CD-Tipp

Experiment der besonderen Art von Peter Maternas

Im Dialog mit dem „Klangschweif“: Der Saxofonist Peter Materna.

Im Dialog mit dem „Klangschweif“: Der Saxofonist Peter Materna.

Peter Maternas neue CD: Sein Saxofon trifft auf den Flügel „Fazioli 308“ im Bonner Collegium Leoninum. Auf seiner aktuellen CD mit dem lapidaren Titel „Saxophone Solo“ agiert Materna nicht wirklich solo, sondern hat sich einen gewaltigen Mitspieler eingeladen.

Wer in die vielen Pausen hineinlauscht, die Peter Materna bei seinem Saxofonspiel entstehen lässt – damit sich der in den Raum gestellte Klang setzen und der Zuhörer die die vielen Eindrücke sortieren kann –, merkt, dass diese Pausen nicht leer sind. Dass die Stille angefüllt ist mit einem seltsamen Nachhall, mit verhaltenen und doch unüberhörbaren orgelartigen Akkorden, die von der zuvor gehörten filigranen Saxofonmelodie sehr stark abrücken.

Des Rätsels Lösung: Auf seiner aktuellen CD mit dem lapidaren Titel „Saxophone Solo“ agiert Materna nicht wirklich solo, sondern hat sich einen gewaltigen Konzertflügel als Mitspieler eingeladen. Nicht irgendeinen Flügel, sondern einen „Fazioli 308“, das längste, 3,08 Meter messende Instrument, das der Klavierbauer Paolo Fazioli im Friaul serienmäßig aus dem Fichtenholz aus dem Fleimstal in den Dolomiten baut, für das schon Antonio Stradivari Verwendung hatte.

Flügel und Kapelle als zusätzliche Resonanzräume

Ein solcher „Fazioli 308“ steht in der alten Kapelle des Bonner Collegium Leoninum. Dort hat Materna seine CD aufgenommen, hat den Deckel des „Fazioli“ aufgestellt, den Korpus des riesigen Instruments sowie die gesamte Kirche als zusätzliche Resonanzräume für sein Saxofonspiel genutzt. Ein akustisches Erlebnis. „Beim Mischen, Ausbalancieren der Klänge der Saxofone und deren Resonanzen in Kirchenraum und Flügel fiel uns auf, dass der Flügel einen Hall erzeugt, der sich im Verlauf der Nachhallzeit verändert. Eine Art dynamischer Hall, dynamischer 'Klangschweif'“, meint Materna, „so wurden die Aufnahmen zu einer Entdeckungsreise in Klang, Zeit und Raum. Töne und Stille wie bei Licht und Dunkelheit und das, was dazwischen entstehen kann.“

In diesen abenteuerlichen Raum setzt Materna seine Melodiefragmente, die verspielten, züngelnden, flirrenden Melodielinien, elegisch und schräg, gehaucht und brüchig, kraftvoll und bestimmt, immer präzise ausformuliert. Auf dem neuen Album ist eine delikate Mischung aus Eigenkompositionen und Jazz-Standards zu hören. Kenny Dorhams „Blue Bossa“ nimmt sich Materna gleich zweimal vor, kurze, kaum dreiminütige Impressionen, die sich quasi im Dialog mit dem „Fazioli“ entwickeln.

Thelonious Monks „Round Midnight“ erscheint in einer atemberaubenden Interpretation, Miles Davis' „Solar“ luftig und leichtfüßig wie ein Sonnenstrahl. „There Is No Greater Love“ (Isham Jones) ist titelgerecht eine hochemotionale Liebeserklärung – gekoppelt mit wohligen, dunklen Tönen und Linien, die sich schlangengleich in die Höhe schrauben. Sehr emotional auch das klagende Traditional Hallelujah.

„Best To You“ und „Weird Song“ sind Materna-Kompositionen, die man bereits in verschiedenen Besetzungen unter anderem auch in seiner eigenen Reihe „Concert Hour“ im Restaurant Nees gehört hat, die aber solo und im Kombination mit dem „Klangschweif“ des „Fazioli“ einen ganz eigenen Zauber entfalten.

Mit „Saxophone Solo“ setzt Materna, der in diesen Tagen eher als Chef des in der kommenden Woche startenden zehnten Jazzfests Bonn präsent ist, einen starken musikalischen Akzent.

Peter Materna: „Saxophone Solo“ (Jazz Haus Music)