamen noch 16 000 zur Messe). Mit 88 Galerien und Kunsthändlern aus neun Ländern ist sie gegenüber dem Vorjahr deutlich geschrumpft. Zudem hat man sich nach zwei Jahren aus dem Programm für junge Kunst, „COFA Contemporary“, verabschiedet, das in einer zweiten Halle lief. Verschmerzbar ist hingegen, dass auch die Oldtimer – gemeint sind hier Automobile – die Halle 11.2 der COFA verlassen haben. Um ab 24. November in den Hallen 4 und 5 im Rahmen der „Retro Classics Cologne“ verstärkt aufzukreuzen.

Es geht also bescheidener zu. Das traumhaft schöne Rennrad „Nr. 52“ der Dresdner Manufaktur Seidel & Naumann aus den 20er Jahren mit Holzfelgen und bequemem Sattel illustriert quasi den neuen Trend. Für 2200 Euro ist es auf dem Stand der „Young Collectors“ für junge Sammler zu haben, vis-à-vis des Standes für junges Kölner Design. Design-Schwerpunkt auch beim COFA-Preisträger: Der Düsseldorfer Goldschmied Georg Hornemann wird mit einer Extraschau gewürdigt.

Museumsreifes Angebot

Mag die Messe auch geschrumpft sein, das Angebot ist großteils exquisit. Museumsreif ist etwa das der Kölner Galerie Boisserée mit drei Themenräumen zu Pablo Picasso, Eduardo Chillida und Max Ernst, von dem die hinreißende Grafikmappe „Fiat Modes pereat Ars“ (Es werde Mode, die Kunst vergehe) für 90 000 Euro an der Wand hängt. Weltweit gibt es nur noch 19 dieser Mappen. Messeneuling 100 Kubik aus Köln hat einen raumgreifenden, ganz neuen Chillida aus Cortenstahl auf dem Stand (29 000 Euro). Auch Michael Werner glänzt unter anderem mit Skulptur: Hans Arps voluminöse „Frucht unterwegs“ aus Bronze (1965) kostet 480 000 Euro.

Schön ist, wenn man gleich ganze Werkblöcke eines Künstlers zu sehen bekommt. So überzeugt die Bonner Galerie Clement mit exquisiten Bilderserien von Erwin Bechtold, Peter Tollens und Joachim Bandau. Clements Kollegin Judith Andreae ist mit einer hervorragen One-Woman-Show der Kölner Malerin Rune Mields mit neuen Arbeiten auf der Messe.

Wer etwas Weihnachtliches sucht, sollte sich Andy Warhols „Santa Claus“ bei Klaus Benden (Köln) ansehen: Der Siebdruck mit Diamantstaub aus der regulären Auflage ist für 36 000 Euro zu haben, das farblich etwas aus dem Rahmen fallende Unikat kostet 65 000 Euro. Ansonsten hält die Messe Geschenkideen in Hülle und Fülle bereit, vom edlen Spazierstock bei Basedau (Hamburg) über Juwelen von Chanel bei Traute Konrad bis zu kompletten Wohnideen, wie sie das Berliner Kiez Kabinett anbietet, das zum Mobiliar auch noch die passenden Accessoires und Kunstwerke vorhält.

Wie es mit der COFA und dem Kölner Kunstmessenkalender weitergeht, dazu gab es vor der Presse nur eine sibyllinische Antwort: „Weitere Pläne sind nicht verkündbar.“

Bis 26. November, Messehalle 11.2., Do-Sa 11-19, So 11-18 Uhr. Tageskarte 18 Euro