Beethoven Orchester in der Uni-Aula

Ganz große Oper

Hochmusikalisch: Geiger Barnabás Kelemen.

Hochmusikalisch: Geiger Barnabás Kelemen.

Bonn. „Mozärtliches“ in der Uni-Aula: Nach einem schwerfälligen Beginn steigert sich das Beethoven Orchester im Verlauf des Konzerts.

Auf dem Weg von Salzburg nach Wien machte Mozart Station in Linz und nutzte den Aufenthalt für ein Konzert: „Dienstag als den 4ten November werde ich hier im theater academie geben“, schrieb er am 31. Oktober 1783 an seinen Vater. „Und weil ich keine einzige Simphonie bey mir habe, so schreibe ich über hals und kopf an einer Neuen, welche bis dahin fertig seyn muß.“

Der Linzer Sinfonie, mit der das Beethoven Orchester Bonn (BOB) sein Sonntagskonzert in der Uni-Aula beginnt, ist nicht anzuhören, dass sie innerhalb von nur vier Tagen zu Papier gebracht wurde. Die langsame Einleitung klingt mit ihren Doppelpunktierungen französisch prunkvoll; doch Christof Prick am BOB-Pult macht schnell deutlich, wie sehr es unter der festlichen Oberfläche gärt und brodelt. Plötzliche dynamische Kontraste, chromatisches Raunen in den Bassstimmen, spannungsgeladene Harmonien und Seufzerfiguren stellen alles, was in den Anfangstakten mit großer Geste formuliert wurde, in Frage.

Ein wenig schwergängig wirkt das Orchester noch, vor allem im martialischen Menuett, das mit dem Matineemotto „Mozärtlich“ so absolut gar nichts zu tun hat. Anders im Finale: Da wechseln fein ziselierte Streicherläufe mit eloquenten Bläsereinwürfen, und alles kommt leicht, duftig, spritzig daher. Die für einen Programmteil vorgesehene Sopranistin Heidi Elisabeth Meier ist erkrankt; stattdessen gibt es Mozarts Konzert für Violine und Orchester Nr. 3 in G-Dur mit dem ungarischen Solisten Barnabás Kelemen.

In seinem hochmusikalischen Spiel verbindet der 39-jährige Professor der Kölner Hochschule Eleganz und Ausdruckskraft, bringt auf kleinstem Raum dynamische Schattierungen und expressive Rubati unter, ohne den großen Bogen abreißen zu lassen. Im langsamen Satz singt seine Guarneri zum Dahinschmelzen süß, auch wenn hier im Orchester nicht immer alles rund läuft. Das abwechslungsreiche Rondo mit seinem Feuerwerk schillernder Seitengedanken lockt dann auch Kelemens ungarisches Temperament hervor, aber Showeffekte braucht er nicht, um ganz bei Mozart zu sein und dessen Musik für sich selbst sprechen zu lassen. Das gilt auch für die Zugabe, eine glasklare Courante von Johann Sebastian Bach.

Nach der Pause schaltet Christof Prick mit dem BOB noch einen Gang höher. Auf die hinreißende Champagnerlaune der Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit“ folgt eine „Prager“ D-Dur-Sinfonie mit großem Drive und scharf umrissenen Konturen. Prick arbeitet die subtilen Tonartenwechsel und Stimmungsschwankungen im Kopfsatz konsequent heraus, legt im Andante sein Augenmerk auf das Fließende des Geschehens und bietet im Finale noch einmal ganz große Oper. So zupackend mozärtlich wird das hochzufriedene Publikum in den Sonntag entlassen.