Konzert im Pantheon

Fünf Uhr früh mit Miles in New York

Balkan-Blues im Pantheon: Dusko Goykovich (links) mit dem von Oliver Pospiech geleiteten Bonn Jazz Orchester auf der großen Bühne.

Balkan-Blues im Pantheon: Dusko Goykovich (links) mit dem von Oliver Pospiech geleiteten Bonn Jazz Orchester auf der großen Bühne.

Bonn. Glänzender Start der neuen Reihe im Pantheon mit dem Bonn Jazz Orchester. Stargast des Abends war der Trompeter Dusko Goykovich

Mit Miles Davis um fünf Uhr früh den Broadway hinauf zu schlendern, über Jazz zu fachsimpeln. Das hatte was. Dusko Goykovich, 1931 im Königreich Jugoslawien geborener Trompeter, hat das erlebt. „Vor hundert Jahren“, wie er am Montagabend im Pantheon verriet. Miles hatte ihm die Türen zur Jazzmetropole New York geöffnet. Goykovich inspirierte der nächtliche Gang mit dem Idol zur herrlichen Ballade „Five O'Clock In The Morning“, die er mit dem charakteristisch gedämpften Ton im Pantheon spielte, kongenial sekundiert vom subtil zurückgenommenen Bonn Jazz Orchester. „Eine tolle Band“, sagte Goykovich immer wieder. Bandleader Oliver Pospiech und Thomas Kimmerle, Saxofonist und Impresario der ambitionierten Jazzreihe im Pantheon Casino, die nun ins große neue Domizil des Pantheons nach Beuel wechseln soll, hatten den 85-jährigen Serben eingeladen.

Ein Abend mit wirklich berührenden Momenten, einem geschmeidig, auch mal aggressiv, aber immer präzise agierenden Orchester, fabelhaften Solisten und einem großzügigen Ambiente. Pos-piech und sein 16-köpfiges, hochkarätiges Ensemble nahmen das begeisterte Publikum im ausverkauften Pantheon mit auf die Reise in die alles andere als verstaubte Geschichte der Big Band Musik. Was der große Thad Jones als Arrangeur aus dem etwas betulichen Klassiker „All Of Me“ gemacht hat, das zeigte schon das Eröffnungsstück mit packenden Bläserattacken und einer pulsierenden Rhythmussektion. Die Bonner Band revitalisierte Kompositionen und Arrangements von Bob Brookmeyer, Bill Holman und der legendären Kenny Clarke/Francy Boland Big Band, in der auch Goykovich einst spielte.

Samba im Balkan-Stil

Der Trompeter beglückte das Publikum mit eigenen Stücken wie dem feurigen „Balkan Blue“, dem fetzigen, seinem zweiten Idol gewidmeten „Remember Dizzy“ und im Zugabenteil mit der fiebrigen „Samba Tzigane“. „Das klingt so, wie wenn Zigeuner eine Samba spielen“, meinte er. Schön schräg, schnell und sehr heiß. Dass er durchaus ein feines Gefühl für Lateinamerikanisches hat, unterstrich Goykovich mit einer feinen Version von Carlos Jobims „How Insensitive“, in der er nicht nur butterweich sein Flügelhorn zum Einsatz brachte, sondern auch Thomas Heck zu einem energisch-flirrenden Querflötensolo verhalf.

Nicht das einzige Solo aus diesem starken Klangkörper. Die 16 Musiker der Big Band sind fast alle auch exzellente Solisten: Der WDR Big Band erprobte Posaunist Dave Horler etwa glänzte in „Cameo“, Shawn Spicer setzte mit seinem Baritonsaxofon in „Balkan Blue“ brummelnde Akzente. Vor allem Altsaxofonist Heiner Wiberny brachte mit seinem herrlichen Klang und druckvollen Spiel das Publikum in Jubellaune, setzte im Bläser-Duell mit dem überragenden Trompeter Herwig Barthes und dem Bebop-Klassiker „Groovin' High“ vor der Pause einen echten Kracher. Die brillante Christine Corvisier begeisterte als Gast mit einem traumhaft fließenden Tenorsolo in „St. Germain Des Pres“ und mit satterem Sound und aggressiverem Zugriff in Peter Herbolzheimers toller Komposition „Just Like That“. Man könnte, müsste noch weitere Solisten nennen, über die diese Band verfügt. Sie wolle wiederkommen, meinte Pospiech, sofern Pantheon und Publikum nichts dagegen hätten. Breiter Jubel war die Antwort.

Nächstes Jazzkonzert im Pantheon: Martin Sasse Trio mit Scott Hamilton am 8. Juni, 20 Uhr