Lesung in der Bad Godesberger Parkbuchhandlung

Deborah Feldman stellte ihre Autobiografie vor

Die Autorin und Wahl-Berlinerin Deborah Feldman.

Die Autorin und Wahl-Berlinerin Deborah Feldman.

Bad Godesberg. Die Lesung von Deborah Feldman in der Bad Godesberger Parkbuchhandlung zeigt eine blitzgescheite Schriftstellerin, die sich selbst eher als „Erzählerin“ sieht.

„Nach Europa zu gehen, war die klügste Entscheidung, die ich je getroffen habe“, sagte Deborah Feldman in der Bad Godesberger Parkbuchhandlung. „Das hat mir eine Identität gegeben.“ Die US-amerikanische Erfolgsautorin stellte bei Barbara Ter-Nedden ihre Autobiografie „Unorthodox“ vor, mit dem sie 2012 am Tag des Erscheinens schlagartig die Bestsellerliste der New York Times anführte. Der Zürcher Secession Verlag hat die meisterhafte Schilderung des Emanzipationsprozesses einer jungen Frau für den deutschsprachigen Markt herausgebracht.

Feldman lebte in der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, wo weltweit die strengsten Regeln einer ultraorthodoxen jüdischen Gruppe gelten. Die Satmarer sehen im Holocaust eine von Gott verhängte Strafe – und um eine Wiederholung der Shoah zu vermeiden, führen sie ein strikt abgeschirmtes Leben nach strengen Vorschriften. Im Gespräch mit ihrem Schweizer Verleger Christian Ruzicska sagte Feldman: „In der Gemeinschaft gibt es sehr viele Regeln, die den Körper einer Frau zum Eigentum der Gemeinschaft machen.“ So müsse sogar die blutbefleckte Unterwäsche dem Rabbiner vorgelegt werden, und der befinde darüber, ob sie koscher sei. „Meine Privatsphäre war damals verletzt. Durch das Schreiben habe ich die Kontrolle über meinen Körper wieder übernommen“, so Feldman, die jenem streng gläubigen Mikrokosmos den Rücken kehrte, als ihr Sohn zwei Jahre alt war. Die blitzgescheite Schriftstellerin, die sich selbst eher als „Erzählerin“ sieht, lebt seit eineinhalb Jahren in Berlin und spricht längst fließendes und gewähltes Deutsch. „Mich hat gerettet, dass ich mich nicht an andere Aussteiger geklammert habe, sondern mir inspirierende Menschen aus anderen Welten gesucht habe.“