CD-Tipp Interpol kehrt zurück zu alter Stärke

Immer galant gekleidet: Interpol mit (v.l.) Sam Fogarino, Paul Banks und Daniel Kessler.

Bonn. Mit dem sechsten Album „Marauder“ knüpft die New Yorker Band Interpol an frühere CD-Produktionen „Turn On The Bright Lights“ und „Antics“ an.

Das Gegenteil von Popmusik hat viele Namen – einer davon lautet Interpol. Die Band aus New York beherrscht es seit ihrem Debütalbum aus dem Jahr 2002 immer wieder aufs Neue, Songs zu schreiben, die man sich erst erarbeiten muss, dann aber eine magische Eingängigkeit entfalten, die auch noch Bestand hat, wenn der handelsübliche Popsong längst verglüht ist.

Das sechste Studioalbum von Interpol hört auf den Namen „Marauder“ und dokumentiert eine Band, die nach dem Abgang ihres Masterminds, dem Bassisten Carlos Dengler, im Jahr 2010 nun – nach zwei durchwachsenen Alben – endgültig als Trio zusammengefunden hat. Paul Banks schwankt mit seiner Kupferstimme wie gewohnt zwischen cool zurückgelehntem Conférencier und in Leidenschaft ausbrechendem Charmeur – und thront dabei auf dem stilbildenden Gitarrenteppich von Daniel Kessler, mal großflächig, mal zackig geknüpft. Oft wurde Interpol mit Joy Division verglichen und in die Post-Punk-Schublade gesteckt.

Ganz eigener, atmosphärisch dichter Sound

Doch bei genauer Betrachtung gibt es zwar entsprechende Einflüsse, doch keine vergleichbaren Bands. Die New Yorker haben von Beginn an einen ganz eigenen, atmosphärisch dichten Sound entwickelt, der mal treibend, mal schleppend daherkommt, aber immer bis ins Detail ausgeklügelt ist.

Auf „Marauder“ wurde dieser dezent weiterentwickelt, ohne seine Wurzeln zu verleugnen: Stilelemente der ersten beiden Großtaten „Turn On The Bright Lights“ und „Antics“ sind klar wiederzuerkennen.

Doch gerade die Drums von Sam Fogarino haben sich teilweise Swing-Einflüssen geöffnet, zu hören etwa im Song „Complications“. Die erste Single, das unwiderstehlich treibende „The Rover“, hatte schon angedeutet, dass Interpol zudem wieder rockiger klingen als zuletzt – das neue Album löst dieses Versprechen ein und bildet ein schlüssiges Gesamtwerk, bei dem einzig das ziellos-anstrengende „Stay In Touch“ besser im Proberaum geblieben wäre.

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