Atemlos vor Bewunderung

Helene Fischer in der Lanxess Arena in Köln

Perfekte Show, tolle Kostüme: Helene Fischer wirbelt über die Bühne der Lanxess-Arena.

Perfekte Show, tolle Kostüme: Helene Fischer wirbelt über die Bühne der Lanxess-Arena.

Köln. Ein regelrechtes Helene-Fischer-Festival hält bis Sonntag in der Kölner Lanxess-Arena knapp 80.000 Besucher in Atem. Ihre Show ist ein Erlebnis.

Ach, Helene. Ja, es gibt sie immer noch. Die Miesmacher, die Ignoranten, die Unwissenden. Diejenigen, die dich in die Schlagertussibox packen, das Etikett „seicht“ draufkleben und dann – Kiste zu, als „Künstlerin“ tot. Sie hätten dich sehen und hören sollen. Dienstag in der Lanxess-Arena. Um es nach gut drei Stunden (mit Pause) endlich zu erkennen. Du bist ein „Phänomen“. Du bietest „Das volle Programm“. Mit „Hundert Prozent“ sorgst du für „Herzbeben“. Und es wäre ihnen nicht anders ergangen als den 18.000 Fans in Köln. Die am Ende „Atemlos“ sind. Vor Staunen, vor Bewunderung und vom vielen Jubeln.

Nein. Das war keine Ironie. Das war längst fällig. Helene Fischer (33) hat als Sängerin in den vergangenen Jahren sämtliche Rekorde im deutschsprachigen Musikgeschäft gebrochen. Und dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. Man kann ihre Lieder nicht mögen, man kann es doof finden, dass sie mit Florian Silbereisen zusammen ist oder ihren ersten TV-Auftritt beim „Hochzeitsfest der Volksmusik“ hatte – aber die ausgebildete Musicaldarstellerin hat Maßstäbe gesetzt. Nicht nur, weil sie besser singen und tanzen kann, mutiger ist und besser aussieht als andere. Ihre Bühnenshows sind Kino im XXL-Format. Sie können ohne Weiteres auch dem internationalen Vergleich standhalten.

Für ihren neuen Blockbuster – der allein in Köln bis Sonntag fünfmal gezeigt wird, vor insgesamt knapp 80.000 Besuchern – bringt die zierliche Blondine 35 Trucks und acht Nightliner in Bewegung. Mit ihr unterwegs sind 150 Menschen, darunter 29 Musiker, Backgroundsänger, Tänzer und Akrobaten. Wochenlang hat sie mit einer Abteilung des kanadischen „Cirque du Soleil“ dafür geprobt. Das, was sie ihren „ganz, ganz großen Spielplatz“ nennt, erfordert nicht nur immense körperliche Fitness, sondern auch ganz viel Mut. Beim ersten Stück „Nur mit dir“ an einem Seil von der Decke herunterzuschweben, ist da noch harmlos.

Später wird man Fischer an den Strapaten erleben, am Trapez und nur von einer Schlaufe an einem Arm gehalten, sich kopfüber um die eigene Achse drehend. Wie Superwoman fliegt sie durch die Lüfte, stürzt sich aus dreieinhalb Metern hinab, fährt auf einem Rondell bis hoch unter die Hallendecke und mit einem Laufsteg auf einem Kran rings um die Ränge – so kommt jeder in den Genuss, sie aus der Nähe zu sehen.

Aufwändige Show

„Das macht eine Menge Spaß – aber es fordert mich auch total, da bleibt nix trocken“, kommentiert sie den infernalischen Applaus. Auch beim Publikum bleibt nix trocken – man folgt diesen Darbietungen mit schweißnassen Händen. Bei alledem lässt Fischer durchaus Vorsicht walten. „Liebe Kinder! Niemals nachmachen“, warnt sie die jüngsten Zuschauer. Denn sie begeistert ohne Ausnahme alle Altersgruppen. Nicht nur die, die sich gerne Schlagersendungen ansehen oder gerne in den Zirkus gehen.

Die Licht- und Videoshow, die Bühnenaufbauten, die Tanzeinlagen und die Kostüme – all das würde auch nach Las Vegas passen. Und wer weiß, vielleicht muss man ja demnächst dort hinfahren? Um Helene Fischer zu erleben. Die dort nur eins nicht tun dürfte: So wie in Köln „Kölle Alaaf“ rufen. Am Donnerstag macht Helene Fischer Pause. Für die nächsten drei Konzerte in der Lanxess-Arena am Freitag, Samstag und Sonntag gibt es noch Resttickets an den Abendkassen.