Nachruf

Kölner Künstler C.O. Paeffgen stirbt mit 85 Jahren

Ein Besucher der Art Cologne vor einem Werk von C.O. Paeffgen auf dem Stand der Galerie Levy.

Ein Besucher der Art Cologne vor einem Werk von C.O. Paeffgen auf dem Stand der Galerie Levy.

Bonn. Er war bekannt für die Poesie des Absurden: Der Kölner Künstler C.O. Paeffgen ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Eine letzte große Retrospektive gab es 2013 im Arp Museum am Rolandseck zu sehen.

Jeder könnte das machen, was ich mache“, war ein berühmter Ausspruch des Künstlers C. O. Paeffgen. Etwa ein jämmerliches Pferdchen aus grobem Sackleinen mit Löchern, aus denen das Innenleben aus Stroh quillt, das der Kölner Maler und Bildhauer in den späten 60er Jahren aus dem Rhein fischte. Irgendwer muss das Stofftier einst geliebt haben, irgendwer warf es in den Fluss. 1969 pinselte der Retter Paeffgen mit groben Lettern ein „Sehr schön“ auf den Stoff. Ein rührendes Werk, ironisch und unschuldig zugleich, ganz anders gelagert als seine erotischen und pornografischen Einlassungen oder die Breitseiten, die er genüsslich gegen die katholische Kirche abfeuerte.

Ja, jeder könnte vielleicht diese gebastelten, collagierten, mit Draht umwickelten und Fundstücken aller Art garnierten Werke im Geiste von Dada und Fluxus gemacht haben. Aber nicht jeder wäre auf Paeffgens fulminante Ideen gekommen, auch wenn er sich, wie der Künstler, an Kollegen wie Robert Filliou, George Brecht, Joseph Beuys und Bazon Brock gerieben hätte. Seit den 1960er Jahren verfolgte Paeffgen unbeirrt seinen aberwitzigen, subversiven Weg.

Dieser Weg ist jetzt zu Ende gegangen. Wie am Dienstag bekannt wurde, ist Paeffgen, Spross der Kölner Brauereifamilie Päffgen und Cousin der Velvet-Underground-Sängerin Nico, am 5. Juni nach langer Krankheit 85-jährig in einem Kölner Krankenhaus gestorben.

Claus Otto Paeffgen hat Jura in Köln und Berlin studiert, machte 1959 das erste Staatsexamen und beendete sein Studium 1962. Anfang der 1970er hängte er die Juristerei an den Nagel, schuf seine ersten „Umwicklungen“, in denen er Umrisse von Objekten mit Draht nachzog, und begann zu malen. Dann entstanden die „Umrandungen“ von Fotos und Zeitungsausrissen.

Bunte Tableaus

1981 zeigte der Bonner Kunstverein seine „Umrandungen“ und Objekte zum Thema Herz und Pfeil, die farbigen Kästen waren 1993 in der Kestner-Gesellschaft Hannover zu sehen, die „Handarbeiten“, wie Paeffgen seine „Umwicklungen“ auch nannte, präsentierte das Kölner Museum Ludwig im Jahr 1999 in einer Retrospektive. Dann wurde es still um ihn. Eine groß angelegte Zusammenschau neueren Datums fehlte – bis das Arp Museum Bahnhof Rolandseck 2013 Paeffgens Werk rekapitulierte.

Im Arp-Museum waren die Schätze eines langen Künstlerlebens versammelt: Die zu bunten Tableaus vereinigten und mit einer Farbmembran überzogenen Obstkisten, die witzigen Kistentheater; die mit Draht umwickelten und sich stelenartig auftürmenden Fundstücke; die stark vergrößerten, dick konturierten und malerisch nachbereiteten Pressefotos; die Monde und Herzen, Schleifchen und Sitzgelegenheiten; die stets aktiven Vaginas und Phalli, um die sich bei Paeffgen so vieles dreht. Auch Bleitränen und Fragezeichen sind dabei. Sehr schön.

Auf den Punkt brachte es seine Galerie Levy in Hamburg: „Ironie und dunkler Humor sind treibende Kräfte in Paeffgens Oeuvre, das Malerei, Skulptur und Objektkunst umfasst und darin politische Scharfsicht, bissige Kulturkritik und eine widerständige Poesie des Absurden vereint.“