Vor dem Konzert

Enoch zu Guttenberg und seine Liebe zu Mendelssohn

Musiker und politischer Aktivist: Enoch zu Guttenberg.

Musiker und politischer Aktivist: Enoch zu Guttenberg.

Köln/Bonn. Der Dirigent gastiert am Montag mit dem Orchester der Klangverwaltung, der Chorgemeinschaft Neubeuern und dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer in Köln

"Er ist ein Vulkan“, sagt Enoch zu Guttenberg über den Schauspieler Klaus Maria Brandauer. So jemanden aber kann er gut gebrauchen, wenn er am Montagabend in der Kölner Philharmonie Felix Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ dirigiert. Mit dabei: der Frauenchor der Chorgemeinschaft Neubeuern und das Orchester der KlangVerwaltung. Es ist nicht das erste Mal, dass sie das Werk mit den von Brandauer selbst aus der Schlegel'schen Übersetzung zusammengestellten Texten gemeinsam aufführen. Zu Guttenberg mag die dabei entstehende Dialektik von Text und Musik: „Auf der einen Seite die am Schauspiel orientierte, aber doch sehr klare und durchsichtige Musik Mendelssohns und dazwischen Klaus Maria Brandauer, der sehr bei sich ist und seine Persönlichkeit einbringt. Er spricht alles allein und hält die Dialoge mit sich selber. Das ist unglaublich spannend.“

Für zu Guttenberg ist Mendelssohns Musik ein Wunder, vor allem auch die anderthalb Jahrzehnte vor der Schauspielmusik entstandene Ouvertüre, die der gerade 17-jährige Komponist zu Papier brachte. „In den frühen Werken von Mozart sieht man das Genie schon, man merkt aber, dass da noch eine große Entwicklung folgen wird. Aber bei Mendelssohn ist aus meiner subjektiven Sicht eine solche Reife vorhanden, die nicht erkennen lässt, dass es sich um ein Jugendwerk handelt.“ Vor der Musik zum „Sommernachtstraum“ spielen sie noch die siebte Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Warum dieses Werk? „Wir haben auch schon die Achte davor aufgeführt“, berichtet zu Guttenberg. Sie sei die witzigste seiner neun Sinfonien und sehr kurz. „Da bestand eine große Gefahr, dass sie nur noch Ouvertüre zu der auch sehr frechen Musik Mendelssohns ist. Und das wollte ich nicht.“ Die temperamentvolle Siebte biete da schon ein stärkeres Eigenwicht.

Für die Chorgemeinschaft Neubeuern, deren Frauenstimmen am Montag mitwirken werden, ist zu Guttenberg eine echte Vaterfigur. Vor fünfzig Jahren hat er den Chor gegründet. Er war zu der Zeit 21 Jahre alt und studierte in Salzburg Dirigieren und in München Komposition. „Ich war damals in ein Mädchen verliebt, das in Neubeuern zur Schule ging“, erzählt er, „ein Ort, von dem ich nicht einmal wusste, dass es ihn gibt.“ Als er von Karel Schwarzenberg, der Jahrzehnte später tschechischer Außenminister werden sollte, den Auftrag für eine Hochzeitsmesse erhielt, zog er sich zum Komponieren in eine Hütte im Heimatdorf seiner Freundin zurück und begann, im Lichtschein einer Petroleumlampe zu komponieren. „Irgendwann kamen der Pfarrer und der Bürgermeister auf mich zu und fragten, ob ich die Liedertafel übernehmen könne. Das waren 24 Menschen, zwei davon sind noch immer dabei.“ Dass er mit der Chorgemeinschaft einmal weltweit in den bedeutendsten Sälen auftreten würde, wie dem Wiener Musikverein, der New Yorker Carnegie Hall oder dem Concertgebouw in Amsterdam, erscheint ihm noch heute wie ein Wunder.

Aber zu Guttenberg hat sich nie ausschließlich als Musiker begriffen, sondern war – wie schon sein Großvater, sein Vater und auch sein Sohn Karl Theodor – immer ein politisch aktiver Mensch. In den 1970er Jahren gründete war er zusammen mit Persönlichkeiten wie Bernhard Grzimek und Hubert Weiger Mitbegründer des „Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland“ (BUND), mit dem er sich zwischenzeitlich jedoch überworfen hat. Denn zu Guttenberg ist erklärter Gegner der vom BUND protegierten Windkraftenergie, die seiner Meinung nach Landschaften zerstört und in der Vogelwelt riesige Schäden anrichtet. Auf die Frage, was ihn in diesem Jahr aus der Sicht des Naturschützers am meisten entsetzt habe, muss er gar nicht lange überlegen: „Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten.“

Karten für das Konzert am Montag, 3. April, 20 Uhr, in der Kölner Philharmonie in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.