Dokumentation

Ein Filmporträt der Bonner Künstlerinnengruppe „zart & zackig“

Bonn. Das Rex-Kino zeigt ein eindrucksvolles Filmporträt der Bonner Künstlerinnengruppe „zart & zackig“ von Annelie Runge und Andreas Michels.

"Mich reißt das alles nicht mehr vom Hocker“, gesteht die Künstlerin Inge Broska selbstkritisch und lacht laut über ihre Schinkenschuhe der 1990er. „Das mit dem Schinken hat Spaß gemacht – im Nachhinein finde ich das blöd.“ Es wird viel gelacht in der wunderbaren Dokumentation von Annelie Runge und Andreas Michels. Es gibt aber auch kritische Töne, traurige Momente und Tränen. Sieben sehr unterschiedliche Künstlerinnen – zwischen Ende 60 und 80 – blicken zurück und lassen sich im Atelier über die Schulter schauen. Vor 30 Jahren kamen sie in der Bonner Gruppe „zart & zackig“ zusammen, anfangs ein Zweckbündnis, mittlerweile für manche ein Ort sehr freundschaftlichen Austauschs.

„Jede hat im Frauenmuseum für sich gearbeitet“, erzählt Tina Wedel, „Kritik war unerwünscht“, moniert sie. In der Ausstellung habe dann aber alles geklappt: „Im künstlerischen Bereich sind wir uns sehr nah.“ Ilse Wegmann sagt in der Dokumentation: „Wir wollten immer eine gute Ausstellung machen, da war der Einzelne gar nicht so wichtig.“ Und Heide Pawelzig beschwört: „Ich hoffe, dass wir weitermachen – so lange wir leben, machen wir weiter.“

Der Film „zart & zackig forever“, der am 5. November bei einer Matinee im Rex gezeigt wird und bereits zum Filmfest Peking eingeladen wurde, reiht kurze Interviews mit den Künstlerinnen aneinander, zeigt historische Aufnahmen und Einblicke in die aktuelle Kunstproduktion der einzelnen Künstlerinnen. Es entsteht so das faszinierende Porträt eines Kollektivs aus Individualistinnen.

Marianne Pitzen auf der documenta

Das Feld ist denkbar heterogen: Zeichnung, Skulptur, Installation, Malerei, Medienkunst und Performance. Sehr geschickt widmet sich die Dokumentation schlaglichtartig den einzelnen Werken, lenkt den Blick aber auch auf das Verbindende von „zart & zackig“. Da ist Marianne Pitzens Auftritt bei der documenta 1992 mit der Forderung, die Frauen beanspruchten nicht die Hälfte des Himmels, aber die Hälfte der documenta. Worauf deren Chef Jan Hoet begeistert über Werke von Frauen redete und eine documenta-Chefin ankündigte.

Eine Ausstellung 1998 in New York, durch historische Aufnahmen belegt, gilt als Höhepunkt der Gruppen-Geschichte. Runge und Michels gehen aber viel weiter zurück, blicken anhand von Kinderfotos auf eine Generation, die großteils bittere Erfahrungen im Krieg gemacht hat. „Ich hatte kein Kindergesicht, die Haare wurden von meinem großen Bruder geschnitten“, sinniert die Französin Martine Metzing-Peyre, deren Eltern im Widerstand waren: „Es war ein Leben voller Lügen.“ Anna S. von Holleben kommentiert ein Kindheitsfoto, in dem sie auf einem Baumstumpf sitzt: Dort wartete sie auf ihren Vater, der in Kriegsgefangenschaft saß. Man sieht sie noch als Teenager und elegant als junge Frau: Das Foto für eine Model-Agentur. Aus dieser Karriere wurde aber nichts. Holleben fand – wie ihre sechs Mitstreiterinnen von „zart & zackig“ – zur Kunst.

Der Film „zart & zackig forever“ wird am Sonntag, 5. November, 11 Uhr, bei einer Matinee im Rex gezeigt.