Ring des Nibelungen

Die Suche nach dem idealen Wagner-Klang in Köln

Wagners Imagination: Der Dirigent Kent Nagano entwickelte Idee zum Projekt „Ring des Nibelungen“.

Wagners Imagination: Der Dirigent Kent Nagano entwickelte Idee zum Projekt „Ring des Nibelungen“.

Köln. Concerto Köln und Kent Nagano erarbeiten mit wissenschaftlicher Begleitung eine historische Aufführung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Sie soll so werden, wie sie dem Komponisten selbst als Ideal vorschwebte.

Der Traum hat einen Namen: Bayreuth. Hier soll eines Tages Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ auf historischen Instrumenten und in einem Stil, wie er dem Komponisten selbst als Ideal vorschwebte, aufgeführt werden.

Geträumt wird allerdings (noch) nicht in Bayreuth, sondern in Köln, dem Stammsitz des Alte-Musik-Ensembles Concerto Köln, das – wie im Juni berichtet – in enger Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Kent Nagano, der auch die Gesamtleitung innehat, die Idee zu diesem ambitionierten Projekt entwickelte.

Gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Kai Hinrich Müller und Hans-Joachim Wagner von der Kunststiftung NRW, die das Vorhaben finanziell unterstützt, stellten Nagano und Concerto-Köln-Geschäftsführer Jochen Schäfsmeier die „Wagner-Lesarten“ am Donnerstag im Kölner Stadtteil Ehrenfeld vor.

Bereits Ende des Monats, am 29. September, fällt der Startschuss mit einem öffentlichen wissenschaftlichen Symposium im Musiksaal der Kölner Universität (Anmeldung unter symposium@wagner-lesarten.de). Hier werden führende Vertreter der Zunft, die in den wissenschaftlichen Beirat der „Wagner-Lesarten“ berufen wurden, in die durchaus komplexe Thematik einführen und sie diskutieren.

Denn es gilt viele Aspekte zu berücksichtigen, wie Müller erläuterte, der selbst über die historische Aufführungspraxis promovierte. Ausgangspunkt der Arbeit sei Wagners Idee des Gesamtkunstwerks, also der Einheit von Dichtung, Musik und Szene in der Oper. „Wir haben ein wissenschaftliches Team, das sich jeweils auf einen dieser Bereiche stürzt“, erläuterte er.

Doch wie kommt ein Ensemble wie Concerto Köln, das bislang die Musikwelt mit Musik bekannter und vergessener Komponisten des Barock und der Klassik beglückte, darauf, sich nun einer der zentralen und einflussreichsten Komponistenpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts zu widmen?

Die Idee dazu entstand im vergangenen Jahr nach einer Aufführung von Mozarts „Idomeneo“ bei den Audi-Sommerkonzerten in Ingolstadt, berichtete Schäfsmeier. Danach habe ihn Nagano angerufen und gefragt, ob man nicht mal den „Ring“ im historischen Gewand aufführen solle.

Das Ziel: Ein authentischer Wagner-Klang

Schäfsmeier und das Ensemble ließen sich auf das Experiment ein. Auch wenn die historische Aufführungspraxis dank Protagonisten wie dem Dirigenten Jos van Immerseel oder Gürzenich-Chef François-Xavier Roth längst bei Maurice Ravel und sogar Igor Strawinski angelangt ist, wäre eine solche Aufführung des „Rings“ noch ohne Vorbild.

Nagano führte zunächst einige Argumente gegen das Spiel auf historischen Instrumenten ins Feld und zitierte dazu unter anderem den Pianisten Alfred Brendel. Der habe darauf hingewiesen, dass etwa Beethoven mit dem Stand des Instrumentenbaus nie zufrieden war und ihn immer die neuesten Technologien sehr interessierten. Brendel habe ihm gesagt: „Wir sollten über die Wünsche der Komponisten sprechen und nicht über die Limitationen.“

Auch wenn es zunächst wie ein Paradox wirkt: Aber genau das ist das Ziel von Naganos Bemühungen um den authentischen Wagner-Klang. Er versteht sich selbst als ein „Komponisten-Dirigent“, der durch sein Studium bei Persönlichkeiten wie Olivier Messiaen zu denken gelernt hat wie ein schöpferischer Musiker. „Was für einen Komponisten wichtig ist, ist die Imagination“, weiß er.

„Wir wollen keine Imitation des 19. Jahrhunderts.“ Ihm geht es um das Klangideal, wie Wagner es vorschwebte. 2021 soll mit dem „Rheingold“ der erste Teil in der Kölner Philharmonie erklingen. Bayreuth ist, um mit Wagner zu sprechen, vorerst noch „Zukunftsmusik“.

Weitere Informationen gibt es hier.