Verstorbene Sängerin

Das hat der neue Bildband zu Amy Winehouse zu bieten

Bonn. Blake Woods Bildband über die am 23. Juli 2011 gestorbene Sängerin Amy Winehouse spiegelt die Freundschaft zwischen Sängerin und Fotograf. Ein Buch nicht nur für Fans.

Ein wahrer, ein bitterer Satz über Amy Winehouse: „Sie klang mit 18 schon wie eine 65-jährige Jazzsängerin, die alle Höhen und Tiefen erlebt hatte“, urteilte Bobby Womack in Asif Kapadias Dokumentarfilm „Amy“ über die englische Künstlerin. Kapadia suchte 2015 „The Girl Behind The Name“. Sein Film zeigte unter anderem, wie Winehouse mit 14 einer ihrer Freundinnen ein laszives „Happy Birthday“ sang. Da hatte das jüdische Mädchen aus Nordlondon mehr als die Hälfte seines Lebens schon hinter sich. Am 23. Juli 2011 starb Winehouse mit 4,16 Promille Alkohol im Blut. Sie schloss sich dem sinistren Club der mit 27 Jahren gestorbenen Stars an: Jimi Hendrix, Janis Joplin, Kurt Cobain, Jim Morrison.

Man sah die Sängerin beim Schminken, beim Herumblödeln, konzentriert im Studio, gelangweilt in Interviews, scheu und exhibitionistisch, aggressiv und verwundbar. Vater Mitch, der sich gegen den Film heftig gewehrt hatte, war zu beobachten, wie er nach einem auskurierten Zusammenbruch der Tochter in deren Urlaub platzt und gleich ein ganzes Kamerateam mitbringt: der Taxifahrer Winehouse als Trittbrettfahrer.

Thematisiert wurde auch Amys Hörigkeit gegenüber Blake Fielder-Civil, der nonchalant über seine Doppelrolle als Lover und Dealer plauderte, als wäre er dadurch nicht Hauptdarsteller einer tödlichen Tragödie geworden. Gegen Ende sah man Amy nervös beim Duett mit ihrem Idol Tony Bennett. Mochte sie in ihrem kurzen Leben vieles, vielleicht sogar sich selbst zerstört haben – die Integrität gegenüber der Musik blieb absolut.

Sängerin und Fotograf lernten sich 2008 kennen

Kapadias Film bleibt nicht die einzige herausragende künstlerische Annäherung an Winehouse. Im Kölner Taschen Verlag erscheint der Foto- und Textband „Amy Winehouse“ von Blake Wood und Nancy Jo Sales. Die Sängerin lernte den amerikanischen Fotografen 2008 in London kennen. Er war 22 und ein aufstrebender Lichtbildner, sie 24 und nach Erscheinen des Albums „Back To Black“ 2006 ein internationaler Star.

Ihr Erfolg elektrisierte Publikum und Paparazzi, fasziniert und schockiert zugleich verschlang die Öffentlichkeit Berichte und Aufnahmen der Folgen von Drogenabhängigkeit, Alkoholsucht und Essstörung. Darüber drohte manchmal die Kunst im Hintergrund zu verschwinden: unsterbliche Songs wie „Stronger Than Me“, „Valerie“ und „Rehab“. Oder „Back To Black“ mit den von der Sängerin hochemotional aufgeladenen Zeilen „We only said goodbye with words / I died a hundred times / You go back to her / And I go back to black“.

Blake Woods Fotos spiegeln die große Intimität, ja: Liebe, die sich zwischen Wood und Winehouse entwickelte. Nancy Jo Sales schreibt in ihrem Beitrag zu dem Buch: „Die tiefe Vertrautheit, die aus den hier versammelten Bildern spricht, lässt ahnen, wie nah sich diese beiden unverhofften Freunde standen. Und so kunstvoll und eindringlich die Bilder auch sein mögen, sind sie letztlich nichts anderes als das: Fotos von einem Freund, der zufällig unglaublich berühmt ist.“

Amy Winehouse ganz privat

Die Aufnahmen entstanden in einer Kneipe in London, auf der Karibikinsel St. Lucia, beim Musikfestival auf der Isle of Wight, in Paris. Winehouse erscheint auf den Seiten des Buches ganz privat und auf der Bühne – aus liebevoller Perspektive aufgenommen. Die voyeuristische Aufdringlichkeit der Paparazzi machte sich Blake Wood nicht zu eigen.

Die meisten der im Band versammelten Fotos sind bei Tageslicht und größtenteils spontan auf St. Lucia entstanden. Die mit alten Filmkameras, Formaten wie Super 8 und Polaroidkamera aufgenommenen Motive vom Aufenthalt 2009 in der Karibik spiegeln eine Frau im Einklang mit der Natur und mit sich selbst, mit Körper und Geist. Rastlosigkeit wich Entspannung, existenzielle Unsicherheit nahm sich eine Auszeit. Es war eine kurze Momentaufnahme im Leben von Winehouse.

„Sie war die Liebe in Person“, erinnerte sich der Fotograf. „Sie half den Leuten um sie herum, Zugang zur Güte und Liebe in sich selbst zu finden. Diese Aufnahmen hier lagen bei mir im Schrank; ich musste sie wegsperren, weil es zu weh tat, sie zu betrachten. Aber jetzt möchte ich, dass die Leute den Menschen sehen, den ich kannte – dieses Licht, dieses strahlende Licht voller Liebe.“

Blake Wood: Amy Winehouse. Mit einem Text von Nancy Jo Sales. Taschen Verlag, 176 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 30 Euro.