Tipps: CD und Konzerte

Ein Jazz-Trio der Extraklasse

Bonn. Peter Materna hat Lisa Wulff und Christopher Dell in seiner Konzertreihe im Nees zu Gast. Neues Album „Wodrous Strange“ der Bassistin Wulff erschienen

Gerade erst hat die Hamburger Bassistin Lisa Wulff zusammen mit dem Jazz-Posaunisten Nils Landgren und der Manhattan-Transfer-Sängerin Janis Siegel dem großen Leonard Bernstein beim Rheingau-Musik-Festival in Wiesbaden ein Ständchen zum Hundertsten dargebracht. Vorher war Wulff im Trio unterwegs, ja, und eine CD mit ihrem Lisa Wulff Quartett – Titel: „Wodrous Strange“ – hat sie auch noch am Start. Die „Jazzzeitung“ ist des Lobes voll: „Lisa Wulff gehört zu den Hoffnungsträgern der jungen, modernen Jazz-Generation in Deutschland. Mit ihren vielschichtigen, stimmungsvollen Kompositionen bringt die Hamburger Bassistin frischen Wind ins Genre.“

Die 28-Jährige spielt nicht nur mit Altmeistern wie Rolf Kühn und Wolfgang Haffner zusammen, sie präsentiert sich auch in ganz jungen, experimentellen Formationen wie dem Trio Saskya mit Anna-Lena Schnabel und Clara Haberkamp. Mit Saskya war Wulff im April dieses Jahres beim Jazzfest Bonn zu erleben.

Dessen Chef Peter Materna hat die Bassistin nun zusammen mit dem Ausnahme-Vibraphonisten Christopher Dell (mehrfacher Gast beim Jazzfest Bonn) in seine feine Reihe im Restaurant Nees eingeladen, die ihren großen Charme aus dem intensiven Zusammenspiel zwischen dem Gastgeber Materna und ausgewählten Musikern zieht. Die Pianisten Florian Weber und Ramón Valle waren schon im Nees dabei. Beim Jazzfest Bonn präsentierte sich Dell zuletzt zusammen mit der Pianistin Julia Hülsmann als begnadeter Improvisateur. Die dritte „Concert Hour“ im Nees, der erste Trio-Abend, gehört nun am 25. und 26. September Wulff, Dell und ihrem Gastgeber, dem Saxofonisten Materna.

Improvisationen fordern Höhrer heraus

Wulffs CD bietet keine Musik, die wie eine Hängematte zur Tiefenentspannung einlädt. Eher eine, die herausfordert, aufregt, verblüfft und überrascht. Der Wechsel zwischen recht eingängigen Melodien und feinen, balladesken Passagen auf der einen Seite und schrägen Saxofonausbrüchen, sehr freien irrlichternden Improvisationen von Bass und Piano auf der anderen Seite fordert den aktiven, wachen Zuhörer heraus.

Lisas Welt ist bezaubernd und gefährlich zugleich, abenteuerlich in jedem Fall. Das Quartett hört sich wunderbar eingespielt an, meistert Wulffs mitunter sehr komplexe Kompositionen mit einer eleganten Leichtigkeit und breiten, farbigen klanglichen Ausdruckspalette.

Das liegt natürlich an den exzellenten Musikern: Adrian Hanack verzaubert äußerst facettenreich mit Tenorsaxofon und Flöte, Marin Terens Pianospiel ist mal sanft einschmeichelnd, mal sperrig und herausfordernd, Silvan Strauß' Schlagzeug sorgt immer wieder für Spannung. Wulff selbst steuert mit ihrem E-Kontrabass, besonders aber mit dem Sopran Bass, einer höher gestimmten E-Bassgitarre, tolle Effekte bei.

Schöne Soulstimme zum Abschluss

Der Titel der CD „Wondrous Strange“ sagt eigentlich alles über den Inhalt aus: „Wundersam Fremd“. Das Stück selbst ist ein einziges Klangexperiment und bezieht sich auf die Biografie des Pianisten Glenn Gould. „In My Head“ zieht als Eröffnungsstück den Zuhörer mit zügigem Tempo und einer treibenden Rhythmik geradezu in das Album hinein. „Chalice“ hält den Zuhörer mit seinen langgezogenen Tönen und sanft fließenden, sich permanent wiederholenden Melodielinien in einem traumartigen Schwebezustand. In „Far Beyond Your Eyes“ ist der Sopran Bass besonders schön zu hören. Als Gast mit schöner Soulstimme bietet Birgid Jansen im Abschluss-Stück „Sacred Place“ ganz neue Akzente.

Man darf gespannt sein, wie sich Wulff im Nees mit Dell und Materna präsentiert.

CD-Tipp: Lisa Wulff Quartett, „Wondrous Strange“, Laika-Records. Auftritt: „Concert Hour“: Lisa Wulff mit Peter Materna im Restaurant Nees am Botanischen Garten, 25. und 26. September, jeweils 19 Uhr. Karten gibt es bei bonnticket.