Ausstellung im Kölner Museum Ludwig

"Familienbande. Die Schenkung Schröder" in Köln eröffnet

„Mmm! Ahhh! Ohhh!“: Alexander Schröder vor Lucy McKenzies Rauminstallation „The Integrity Gap“. FOTO: BRILL

„Mmm! Ahhh! Ohhh!“: Alexander Schröder vor Lucy McKenzies Rauminstallation „The Integrity Gap“. FOTO: BRILL

Köln. Das Kölner Museum Ludwig präsentiert „Familienbande. Die Schenkung Schröder“ und blickt zurück auf die Kölner Kunstnetzwerke der 1990er Jahre.

"Ist das nicht total unmöglich, dass ein öffentliches Museum die Sammlung eines noch tätigen Galeristen ausstellt?“, fragte Maria Inés Plaza Lazo, Herausgeberin des Portals „Reflektor M“ und Galeristin, 2018 ihren Berliner Kollegen Alexander Schröder anlässlich seiner Ausstellung im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (mumok). Der Gründer der Galerie Neu antwortete: „Vielleicht. Ungewöhnlich ist es schon auf den ersten Blick. Mehr als verständlich ist, dass es polarisiert. Aber es ist Teil der Dynamik eines Kunstsystems, in dem der Rollenwechsel unvermeidbar ist. Rollen sind austauschbar geworden.“

Jetzt ist eine neue Rolle hinzugekommen: Schröder hat dem Kölner Museum Ludwig 29 Werke seiner Sammlung geschenkt – die Namen sind deckungsgleich mit dem Programm seiner Galerie.

Empfindliche Lücke

Unter dem Titel „Familienbande. Die Schenkung Schröder“ hat Kuratorin Barbara Engelbach eine exzellente Ausstellung konzipiert, die geschickt die Werke der Schenkung – allesamt von den 1990er Jahren bis ins frühe 21. Jahrhundert in Köln entstanden und hier erstmals gezeigt – mit dazu passenden Neuerwerbungen des Ludwig kombiniert. Die Botschaft: Es gibt zwar Anknüpfungspunkte in der Kölner Sammlung, aber letztlich schließen Schröders Werke eine empfindliche Lücke in der letzten Dekade des Jahrhunderts.

Etliche Namen fand man bislang überhaupt nicht im Ludwig – etwa KP Brehmer, Lukas Duwenhögger, Hilary Lloyd und Nils Norman. Das hat sich jetzt geändert. Normans ironische, comicartige Diagamme über die Kunst und den Kunstbetrieb etwa sind eine große Bereicherung, gerade wenn sie neben Christian Philipp Müllers kryptischen Infografiken „Auszug aus den Haushaltsplänen von Köln und Düsseldorf 1967-1990“ (2014 erworben) zu hängen kommen.

Von Duwenhögger hat das Ludwig nun die von einem Vorhang geschützte Ottomane, den „Raum für Studenten mit Sinn für schöne Dinge“, ein Raum im Raum, der auf eine Konstellation der 1910er Jahre zurückgreift. Mit KP Brehmer kommt ein Hauch Politkunst in die Sammlung. Zeitlich ist das Werk von 1975 ein Ausreißer: Brehmer hat die Nationalfarben dem Mittelstand (Schwarz), den restlichen Haushalten (Rot) und dem Großkapital (Gelb) zugeordnet und eine „Korrektur der Nationalfarben, gemessen an der Vermögensverteilung“, so der Titel der Arbeit, vorgenommen. Die Fahne ist nun Gelb mit zwei schmalen schwarzen und roten Streifen. Bei der documenta 5 hing die Fahne vor dem Fridericianum.

Schröders Schenkung bietet auch wertvolle Erweiterungen. Kai Althoff etwa war nur mit Arbeiten der 2000er vertreten – Schröder sei Dank ist er nun mit einem wunderbaren, raumgreifenden Ensemble aus den 1990ern in der Sammlung, das die Ausstellung eröffnet. Auch die Bestände des Hauses an Arbeiten von Cosima von Bonin wurden jetzt ergänzt. Ähnliches lässt sich auch über die Kunst von Isa Genzken sagen, deren „Markisen“ von 2000 dank Schröder eine Stele an die Seite bekommen.

Archiv über das Netzwerk

Am Ende der Schau hat Engelbach ein „Archiv“ mit Wandpräsentationen und Vitrinen eingerichtet, eine Wundertüte und Fundgrube zugleich, mit denen man eigentlich starten sollte, müsste. Denn hier wird das Kölner Kunstnetzwerk der 1990er aufgespannt, in dem alle Akteure der Schau unterwegs waren. Mit der Galerie Christian Nagel als einem der Epizentren, wo Andrea Fraser ihre herrliche Performance „Kunst must hang/Jetzt kommt ein Künstlerwitz“ (das Video ist auch in der Ausstellung zu sehen) aufführte und Müller sein „Köln-Düsseldorf“ zeigte.

Die Szene war unglaublich lebendig und beweglich. Junge Galerien machten auf, die legendäre Zeitschrift „Texte zur Kunst“ setzte Akzente, es gab alternative Ausstellungsräume und Messe-Initiativen wie „Unfair“, „Messe 20 K“ und „The Köln Show“.

Schlaglichtartig lässt die Schau diese quirlige, prägende Zeit kurz vor der allgemeinen Gewichtsverlagerung Richtung Berlin aufleben.