Bonn University Shakespeare Company mit neuem Stück

Julius wird zur Julia

Seit 25 Jahren inszeniert die Bonn University Shakespeare Company als führende studentische Theatertruppe der Bundesstadt ihre Stücke in englischer Sprache. In der aktuellen Produktion „Julia Caesar“ leiten Frauen die Geschicke Roms.

Die Liste ist lang: „Hamlet“, „Othello“, „Macbeth“, „The Merchant of Venice“ – alles schon gespielt. All die großen Stücke von William Shakespeare hat die Bonn University Shakespeare Company bereits auf die Bühne gebracht, ebenso wie eine Vielzahl anderer Werke des Barden von Avon, seiner Zeitgenossen und mittlerweile auch modernerer Autoren. Alles auf Englisch, versteht sich. Seit 1992 ist die BUSC die führende studentische Theatertruppe der Bundesstadt, eine nicht mehr wegzudenkende Größe in der freien Szene und heutzutage quirliger denn je.

Ein Umstand, auf den der Vorstandsvorsitzende Peter Schild, der seit Gründung des Ensem-bles dessen Geschicke maßgeblich mitbestimmt, überaus stolz ist. „Ich finde es unfassbar, dass wir 25 Jahre lang so konstant spielen – und das auf einem Niveau, nach dem viele andere sich die Finger lecken“, sagt er. Viele umjubelte, in der Regel ausverkaufte Vorstellungen in der Brotfabrik legen davon Zeugnis ab – und für einige Akteure waren die Auftritte der erste wichtige Schritt in die Professionalität.

„Für mich war die BUSC der Türöffner ins Regiefach“, sagt etwa Jens Kerbel, der mittlerweile schon in Stadt-, Landes- und Staatstheatern in Oldenburg, Dortmund, Wiesbaden, Marburg und Heilbronn inszeniert hat. „Eigentlich wollte ich Literaturwissenschaftler werden, aber als ich 1998 zur BUSC kam und die Gelegenheit hatte, selbst ein Stück auf die Beine zu stellen, habe ich Feuer gefangen und mich schließlich dazu entschieden, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen.“ Ein Schritt, den auch andere gegangen sind oder gerade gehen. So wie Johannes Neubert, der derzeit an der renommierten East 15 Acting School in London studiert und im Rahmen eines Hochschulprojekts auf der wichtigsten aller Shakespeare-Bühnen stehen darf: auf der des Globe Theatres. „Ohne die BUSC wäre ich nicht an diesem magischen Ort“, freut er sich. „Nur so habe ich Erfahrungen mit fremdsprachigen Produktionen sammeln können.“

Tatsächlich brennen alle Mitglieder für das, was sie tun, sind ungeheuer motiviert – was auch ein Grund für die Monumental-Produktionen ist, die regelmäßig die Brotfabrik füllen. „Das war schon kurz nach der Gründung so“, erinnert sich Peter Schild.

„Ursprünglich gab es eine Theatergruppe im Seminar für Anglistik, die sich aber irgendwann auflöste. Ein Teil wollte jedoch unbedingt Shakespeare spielen, und um unabhängig agieren zu können, haben wir eben den Verein gegründet. Schon nach wenigen Monaten waren wir mehr als 80 Leute.“ Die alle eingebunden werden wollten. Ob vor oder hinter der Bühne. „Früher hofften alle auf eine Rolle“, sagt Schild. „Inzwischen ist es aber so, dass wir immer mehr Mitglieder gewinnen, die in der Maske oder bei den Kulissen helfen wollen.“ Was sich bezahlt macht: Gerade diese beiden Theaterbereiche, in anderen Ensembles oft nur notdürftig besetzt, gehören zu den Aushängeschildern der BUSC, sorgen für opulente Inszenierungen und sind eine Art Exportschlager – nicht umsonst greifen andere Ensembles immer wieder auf den Pool an exzellenten Maskenbildnern und Bühnenbauern zurück, um die eigenen Stücke aufzupeppen.

Auf mehr als 50 Produktionen kann die BUSC zurückblicken, in der kommenden Woche steht mit „Julia Caesar“ die nächste Premiere an. „Allerdings haben wir noch nicht alle Shakespeare-Stücke durch“, gesteht Schild. „Ein paar Komödien und einige Historien fehlen uns noch. Andererseits hatten wir schon so großartige Erlebnisse, etwa mit der rheinischen Fassung von 'Much Ado About Nothing'.“

Verantwortlich für die Stückauswahl sind die Mitglieder übrigens selbst – wer will, kann ein Konzept vorstellen und dieses bei Zustimmung des Plenums umsetzen. Alles geht, jeder darf. „Das zeichnet die BUSC aus“, sagt Daniella Boyd, die derzeit an der Musical Theatre Academy in London studiert. „Wenn jemand in der BUSC Regie führt, ist das oft das erste Mal. Da macht man Fehler – aber umso toller finde ich, wie gut das Ergebnis immer wieder wird. Es ist eine Umgebung, in der sich jeder ausprobieren kann. Und man gewinnt eine Familie fürs Leben.“

Eine Aussage, die auch Jens Kerbel unterschreibt. „Ich würde heute natürlich ganz anders Regie führen als bei meinen ersten Versuchen in der BUSC, aber ich kann das auch nur deshalb tun, weil ich damals ins kalte Wasser gesprungen bin. Ich habe bei diesen Inszenierungen viel gelernt, nicht zuletzt einen gewissen Pragmatismus, dem einem keine Regie- oder Schauspielschule beibringen kann. Und ganz ehrlich: Ich habe in all den Städten, in denen ich in den vergangenen Jahren tätig war, kein studentisches Ensemble kennengelernt, das es hinsichtlich Niveau und Organisation mit der BUSC aufnehmen kann.“

Also auf zu weiteren 25 Jahren? „Warum nicht“, sagt Peter Schild und lacht. „Wir haben bis jetzt drei große Generationswechsel überstanden und wachsen immer noch. Über die Zukunft der BUSC mache ich mir keine Sorgen.“