Theaterpremiere

Der Frauenheld hat andere Interessen

Brillant aufspielendes Sextett: Szene aus „Glamour, Gauner und Juwelen“.

Brillant aufspielendes Sextett: Szene aus „Glamour, Gauner und Juwelen“.

Bonn. Robin Hawdons Komödie „Glamour, Gauner und Juwelen“ im Contra-Kreis-Theater begeistert mit einem außerordentlich spielfreudigen Schauspielersextett, das den Abend zum (Denk-)Vergnügen macht

Spätestens seit Alfred Hitchcock die schöne Grace Kelly und den smarten Cary Grant „Über den Dächern von Nizza“ agieren ließ, weiß man, dass die französische Riviera ein ziemlich gutes Pflaster für Juwelenräuber ist. Der schlechte Ruf wurde erst vor ein paar Jahren wieder aufpoliert: Edle Klunker im Wert von über 100 Millionen Euro wechselten da im Carlton Hotel von Cannes nicht sehr rechtmäßig den Besitzer.

Um solche Rekordsummen geht es in Robin Hawdons Komödie „Glamour, Gauner und Juwelen“ zwar nicht, aber immerhin um eine ordentlich diamantenbesetzte Kette, die sich eigentlich um den Hals einer Filmschauspielerin namens Grace – der Autor weiß, wie man Bezüge herstellt – schmiegen sollte. Aber die Kette ist verschwunden, und Grace liegt dekorativ und einigermaßen leblos auf dem Sofa.

Robin Hawdon, der britische Schriftsteller, ist im Bonner Contra-Kreis-Theater kein Unbekannter. Nicht nur die Freundschaft mit Contra-Kreis-Chef Horst Johanning, sondern auch die Qualität seiner Stücke sorgt dafür, dass seine Komödien mit schöner Regelmäßigkeit in Bonn auf die Bühne kommen. Für die Geschichte um Glamour und Gauner, die in einem Hotel während der Filmfestspiele in Cannes spielt, war es gar eine veritable und vom Publikum heftig gefeierte Uraufführung.

Der Kriminalfall um die Juwelenkette und einen eventuellen Mordversuch, den Hawdon in seiner entzückend altmodisch gestrickten „mörderischen Komödie“ ausbreitet, ist eigentlich nur am Rande interessant. Dem Autor geht es um was ganz anderes: um die Undurchschaubarkeit von Sein und Schein, um die Unentwirrbarkeit von Wirklichkeit und Fiktion. Da ist er ganz dicht beim Film. Bei Hawdon hat alles doppelten Boden: Jeder verdächtigt jeden, niemand ist so richtig das, was er zu sein vortäuscht, selbst der stürmische Frauenheld hat ganz andere sexuelle Interessen, und die vermeintlichen Leichen, die es in ausreichender Zahl gibt, mischen ganz lazarusmäßig schnell wieder im Bühnengeschehen mit.

Hawdon spielt mit Thesen und führt sein Kombinationsspiel in verwirrend absurde Höhen. Horst Johanning hat das Ganze brillant übersetzt und als Regisseur leichtfüßig auf die Bühne gestellt.

Ihm steht dafür ein außerordentlich spielfreudiges Sextett zur Verfügung, das den Abend zum (Denk- )Vergnügen macht. Kerstin Kallewegge als Filmdiva Grace gibt sich ebenso scharfzüngig wie rabiat, sie würde auch als eine verjüngte Ausgabe der Miss Marple durchgehen. An Kombinierlust wird sie nur noch von Rolf Berg als Hoteldirektor übertroffen, der sich zum Hercule Poirot der Riviera mausert und mit elegantestem französischen Akzent punktet.

Die beiden Männer an der Seite von Grace haben klares Profil: Alexander von der Groeben als Ehemann und Manager – ein bisschen Proll, ein bisschen langsam im Denken, aber ein guter Kerl – und Stefan Gebelhoff, der hübsch aufgeregte Filmpartner. Das Gaunerpärchen aus Wolf-Guido Grasenick und Olja Artes erspielt sich viele Sympathiepunkte.

Im Laufe der Komödie erfährt man, dass Filmschauspielerin Grace ihre Popularität vorzugsweise ziemlich kitschigen B-Movies verdankt. Für Hawdons Stück darf man erfreulicherweise Weise A-Standard ansetzen.

Bis zum 16. Juli auf dem Spielplan des Contra-Kreis-Theaters. Karten unter anderem in den Bonnticket-Shops in den Geschäftsstellen des General-Anzeigers.