Museum Kolumba

Der Zauber der Leere

Köln. Das Kölner Museum Kolumba beschert den Besuchern zum Jubiläum ein ungewohntes Erlebnis: Imaginäre Kunst an leeren Wänden.

"Die Vier Gekrönten“ haben das Haus verlassen, auch das Elfenbeinkreuz und Lochners Veilchenmadonna fehlen. Kunstraub in Kolumba? Mitnichten. Vielmehr feiert das Kölner Diözesanmuseum (Kolumbastraße 4) seinen zehnten Geburtstag vom 19. bis 21. August bewusst im (fast) leeren Gebäude. Direktor Stefan Kraus hofft, „dass sich viele Besucher an das erinnern, was hier in zehn Jahren passiert ist, dass somit vor dem geistigen Auge Schicht für Schicht ein imaginäres Museum entsteht“. Dieses Privileg ist sonst ihm und seinen drei Mitkuratoren vorbehalten, „wenn wir nach dem Abbau der alten Jahresausstellung die neue Schau in die leeren Räume denken“.

Deren sanfter Sog wird nun besonders spürbar, denn mit viel Gefühl für rhythmische Harmonie hat Architekt Peter Zumthor hohe Turmräume, Kabinette und Säle komponiert, wobei letztere mit raffinertem Wandüberschneidungen Neugier auf den nächsten Raum wecken. „Die Entscheidung für den lichtgrauen Lehmputz an den Wänden war genau richtig“, resümiert Kraus.

Seelsorge im Museum

Noch immer sucht man „für jedes Werk den besten Ort“. Wobei ja nicht nur das Haus etliche Architekturpreise bekam. Als es 2013 vom Internationalen Kunstkritikerverband zum „Museum des Jahres“ gekürt wurde, galt dies auch dem immer wieder aufregend neu arrangierten Zusammenspiel von sakraler und profaner, alter und zeitgenössischer Kunst.

Für Kraus ist nicht die Zahl „von zuletzt stabil etwa 55 000 bis 60 000 Besuchern pro Jahr“ entscheidend, „sondern welche Intensität wir ihnen bieten können“. Auch aus Gesprächen weiß er, „dass hier schon mit den Mitteln eines Kunstmuseums Seelsorge stattfindet“. Nach wie vor sei man Kardinal Meisner dankbar, „der natürlich erkannt hat, dass hier nicht jedes Werk seinem Kunstgeschmack entsprach, der jedoch uns Kuratoren vertraut hat“.

Mehr als eine Ausstellung

Kraus ist seit 26 Jahren im Diözesanmuseum tätig (seit 2008 als Direktor). Und er erinnert sich, dass die wichtigsten modernen Stücke von Rebecca Horn, Richard Serra und vor allem Jannis Kounellis' Hauptwerk „Tragedia Civile“ in der Vorbereitungsphase der 90er Jahre erworben wurden. Heute ist der Ankaufsetat niedriger, doch in zehn Jahren Kolumba kamen auch mit Sponsorenhilfe etwa Michael Buthes documenta-Raum, der Heilig-Geist-Altar und Klangkunst von Bernhard Leitner hinzu.

Der nachhaltige Umgang mit der Sammlung ist immer noch oberstes Gebot in diesem „Museum der Nachdenklichkeit“ – nicht der Langeweile. Schon zur Hälfte der Jahresausstellung lädt man Künstler zu Interventionen ein. Überhaupt soll Kolumba „Werkstatt, Büro, Labor“ sein, was sich auch in den eben nur fast leeren Räumen des Jubiläums spiegelt. Eric Hattan, Marek Poliks und Eva Kot'átková mit den mental behinderten Künstlern von KAT 18 bringen an drei Orten Leben ins ungewohnt kahle Interieur. Außen ist an der Westfassade scheinbar Christo tätig gewesen, doch die verhüllende Plane schützt tatsächlich die allzu durchfeuchtete Wand. Innen freilich bleibt das nur 14 Köpfe zählende Team seiner Maxime treu: Nicht auf das zu schielen, was dem Publikum gefallen könnte, „sondern die Werke unserer Sammlung immer neu zum Klingen zu bringen“. Und Poliks Raumschiff sieht man dabei durchaus als Ansporn zum Flug in neue Sphären.